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Corona-Test: Das Ende der Selbstauskunft ist ein Fehler

Um als Corona-negativ zu gelten, reicht keine Selbstauskunft mehr. Eine folgenreiche Entscheidung zum falschesten Zeitpunkt. Ein Kommentar.

Ausgerechnet beim Selbsttest gibt es kein Vertrauen mehr in die Eigenverantwortung der Bürger - ein folgenschwerer Entschluss, kommentiert SZ-Redakteur Fabian Deicke.
Ausgerechnet beim Selbsttest gibt es kein Vertrauen mehr in die Eigenverantwortung der Bürger - ein folgenschwerer Entschluss, kommentiert SZ-Redakteur Fabian Deicke. © dpa

Eine Pandemie ist nicht "Wünsch dir was" - das sollte Konsens sein. Einige Dinge helfen, das Ganze so schnell wie möglich zu überwinden. Dazu zählen Masken, Abstände einhalten und, auch wenn das nirgends festgeschrieben ist, Geduld.

Letztere ist allein schon in Anbetracht der nun mehr als 14 Monate Dauerbelastung schwer angegriffen. Nun hat der Bund entschieden, dass die Selbstauskunft über einen negativen Coronatest nicht mehr ausreicht. Diese Regel gilt somit auch in Sachsen. Getestet werden muss künftig also im Testzentrum oder vor Ort, in Schule, Kita oder beim Friseur. Das macht alles nur noch komplizierter.

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Wo ist das Vertrauen in die Eigenverantwortung?

Klar: Dass ein selbst ausgefülltes Formuar so fälschungssicher ist wie ein Sieb wasserdicht, dürfte schon vor Einführung dieser Möglichkeit offensichtlich gewesen sein. Doch die Politik hat auf die oft betonte Eigenverantwortung der Menschen gesetzt, nur um sie jetzt wieder anzuzweifeln.

Oder knickt man gegenüber jenen ein, die sich ohnehin absichtlich allen Coronaregeln verweigern? Ganz gleich, was die Ursache ist, der Entschluss kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt und ist folgenschwer.

Aber der Reihe nach: In einer Zeit, in der Geimpfte per Gesetz mehr Freiheiten als Nichtgeimpfte zurückerhalten, war die Möglichkeit der Selbstauskunft eine angemessene Alternative, um Gleichberechtigung herzustellen.

Der Gang zum Kindergarten wird zum Stresstest

Die Rücknahme trifft also nicht nur jene, die das Formular missbraucht haben, sondern auch die, die noch nicht das Glück hatten, einen Impftermin zu bekommen. Für sie wird die ohnehin komplizierte Pandemie nun noch komplizierter.

Ein Beispiel: Wer sein Kind in einer Kita nicht an der Eingangstür abgeben möchte, was bei kleineren Krippenkindern verständlich ist, muss jetzt unter Aufsicht einen Test machen. Stäbchen in die Nase, 15 Minuten warten, irgendwie den Knirps bei Laune halten, und dann rein.

Unnötiger Stress für alle Beteiligten, unbenommen der Tatsache, dass Kitas derzeit personell ohnehin oft schon am Limit arbeiten, weil die Kinder in kleineren und strikt getrennten Gruppen geführt werden müssen.

Die Änderung kommt über Nacht

Und, wie bei so vielen Beschlüssen in der Pandemie, gilt das Ganze ab sofort, unverzüglich. Um beim Bild mit den Kitas zu bleiben: Dort dürften an diesem Dienstag überall in Sachsen das Leitungs- und Erzieherpersonal von der Nachricht erst überrumpelt und nun mit der Umsetzung überfordert sein.

Denn schon morgen müssen sie gewährleisten, dass das Testen beaufsichtigt wird, sich dabei vor dem Haus keine Schlange eng beisammen stehender, vielleicht auch plaudernder Eltern bildet.

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Wer Zugang zu Dienstleistungen und Geschäften haben möchte, braucht einen negativen Corona-Test. Nun wurden die Regeln verschärft.

Genauso geht es Friseuren, Ladenbetreibern und alle anderen, die in Bereichen tätig sind, wo ein negativer Test für den Zugang zu Dienstleistungen zwingend ist. Eine große zusätzliche Belastung, die mit etwas mehr Vertrauen in die mittlerweile pandemieerprobte Gesellschaft unnötig wäre.

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