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"Ich werde froh sein, wieder vor den Schülern zu stehen"

Homeschooling in Corona-Zeiten ist auch für Lehrer eine Herausforderung. Drei aus der Kamenzer Region erzählen, wie sie damit umgehen.

Jens Krüger unterrichtet am Lessing-Gymnasium in Kamenz Deutsch, Geschichte und Gemeinschaftskunde. Auch für ihn ist Homeschooling eine Herausforderung.
Jens Krüger unterrichtet am Lessing-Gymnasium in Kamenz Deutsch, Geschichte und Gemeinschaftskunde. Auch für ihn ist Homeschooling eine Herausforderung. © René Plaul

Kamenz/Pulsnitz/Großröhrsdorf. Homeschooling - über kaum ein anderes Thema wird derzeit in Familien häufiger gesprochen. Wo finde ich die Aufgaben? Wie kann ich Fragen loswerden? Schaffe ich alles? Reicht die technische Ausstattung? Wie teile ich mir den Tag ein? Die Gespräche am Abendbrottisch sind überall ähnlich. Lernen zu Hause ist schwierig, ein Vergleich mit regulärem Unterricht kaum möglich.

Das sehen nicht nur Schüler und Eltern so, sondern auch die Lehrer. Sächsische.de hat mit drei von ihnen gesprochen: einem Gymnasiallehrer, einem Oberschullehrer und einer Grundschullehrerin.

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Beispiel Gymnasium: Auf das Wesentliche konzentrieren

Jens Krüger unterrichtet am Lessing-Gymnasium in Kamenz Deutsch, Geschichte und Gemeinschaftskunde - und das schon seit 15 Jahren. "Ich bin gern Lehrer und habe viele Veränderungen in meinem Berufsleben erlebt. Aber Homeschooling war und ist für mich eine ganz besondere Herausforderung", sagt der 52-Jährige. Das begann schon mit der Technik. "Ich musste lernen, über Lernsax Aufgaben an die Schüler zu schicken und mit ihnen zu kommunizieren", erzählt er über die Anfangszeit.

Am Gymnasium hieß es diesbezüglich besonders im Frühjahr Learning by doing. Später gab es Weiterbildungsangebote, und junge Kollegen haben den älteren unter die Arme gegriffen, so manchen Trick gezeigt. "Für den PC zu Hause habe ich mir eine Kamera gekauft, um auch visuellen Kontakt mit den Schülern, aber auch Kollegen zu halten", berichtet Jens Krüger.

Rund 700 Schüler lernen am Kamenzer Lessing-Gymnasium, und auch sie mussten sich zunächst oft selbstständig mit Lernsax vertraut machen. Jens Krüger weiß, dass sowohl die technischen Voraussetzungen als auch die Motivation bei den Schülern ganz unterschiedlich sind.

Für seine Aufgaben kann der Lehrer auf bereits von ihm selbst erstellte digitalisierte Vorlagen zurückgreifen. Trotzdem schätzt er ein, dass der Aufwand jetzt größer ist als in normalen Schulzeiten. Jeden Tag kämen besonders zu komplexen Aufgaben wie Belegarbeiten mehrere Anfragen von Schülern, außerdem müssen die zurückgesandten Aufgaben kontrolliert und gegebenenfalls bewertet werden.

Für den Gymnasiallehrer ist klar, dass auf das gesamte Schuljahr bezogen Unterrichtsstoff verloren geht. "Wir konzentrieren uns auf das Wesentlichste", sagt er. Einen Satz will er aber im Nachhinein nicht hören: "Das ist der Corona-Abiturjahrgang." Darauf richte sich jetzt sein Unterrichten, besonders im Abiturjahrgang.

Beispiel Oberschule: Nicht alle Schüler melden sich

Lehrer für Mathematik und Physik an der Ernst-Rietschel-Oberschule in Pulsnitz ist Uwe Merkel. Seit 1992 unterrichtet der 57-Jährige an der Schule. Bevor es zum ersten Lockdown kam, hatte ihm die Plattform Lernsax nicht viel gesagt. "Es war ein schwieriger Einstieg - für die Lehrer wie auch die Schüler", schätzt er ein. Die Lehrer seien hausintern geschult worden. Die technische Ausstattung bei den Schülern zu Hause sei jedoch sehr unterschiedlich ausgeprägt, was den Lernprozess im Homeschooling erschwere.

