merken
PLUS Dresden

Sind Dresdens Schulen für Corona-Herbst gewappnet?

An vier Einrichtungen sollen Lüftungsanlagen getestet werden. Welche Technik zum Einsatz kommt und welche Ideen es noch gibt.

Mobile Luftfiltergeräte sollen die Konzentration von Aerosolen auch in Klassenräumen, die nicht gut belüftet werden können, senken können. In Dresden ist das nur vereinzelt eine Option.
Mobile Luftfiltergeräte sollen die Konzentration von Aerosolen auch in Klassenräumen, die nicht gut belüftet werden können, senken können. In Dresden ist das nur vereinzelt eine Option. © Symbolfoto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Dresden. Die Sommerferien stehen vor der Tür und damit auch der Blick auf das kommende. Schuljahr. Erneute Schließungen will man ab Herbst unbedingt vermeiden. Steigende Inzidenzen und eine vierte Welle, die von Wissenschaftlern vorausgesagt wird, machen die Debatte darüber, wie ein Schulbetrieb mit möglichst großem Infektionsschutz funktionieren kann, aber dringend nötig. Auch deshalb, weil die meisten Schüler nicht geimpft sein werden. Wie sollen also die Dresdner Schulen auf den Corona-Herbst vorbereitet werden? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Ist der Einsatz von Lüftungsanlagen in Schulen geplant?

Während das Schulverwaltungsamt den Einsatz von Lüftungsanlagen Anfang dieses Jahres noch ablehnte, plant Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) nun doch deren Einsatz. Zunächst aber nur vereinzelt: An vier Schulen sollen Lüftungsanlagen eingebaut werden.

Anzeige
Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten!
Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten!

Die Sächsische Grundstücksauktionen AG veranstaltet ihre Herbst-Auktionen am 27. und 31. August in Leipzig und Dresden.

Zu unterscheiden ist dabei die Art der Filtergeräte. Während für mobile Umluft-Filtergeräte in den Plattenbauschulen Typ Dresden nicht genug Platz ist, so das Schulverwaltungsamt, fehlt in den Altbauschulen der dafür benötige Stromanschluss. Eine Montage an den Decken sei - wenn überhaupt - nur mit großem Aufwand möglich.

In den Modellprojekten sollen deshalb sogenannte RLT-Anlagen eingesetzt werden. Für die Lüftungskanäle müssen Wand- und Deckendurchbrüche gemacht werden - das heißt: Der bauliche Aufwand ist groß und hat zudem Folgen für den Brandschutz. Solche Anlagen müssen außerdem umfassend geplant und können nicht im Schulbetrieb eingebaut werden.

Dabei gibt es derartige Lüftungsanlagen bereits in 98 Schulen und Sporthallen. Nun soll diese Technik an vier weiteren Schulen eingesetzt werden. Neben der Grundschule Cossebaude stehen dafür die 12. Grundschule in Cotta, die 92. Grundschule in Großzschachwitz und das Berufsschulzentrum für Wirtschaft in der Johannstadt auf der Liste. In Cossebaude würde der Einbau mindestens 200.000 Euro kosten, im BSZ etwa 150.000 Euro. Die Kosten in den beiden anderen Schulen werden noch ermittelt.

Die Stadtverwaltung betont, dass mobile Geräte das Öffnen der Fenster nicht ersetzen können und mit Kosten von 3.000 bis 4.000 Euro pro Gerät zu teuer für einen flächendeckenden Einsatz in allen Dresdner Klassenzimmern sind. Denkbar sei das lediglich in großen, schlecht belüfteten Räumen, die häufig von vielen verschiedenen Schülern genutzt werden - etwa in den Speiseräumen des Schultyps Dresden.

Wer trägt die Kosten für die Luftfiltertechnik?

Bislang hat sich der Bund nur an den Kosten für RLT-Anlagen beteiligt. Allerdings haben das nur sehr wenige Schulen in Anspruch genommen. Deshalb wird nun auch die Beschaffung mobiler Luftreiniger finanziell unterstützt.

Für Sachsen stehen dafür zehn Millionen Euro zur Verfügung. Weil der Bund 50 Prozent fördert, müsste der Freistaat weitere zehn Millionen Euro beisteuern, sodass insgesamt 20 Millionen Euro für Luftfilteranlagen ausgegeben werden können. Dresden prüft nun zunächst die Bedingungen, die mit einem Antrag für diese Fördermittel verbunden sind.

Was fordern Dresdens Bildungspolitiker?

SPD-Stadträtin Dana Frohwieser und ihre Fraktion pochen bereits seit vergangenem Herbst darauf, diese Technik in den Dresdner Schulen einzusetzen. Dass die Verwaltung nun klage, dass die Zeit in den Sommerferien für den Einbau nicht reiche und deshalb auch die Fördermittel des Bundes nicht verwendet werden könnten, kritisiert sie scharf.

