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Ladensterben in Sachsen: Helfen kreative Ideen?

Corona hat das Problem vieler Händler verschärft, sich gegen Online-Riesen zu behaupten. Sachsen stockt seine Hilfe auf.

Sachsen will wieder Leben in die Einkaufsstraßen und Innenstädte bringen – so wie in der Burgstraße in Meißen.
Sachsen will wieder Leben in die Einkaufsstraßen und Innenstädte bringen – so wie in der Burgstraße in Meißen. © Claudia Hübschmann

Pop-up-Store oder Shoppen mit Live-Musik: Sachsen will Händler dabei unterstützen, mit kreativen Ideen die Innenstädte nach der Corona-Krise wieder lebendig zu machen. Dafür weitet der Freistaat den Städtewettbewerb „Ab in die Mitte!“ aus, kündigten Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) und Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt (CDU) an. Etwa eine halbe Million Euro extra sind dafür vorgesehen – davon 300.000 Euro in diesem Jahr.

Damit stockt das Land das bereits ausgelobte Preisgeld von 100.000 Euro deutlich auf. Der Handelsverband Sachsen begrüßte die Finanzspritze – und machte deutlich, dass es sich eher um einen symbolischen Beitrag handele. Händler hatten während des Lockdowns wiederholt ein Öffnungskonzept gefordert und vor einem Ladensterben in den Innenstädten gewarnt.

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Bei den Gesprächen zum Doppelhaushalt wurde für „Ab in die Mitte!“ Geld bereitgestellt. „Der Wettbewerb soll genutzt werden, um wieder Leben in die Innenstädte zu bringen“, so Schmidt. Neben Kommunen dürfen sich private und Händlerinitiativen sowie einzelne Gewerbetreibende beteiligen. Unter dem aktuellen Motto „Lebensraum Stadt: Handel, Wandel, Vielfalt“ können sie mehrere Projekte für verschiedene Stadtzentren einreichen. Die Gewinner stehen im November fest. Geld- und Sachpreise zwischen 5.000 und 30.000 Euro sollen helfen, ihre Ideen umzusetzen.

Lockerungen seit Ende Mai

Das könnten etwa Motto-Shopping oder Pop-up-Stores sein, die leer stehende Ladenflächen für Projekte der Kultur- und Kreativwirtschaft nutzen, sagte Dulig. Er verwies darauf, dass es den Wettbewerb schon seit 18 Jahren gebe und mehr als 500 Projekte prämiert worden seien. Das zeige, dass es die Innenstädte und Händler schon länger schwer hätten, sich gegen den boomenden Online-Handel durchzusetzen. „Aber Corona hat uns noch einmal vor besondere Herausforderungen gestellt.“

Die Folgen für die Stadtzentren sind klar: Vielerorts stehen Läden leer. Sie wurden aufgegeben. Mitte Dezember, kurz vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft, mussten wegen steigender Infektionszahlen die meisten Läden in Sachsen schließen. Der Freistaat ermöglichte als letztes Bundesland erst Mitte Februar den Bestell- und Abholservice Click & Collect. Seit Ende Mai gibt es deutliche Lockerungen für den Handel. Bei stabil niedrigen Corona-Zahlen entfällt jetzt auch die Testpflicht.

Dresden: Ein Schild "Vitrine ab sofort zu vermieten" steht in einem Schaukasten in einer Fußgängerzone in der Innenstadt.
Dresden: Ein Schild "Vitrine ab sofort zu vermieten" steht in einem Schaukasten in einer Fußgängerzone in der Innenstadt. © dpa

Mit Lockerungen allein ist es nicht getan, betonte Gunter Engelmann-Merkel, Geschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen. Es dauere, bis sich die Branche erhole. „Die Stimmung bei den Unternehmen ist weitab von Euphorie.“ Die Umsätze seien nach wie vor eher gering. Staatliche Hilfen hätten die weiterlaufenden Kosten nur zum Teil aufgefangen. Viele Händler seien „wirtschaftlich ausgezehrt“. Auch der Verband ist beim Städtewettbewerb aktiv. „Es steht jedoch außer Frage, dass dies nur ein kleiner Baustein politischen Agierens sein kann“, sagte Engelmann-Merkel.

Die Industrie- und Handelskammer Dresden befürchtet, dass sich die negativen Tendenzen der vergangenen Jahre wie Leerstände oder Mieterwechsel hin zu Billiganbietern durch die Folgen der Pandemie verstärken. Gefragt seien individuelle Konzepte in den Städten, etwa mehr Flächen für flexible Arbeitsplätze. Der Handel müsse zudem die begonnene Digitalisierung mit Hochdruck fortsetzen.

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Einen Überblick, wie viele Händler in der Pandemie aufgegeben haben, liegt dem Wirtschaftsministerium nicht vor. Dulig verwies auf die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht. Mit einer Pleitewelle nach dem Auslaufen dieser Sonderregel rechnet er nicht. Ende Juni gibt es zur Belebung der Einkaufsstraßen einen Runden Tisch, unter anderem mit Vertretern von Handel, Handwerk, Gastronomie, Tourismus und Kreativwirtschaft. Das Motto: „Wirtschafts- und Lebensraum Innenstadt“. (dpa)

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