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Geldstrafe für Maskenmuffel in Dresden

Ausreden gelten nicht mehr: Ab sofort werden beim ersten Verstoß gegen die Maskenpflicht 60 Euro fällig. Was die Maskenprüfer auf Streife erleben.

Freundliche Hinweise reichen nicht mehr. Diese zwei jungen Frauen trugen keine Masken. Sie bekommen nun Post vom Ordnungsamt.
Freundliche Hinweise reichen nicht mehr. Diese zwei jungen Frauen trugen keine Masken. Sie bekommen nun Post vom Ordnungsamt. © René Meinig

Dresden. Es wird kein Auge mehr zugedrückt. Wer jetzt ohne Mund-Nasen-Schutz auf Plätzen und Straßen im Dresdner Zentrum erwischt wird, auf denen Maske getragen werden muss, wird zur Kasse gebeten. Die Zeit, in der es bei einer freundlichen Ermahnung blieb, ist vorbei. Die Kontrolleure drücken kein Auge mehr zu. 60 Euro kostet der Regelverstoß. Schon beim ersten Mal.

Das war nicht immer so. Als Ordnungsamt und Polizei Anfang der letzten Oktoberwoche zum ersten Mal gemeinsam die Maskenpflicht in den Dresdner Straßenbahnen überprüften, hatten die Kontrolleure für vergessliche Fahrgäste sogar Masken einstecken. Die gab es gratis, samt einem Hinweis auf die Pflicht, den Mund-Nasen-Schutz in den Bussen und Bahnen zu tragen. Das war am 18. Oktober. Die Inzidenz, also die Zahl der Infizierten pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen, war da noch zweistellig. Sie lag sogar fast noch im grünen Bereich der Corona-Ampel. Bei 28 stand der Zeiger an diesem Tag.

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An diesem Freitag Anfang Dezember ist alles anders. Das Robert Koch-Institut meldet eine Inzidenz-Zahl nahe der 200er-Marke, es sind 189,5 Infizierte pro 100.000 Einwohner. Auf der Prager Straße, die jetzt zu den Maskenpflicht-Gebieten im Stadtzentrum gehört, ist Schluss mit lustig. Polizeimeister Tiefenbach und sein Begleiter vom Ordnungsamt machen Ernst. Sie kontrollieren nicht nur, sie nehmen auch die Adressen der Maskensünder auf, die später Post vom Ordnungsamt bekommen. Egal, weshalb sie ohne Maske unterwegs waren. Es sei denn, sie haben ein Attest bei sich, das sie von der Tragepflicht befreit.

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Am Nachmittag, zur besten Einkaufszeit laufen Tiefenbach und ein Kollege vom Ordnungsamt in Richtung Hauptbahnhof. An der Treppe, an der die Fußgängerzone deutlich breiter wird, kommen ihnen zwei junge Dresdnerinnen entgegen, ohne Maske. Tiefenbachs Begleiter spricht sie an und zückt sogleich sein Notizbuch. Die jungen Frauen setzen fast zeitgleich ihre Masken auf. Sie hatten sie wohl vergessen, doch es gibt kein Pardon.

Ihre Personendaten werden für die Post vom Ordnungsamt notiert, dann gibt es noch eine Belehrung und zum Schluss die Ankündigung, dass sie bald Nachricht bekommen und sich dann dazu äußern können. Dann dürfen sie weiter. Beide verdrehen die Augen, wollen nichts mehr dazu sagen und ziehen davon.

40 Menschen ohne Maske in einer guten Stunde

"Die meisten tragen Maske", sagt Polizeisprecher Marko Laske, der die Kontrolleure an diesem Tag begleitet. Es sind etwa 95 bis 98 Prozent, schätzt er. Ähnlich war das Ergebnis bei der Straßenbahnkontrolle am Vormittag des 18. Oktober. 94 Prozent trugen damals den vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz.

"Wir haben zwei Ziele", sagt Laske. Einerseits sollen Infektionsketten durchbrochen oder von vornherein verhindert werden. "Außerdem wollen wir die Leute bestärken, die Maske tragen, indem derjenige, der keine trägt, die Konsequenzen tragen muss." Ausreden zählen nicht mehr, ergänzt er noch.