Ebenso wie die Diskussion über das Kosten-Nutzen-Verhältnis mobiler Geräte. "Für mich ist absolut klar: Wechselunterricht, Schulschließungen, ständige Quarantänen oder rücksichtslose Durchseuchung der Jüngsten darf es im Herbst 2021 nicht geben", so Frohwieser.

Auch die Grünen im Dresdner Stadtrat drängen schon länger auf technische Lösungen, um die Zimmer besser zu lüften. "CO2-Ampeln und konsequentes Lüften sowie Testung und Masken können erheblich zur Reduzierung des Infektionsrisikos in Schulen beitragen", so Agnes Scharnetzky, Bildungsexpertin der Grünen-Fraktion. Auch, weil es Schulen gebe, die aufgrund von Straßenlärm ihre Fenster nicht öffnen könnten. Mobile Lüfter seien eine Behelfslösung, sie sollten nur im Notfall angeschafft werden. Die festen Anlagen sollten sich dagegen zum Standard in den Schulen entwickeln.

Bis dahin fordert Scharnetzky: "Räume, in denen die Fenster nicht geöffnet werden können und keine Luftfilter vorhanden sind, können nicht genutzt werden." Es sei nun wichtig, dass das Schulverwaltungs- und das Gesundheitsamt gemeinsam Stressszenarien erarbeiten.

Matthias Dietze, der für die CDU im Stadtrat sitzt und selbst Lehrer ist, hält andere Investitionen zunächst für wichtiger. Solange die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel nicht etwa für wichtige Schulbaumaßnahmen reichten, solle man die Lüftungsanlagen mit Bedacht einführen. Sinnvoll sei die Technik nur dort, wo nicht ausreichend gelüftet werden kann. Ansonsten setze seine Fraktion auf jene Strategie, die sich an den Schulen bislang bewährt hat und effektiver sei, als jede Raumlüftungsanlage: "regelmäßige Testung der Schüler, Impfquote bei Lehrern erhöhen, Masken tragen und konsequente Durchsetzung der Lüftungskonzepte über die Fenster."

Einen flächendeckenden Einsatz mobiler Geräte lehnt auch die Fraktion Die Linke ab. Allerdings seien sie in Speiseräumen durchaus sinnvoll, auch, weil die Lautstärke, die von diesen Geräten ausgeht, in diesem Bereich kein Problem sei, so Linke-Stadträtin Anja Apel, die ebenfalls als Lehrerin arbeitet. Das Modellprojekt von Donhauser unterstützt ihre Fraktion indes ausdrücklich. Dafür solle das Fördergeld des Bundes genutzt werden. Damit unnötige Energiekosten - ob durch den Stromverbrauch der Lüfter oder durch übermäßiges Heizen, wenn die Fenster geöffnet werden müssen - vermieden werden können, schlägt Apel den Einsatz von CO2-Messgeräten vor, die signalisieren, wann das Lüften nötig wird.

Auch Torsten Nitzsche von den Freien Wählern ist Lehrer und hält Lüften für die beste Methode. Längere Pausen zwischen allen Stunden, dafür eine verkürzte "große" Pause sollen zudem dafür sorgen, dass die Kinder so lange wie möglich an der frischen Luft sind.

Weiterführende Artikel

Corona-Luftfilter nur Luftnummer?

Corona-Luftfilter nur Luftnummer?

Eltern, Politiker und Lehrer im Kreis Meißen bezweifeln die Sinnhaftigkeit der Virenreiniger und würden das Fördergeld lieber für andere Zwecke einsetzen.

Dresdner Schule gesperrt: So geht es weiter

Dresdner Schule gesperrt: So geht es weiter

In der 35. Grundschule bröckelt der Putz, die Schüler lernen seit 2020 auswärts. Doch die Pläne der Stadt haben sich verschoben. Warum?

Wie geht es an den Schulen weiter, Herr Piwarz?

Wie geht es an den Schulen weiter, Herr Piwarz?

Sachsens Schüler stehen kurz vor den Sommerferien. Kultusminister Christian Piwarz spricht über Corona-Tests im Herbst, Luftfilter und eine Impfflicht.

Die Dissidenten im Stadtrat fordern indes, dass die Stadt Geld in die kurzfristige Anschaffung von 1.000 mobilen Luftfiltergeräten investiert. Das würde rund zwei Millionen Euro kosten, mit der Förderung des Bundes läge der Anteil der Landeshauptstadt bei 500.000 Euro, rechnet die Fraktion vor.

Mehr zum Thema Dresden