Für Uwe Merkel ist der Aufwand jetzt sehr hoch, denn er betreut insgesamt neun Klassen. Die Aufgaben für alle Klassen müssen in die einzelnen Ordner geladen, jeweils ein Anschreiben mit Erklärungen und dem Zeitraum bis zur Abgabe formuliert werden, erklärt er. Und dann gelte es, von 9 bis 13 Uhr für die Schüler über Lernsax präsent zu sein. "Ich bin aber immer für sie zu sprechen, auch am Nachmittag und über eine App auf dem Handy", sagt er.

Die Kommunikation mit den Schülern sei teilweise schwierig. "Es gibt Schüler, die sich gar nicht melden, wo ich nicht weiß, wie sie mit den Aufgaben und den Umfängen klarkommen. Es schicken auch nicht alle die Aufgaben zurück", sagt Uwe Merkel. Wenn es Fragen gibt, telefoniere er auch mit Schülern. "Ich werde froh sein, wenn ich wieder direkt vor den Schülern stehen kann", sagt er.

Der Oberschullehrer glaubt nicht, dass im Homeschooling der Lehrplan zu schaffen ist. Trotzdem müsse man dafür sorgen, dass eine Bewertung stattfindet, dass am Ende alle ein Zeugnis in der Hand halten und vor allem dass die zehnten Klassen ihren Abschluss ordentlich schaffen.

Beispiel Grundschule: Motivation mit Videos

Patricia Schönfelder ist eine junge Lehrerin an der Praßer-Grundschule in Großröhrsdorf. Die 26-Jährige hat erst 2019 ihr Referendariat beendet und ist seitdem an dieser Schule tätig. Derzeit leitet sie eine vierte Klasse, ihre Hauptfächer sind Ethik, Deutsch, Mathe und Sachunterricht. Im Gegensatz zu den Gymnasien und den Oberschulen lernen die Grundschüler in Großröhrsdorf über die Lernplattform Moodle. "Für diese Plattform hat sich das Kollegium nach dem ersten Lockdown entschieden, weil sie sehr übersichtlich ist und auch Audiodateien übermittelt werden können", sagt ihre Kollegin Katharina Niekrenz, ebenfalls Lehrerin an der Praßerschule.

Zu Beginn des neuen Schuljahres im September habe man sich zusammengesetzt und auf einen eventuell erneuten Lockdown vorbereitet. Es wurde mit Moodle geübt, ein Brief an die Eltern geschrieben und bei Erklärungsbedarf telefoniert. "Auch mit den Schülern haben wir schon über die Plattform Nachrichten ausgetauscht und im Präsenzunterricht alles erklärt", sagt Patricia Schönfelder. So seien im Dezember alle fit für das Homeschooling gewesen.

Patricia Schönfelder weiß, dass es gerade jetzt wichtig ist, die Kinder für das Lernen zu Hause zu motivieren. Das versuchen die Pädagogen mit Videos, Audios und persönlichen Gesprächen. "Wir müssen auch das Arbeitspensum für die Kinder strecken, um den Zeitdruck herauszunehmen", sagt Katharina Niekrenz. Dabei helfe es, dass Wochenpläne und auch Tagespläne aufgestellt werden, damit die Schüler wissen, wann sie etwas erledigen sollen. In manchen Fällen gebe es auch individuelle Pläne.

Patricia Schönfelder schätzt ein, dass der Kontakt zu Schülern wie Eltern gut ist. "Manchmal kommen auch Videobotschaften, Sprachnachrichten oder Bilder an uns zurück. Das ist sehr schön", sagt Patricia Schönfeld. Doch trotz aller positiven Bewertungen sind sich beide Lehrerinnen einig, dass das Lernen jetzt eine andere Qualität hat und dass es weder für Kinder, Eltern noch Lehrer leicht ist.

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