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Maskenpflicht im Unterricht bleibt umstritten

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) würde die Maskenpflicht im Unterricht gern abschaffen. Schüler, Lehrer und Eltern sind sich uneinig.

In Sachsen müssen Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 eine Maske auch im Unterricht tragen.
In Sachsen müssen Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 eine Maske auch im Unterricht tragen. © Guido Kirchner/dpa (Symbolbild)

Die Betroffenen sind wenig begeistert. „In der Schülerschaft sind wir uns weitgehend einig: Lieber setzen wir im Unterricht Masken auf und sind sicher vor Corona, als zu Hause unterrichtet zu werden“, sagt Oliver Sachsze vom Landesschülerrat Sachsen. Natürlich gebe es vereinzelt Schülerinnen und Schüler, die lieber ohne Maske im Unterricht sitzen würden. „Die Mehrheit hat sich damit aber abgefunden, das habe ich auch Herrn Piwarz schon gesagt.“

Christian Piwarz, Sachsens Kultusminister, würde die Maskenpflicht im Unterricht gern abschaffen. Während bei einer Inzidenz ab 35 im Schulgebäude weiterhin eine Maske getragen werden müsste, soll sie nach den Herbstferien am Platz und im Unterricht nicht mehr nötig sein. „Wir müssen die Abschaffung der Maskenpflicht ernsthaft diskutieren“, sagte Piwarz.

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Auch, weil der Druck aus anderen Bundesländern zunimmt. Aus Sicht der Kultusministerkonferenz seien Tests und Maskenpflicht weiterhin nötig.

Ob, wann und wo an Schulen weiter Masken getragen werden müssen, regeln die Länder aber grundsätzlich selbst. Berlin, Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und das Saarland haben die Maskenpflicht in Schulen gelockert oder ganz abgeschafft. In Sachsen gilt die Maskenpflicht im Unterricht nur für Schüler ab Klasse 5 und bei einer Inzidenz über 35. Diesen Wert haben allerdings alle sächsischen Landkreise und Großstädte außer Nordsachsen erreicht.

Entscheidung steht noch aus

Unterstützung bekam Piwarz von der CDU-Fraktion im sächsischen Landtag. Sachsens Sozialministerium reagierte zurückhaltend und verwies auf die Beratungen zur neuen Coronaverordnung in der kommenden Woche. Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) soll von der Idee aber nicht begeistert sein. Die Grünen halten die Diskussion über die Abschaffung der Maskenpflicht für „verfrüht“. Eine endgültige Entscheidung, ob und wann die Maskenpflicht im Unterricht fällt, gibt es noch nicht.

Kritik kommt von der Wissenschaft: Im Robert Koch-Institut sehe man keinen Anlass, zumindest bis zum Frühjahr 2022 an der Empfehlung zu Corona-Schutzmaßnahmen an Schulen, Kitas und in Alten- und Pflegeheimen zu rütteln, sagte Institutschef Lothar Wieler. Im Herbst und Winter sei wegen der Zunahme von Kontakten in Innenräumen auch mit steigenden Infektionszahlen zu rechnen. Schon jetzt stecken sich immer mehr Kinder und Jugendliche in Sachsens Schulen an. In der vergangenen Woche stellte das Kultusministerium 403 Infektionen bei Schülerinnen und Schülern sowie 26 bei Lehrkräften fest.

Lehrerverband für Testpflicht

Für den sächsischen Lehrerverband steht deswegen fest: Die Maskenpflicht im Unterricht kann nur fallen, wenn die Testpflicht fortgesetzt wird. Der Kultusminister hatte angekündigt, nach den Herbstferien wieder drei- statt zweimal in der Woche zu testen. „Das ist uns wichtig“, sagt Michael Jung vom Lehrerverband. „Die Maskenpflicht ist eine absolute Belastung für Schüler und Lehrer, es ist uns aber bewusst, dass sie ein Schutz ist.“ Im Schulgebäude sollte aber weiter eine Maske getragen werden.

Der sächsische Lehrerverband sagt, die Maskenpflicht könne nur fallen, wenn die Testpflicht fortgesetzt werde.
Der sächsische Lehrerverband sagt, die Maskenpflicht könne nur fallen, wenn die Testpflicht fortgesetzt werde. © Christoph Soeder/dpa

Uschi Kruse von der Bildungsgewerkschaft GEW warnte die Regierung, nicht zu viel zu versprechen. Sachsen sollte wenigstens die Wirkung von Reisen und Zusammentreffen in den Ferien abwarten. „Wir wollen, dass die Schulen auch in der kalten Jahreszeit geöffnet bleiben“, sagt Kruse. „Das wird nicht ohne Hygienemaßnahmen und -konzepte gehen.“ Angesichts der niedrigen Impfquote in Sachsen und angesichts fehlender Luftfilter in den Schulen bleibe die Maske in geschlossenen Räumen als ein Teil des Maßnahmenbündels zum Gesundheitsschutz leider sinnvoll.

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Nach Ansicht des Landeselternrates hat die Akzeptanz der Maskenpflicht sowohl bei den Eltern wie auch bei den Schülern extrem abgenommen. Selbst Mediziner und Kinderärzte würden mittlerweile die Abschaffung der Maskenpflicht fordern. „Es ist auch deshalb nicht mehr vermittelbar, dass in Betrieben, Restaurants oder auch in Stadien Menschen dicht an dicht ohne Maske unterwegs sind und andererseits Schülerinnen und Schüler, die zwei- bis dreimal die Woche getestet werden, zusätzlich Masken tragen sollen“, sagt André Jaroslawski vom Landeselternrat. „Und das zuweilen über 9 Stunden hinweg.“

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