P. Sickert vom Ordnungsamt hat sie alle schon gehört. Selbst Pöbeleien, Beleidigungen und Handgreiflichkeiten hat er bereits erlebt. "Eigentlich täglich", sagt der 38-Jährige. Trotzdem ist er regelmäßig als Maskenprüfer unterwegs, auch an diesem Freitag.

Fast 40 Menschen ohne den Mund-Nasen-Schutz erwischen die Beamten binnen einer reichlichen Stunde. Es ist aber auch ordentlich Betrieb auf der Prager Straße an diesem Freitagnachmittag.

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Etwa 12 Mitarbeiter des Ordnungsamtes und ein Zug Bereitschaftspolizei stehen täglich für Kontrollen der Corona-Regeln in Dresden bereit. Zusammen sind es rund 50 Kollegen, die die Einhaltung der Maskenpflicht, des Alkohol-Ausschankverbots am Abend und alle sonstigen Regeln aus der aktuellen Allgemeinverfügung der Stadt überwachen. "Die meisten, die keine Maske tragen, haben eine dabei, setzen sie aber nicht auf", hat Sickert beobachtet.

Kurz darauf läuft Peter an der Kontrollgruppe vorbei. Zügig geht er in Richtung Külz-Ring, bis sich ihm ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes in den Weg stellt. Peter trägt keine Maske und gibt zu verstehen, dass ihm die Kontrolle nicht passt. Dann nestelt er einen zerknitterten Zettel aus der Brusttasche seiner Jacke. Es ist sein Attest. Er muss wegen einer Atemwegserkrankung keine Maske tragen. "Diskriminierend", findet er solche Kontrollen, sagt der Dresdner, der seinen Nachnamen nicht nennen will.

Als er weitergehen darf, gibt er noch eine Erklärung ab, die ihn als Gegner der gesamten Corona-Regeln erkennen lässt. Die Maskenpflicht sei doch am 20. April, dem Geburtstag Hitlers eingeführt worden. "Das haben die Mainstream-Medien noch nie geschrieben." Dann zieht er weiter in eine Richtung, in der schon die nächste Kontrollstreife steht. Dieses Mal wird er nicht gestoppt.

Wer raucht oder etwas trinkt, muss keine Maske tragen, sollte aber dann nicht mitten durch die Leute laufen, sagt die Polizei. Sonst muss auch er Strafe zahlen.
Wer raucht oder etwas trinkt, muss keine Maske tragen, sollte aber dann nicht mitten durch die Leute laufen, sagt die Polizei. Sonst muss auch er Strafe zahlen. © René Meinig
Wer ohne Maske unterwegs ist, wird von den Kontrolleuren aufgeschrieben. Die meisten Maskenmuffel geben an, den Mund-Nasen-Schutz nur vergessen zu haben.
Wer ohne Maske unterwegs ist, wird von den Kontrolleuren aufgeschrieben. Die meisten Maskenmuffel geben an, den Mund-Nasen-Schutz nur vergessen zu haben. © Archiv/Rene Meinig
Das Einsatzgebiet der Kontrolleure reicht in der Altstadt vom Zwingerteich bis zur Synagoge.
Das Einsatzgebiet der Kontrolleure reicht in der Altstadt vom Zwingerteich bis zur Synagoge. © René Meinig

"Wir können nur Stichproben machen", sagt Laske, bei der aktuellen Schlagzahl soll es aber bleiben. Das heißt, täglich wird kontrolliert. Selbst die Bundespolizei ist an diesem Freitag im Einsatz. Gemeinsam mit dem Ordnungsamt überwacht sie die Einhaltung der Maskenpflicht auf dem Wiener Platz vor dem Hauptbahnhof.

Gnade vor Recht gilt nur, wenn die Nase aus der Maske gerutscht ist. Ansonsten handeln auch die Beamten dort nach der neuen, schärferen Regel, dass jetzt zahlen muss, wer ohne Schutz im Maskenpflicht-Gebiet angetroffen wird. Schließlich gebe es Maskenregeln nun schon so lange, dass sie jeder kennen müsste. Nur eines könnte die Stadt noch machen, sind sich die Kontrolleure einig: Schilder mit einem entsprechenden Hinweis aufstellen oder Markierungen auf dem Boden anbringen. Immer dort, wo ein Maskenpflicht-Gebiet beginnt.

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