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SOE: Garten dringend gesucht

Die Kleingartenvereine freuen sich über die Nachfrage. Doch falsche Vorstellungen können den Traum vom Platz im Grünen schnell zum Albtraum werden lassen.

Pächter gesucht - auch das kommt vor. Doch häufiger heißt es derzeit: Garten gesucht.
Pächter gesucht - auch das kommt vor. Doch häufiger heißt es derzeit: Garten gesucht. © dpa

Nix wie raus in den Garten. Glücklich wer einen hat. Wer nicht, der sucht. Wie schon im ersten Corona-Jahr steigt wieder die Nachfrage nach einem Kleingarten. In den 143 Vereinen des Territorialverbandes der Kleingärtner im Landkreis sind derzeit etwa 200 Parzellen frei. Doch das ändert sich täglich, sagt Geschäftsführerin Susanne Russig. Schön für die Vereine, die in der Vergangenheit oft lange über leere Gärten klagten und für die, die einen bekommen. Schlecht für diejenigen, die einen Garten suchen. Und das sind gerade in der Sächsischen Schweiz immer mehr Leute auch aus Dresden, weil Gärten dort immer mehr zur Mangelware werden, sagt Susanne Russig.

Wer einen Garten sucht, hat oft konkrete Vorstellungen. Das betrifft Ort, Größe, Zustand. Und da wird es schon schwierig. Mancher wünscht sich einen Kleingarten mit intakter und gepflegter Laube, komplett angelegtem und gut bewirtschafteten Garten, der von Vorpächtern vielleicht sogar mit Gartengeräten und Einrichtungsgegenständen übernommen werden kann. Hier dämpft Susanne Russig die Erwartungen. "Vereine müssen Gärten immer wieder auch im verwilderten Zustand übernehmen, wenn Vorpächter verstorben, krank oder auf und davon sind", sagt sie und rät Neupächtern, auch einen Neuanfang zu erwägen, um sich ihren Traumgarten anzulegen.

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Anzeigen, Anwälte, Abstand

So wie die vielen Gartenfreunde, die oft unter widrigsten Umständen in der Zeit von um 1900 bis 1989 die Kleingartenanlagen errichteten, sagt Susanne Russig. Auf wilden Ackerflächen, Unland, Mülldeponien. Technik und Baumaterial waren schwer zu organisieren und zu bezahlen. "Aber die Menschen hatten etwas, was manchmal noch bis heute anhält: ein Wir-Gefühl. Zusammenhalt. Gegenseitig helfen. Füreinander da sein." Leider seien diese Werte immer mehr verloren gegangen. "Viele wollen mit ihren Gartennachbarn nichts mehr zu tun haben, mit dem Vorstand kommuniziert man über Anwälte und der Gartennachbar bekommt eine Anzeige wegen Ruhestörung", sagt Susanne Russig. So kann der Traumgarten zum Albtraum werden.

Voraussetzungen: Interesse, Zeit, Arbeit, Geld

So sehr nachvollziehbar die Nachfrage nach Gärten in Corona-Zeiten ist, Kleingärten sind nicht der Ort zum "einfach Draußensein". Es bleibt bei der Forderung: Auf mindestens einem Drittel der Fläche muss Obst und Gemüse wachsen. Die Vereinsvorstände prüfen deshalb genau, ob Bewerber auch wirklich Interesse fürs Gärtnern haben, sagt Susanne Russig. "Wer dieses Interesse nicht hat oder den Zeit-, Arbeits- und Geldaufwand dauerhaft nicht aufbringen kann, wird nicht lange Pächter in einer unserer Anlagen sein."

Gartenzwerge sind Geschmacksfrage, aber nicht verboten.
Gartenzwerge sind Geschmacksfrage, aber nicht verboten. © dpa

Wer in einem Kleingartenverein gärtnert, unterliegt dem Bundeskleingartengesetz. Das gilt in der BRD seit dem 1. April 1983, in den neuen Bundesländern seit dem 3. Oktober 1990. Es schützt die Kleingärtner, gleichzeitig setzt es Grenzen. Prinzipiell gilt: "Wer nicht kleingärtnern will, sollte sich einen Wochenend- und Erholungsgarten zulegen", sagt Susanne Russig. Den Unterschied macht aber auch das Geld. Was es sonst noch bei Kleingärten zu beachten gibt, hier zusammengefasst.

Wie groß darf die Laube sein?

24 Quadratmeter und nicht größer. Diese Größe gilt auch für Anlagen im sogenannten Außenbereich, für den das Baurecht enge Grenzen setzt. Die Festlegung auf die 24 Quadratmeter soll verhindern, dass sich Kleingartenanlagen zu Wochenend- und Erholungsgärten entwickeln. Gartenlauben sind keine Eigenheime. Die Laube soll dem Pächter nur für einen vorübergehenden Aufenthalt und nur der gelegentlichen und behelfsmäßigen Übernachtung dienen. Grundsätzlich dient die Laube dem Aufbewahren von Gerätschaften und Gartenbauerzeugnissen. Dazu zählt auch, dass es seit dem 3. Oktober 1990 in den neuen Bundesländern nicht mehr möglich ist, einen Wasseranschluss in die Laube zu legen. Wasseranschlüsse und Abwasseranlagen, die vor dem 3. Oktober 1990 rechtmäßig errichtet wurden, haben Bestandsschutz.

Alternative wäre, dass Kleingartenanlagen eine Umnutzung als Wochenend- und Feriendorf anstreben. Mit all den Forderungen und Konsequenzen, wie Bebauungsplan, Baurecht, Brandschutz, Abwasserentsorgung, Feuerwehrzufahrten. Ob es am Ende aufgrund angrenzender Wald-, Naturschutz- oder Überflutungsgebiete genehmigt würde, bezweifelt Susanne Russig.

Was ist mit Pools im Kleingarten?

Das Bundeskleingartengesetz macht keine Vorgaben, wie groß Pools in Kleingärten sein dürfen. Diese Regelung ist Teil der Rahmenkleingartenordnung des Landesverbandes Sachsen. Hier wurde eine Maximalgröße von drei Kubikmetern festgelegt. Auch hier gilt: Die Erholung ist der kleingärtnerischen Nutzung untergeordnet, sagt Susanne Russig. "Für unsere Kinder sind im Sommer transportable Planschbecken bis zu drei Kubikmeter völlig ausreichend." Größere Pools entsprechen nicht mehr dem Charakter einer Kleingartenanlage und es würde ein weiteres Problem entstehen: die Entsorgung des Abwassers.

Was muss ich anbauen?

Muss das wirklich sein, auf mindestens einem Drittel der Fläche Obst und Gemüse anzubauen? Äpfel, Möhren, Zwiebeln usw. bekommt man doch immer und preiswert zu kaufen. "Es mag sein, dass einige Gartenfreunde so denken", sagt Susanne Russig. Wer einen Kleingarten pachtet, unterschreibt einen Pachtvertrag, in dem die kleingärtnerische Nutzung vereinbart wird. Damit ist klar, dass man das Land nicht als Wochenend- oder Ferienhaussiedlung nutzen kann. Zu dieser rechtlichen Seite kommt eine weitere: "Im Kleingarten angebautes Obst und Gemüse ist umweltfreundlich und gesund, denn hier kommen keine oder nur sehr wenige Pflanzenschutzmittel zum Einsatz und lange Transportwege werden verhindert. Unsere Kinder und Enkelkinder können sehen und lernen, wie Lebensmittel produziert werden", sagt Susanne Russig.

Warum sind Nadelgehölze verboten?

Das Bundeskleingartengesetz verbietet keine Nadelgehölze. Es ist jedoch festgelegt, dass der Kleingarten kleingärtnerisch genutzt werden muss. Dafür ist eben mindestens ein Drittel der Gartenfläche zu verwenden. Nadelgehölze aber wachsen sehr rasch und schränken die Kleingarten-Nutzung schnell ein: Schatten, Versauern des Bodens, Nährstoffentzug, übertragen von Pflanzenkrankheiten und anderes. Deshalb wurden in der sächsischen Rahmenkleingartenordnung und in den vorherigen Gartenordnungen zu DDR-Zeiten Nadelgehölze verboten.

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