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Das haben Schnelltests in Dresden gebracht

Viele Infektionen konnten frühzeitig aufgespürt werden. Wie viele es genau waren, wo neue Testzentren entstehen, und wo Tests gebraucht werden.

In Dresden sind inzwischen mehr als 110 Testzentren aufgebaut worden. Wie viele Infizierte konnten dadurch aufgespürt werden?
In Dresden sind inzwischen mehr als 110 Testzentren aufgebaut worden. Wie viele Infizierte konnten dadurch aufgespürt werden? © dpa/Matthias Bein (Symbolbild)

Dresden. Schnelltests bleiben vorerst eine wichtige Säule im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Wer nicht vollständig geimpft oder kürzlich genesen ist, wird negative Testergebnisse im Sommer brauchen, um sich zum Beispiel mit Freunden im Biergarten zu treffen. Mehr als 100 Testzentren gibt es in Dresden mittlerweile. Allein beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) im Haus der Presse sind bis zum Donnerstag schon 10.075 Schnelltests durchgeführt worden.

Und diese gehen jetzt noch schneller: So ist es ab sofort nicht mehr nötig, 15 Minuten vor Ort auf das Testergebnis zu warten. Stattdessen checkt man zunächst per QR-Code im Haus der Presse ein. Nach dem Abstrich kann man seiner Wege gehen, denn das Ergebnis wird bequem per E-Mail übermittelt. Diese beinhaltet auch den Nachweis, zum Beispiel für den Friseurbesuch. Das Testzentrum im Haus der Presse hat montags bis sonntags geöffnet und ist über den kostenfreien Parkplatz an der Devrientstraße erreichbar. Termine können vorab online gebucht werden. Wo weitere Testzentren eröffnen und was die Schnelltests in Dresden bisher gebracht haben.

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Wie viele Tests fallen positiv aus?

Jedes positive Schnelltestergebnis muss dem Gesundheitsamt gemeldet werden – ganz gleich, ob man im Testzentrum, in der Schule, in einem Pflegeheim oder einer Arztpraxis auf das Coronavirus untersucht wird. Die Zahl der positiven Ergebnisse ist in den vergangenen Monaten kontinuierlich gestiegen. So färbte sich der Teststreifen in der zweiten Märzwoche noch etwa 50-mal rot, Mitte April passierte das schon über 300-mal. Inzwischen gehen die Zahlen leiht zurück. In der vergangenen Woche fielen 250 Schnelltests positiv aus, teilt das Gesundheitsamt auf SZ-Anfrage mit.

Generell gehen die meisten Getesteten mit einem negativen Test nach Hause. So fielen im Haus der Presse lediglich 0,3 Prozent der Tests positiv aus.

Waren wirklich alle positiv Getesteten infiziert?

Nein. Dazu muss man wissen, dass die Ergebnisse in beide Richtungen falsch ausfallen können. Ein negativ Getesteter ist unter Umständen trotzdem infiziert und ein positiv Getesteter ist möglicherweise noch nie mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen. Aus diesem Grund empfiehlt das Gesundheitsamt dringend, einen PCR-Test hinterherzuschieben, falls der Schnelltest eine Infektion angezeigt hat. Dieser Test, der im Labor durchgeführt wird, ist genauer. Fällt er schlussendlich negativ aus, darf der Getestete die Quarantäne sofort wieder verlassen.

Obwohl man also seine Freiheit zurückerlangen kann, entscheidet sich nicht jeder für einen PCR-Test. Von den 866 per Schnelltest positiv getesteten Dresdnern in den vergangenen drei Wochen ließen nur 649 das Ergebnis überprüfen. Bei 373 stellte sich heraus, dass der Schnelltest richtig war, 276 waren mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht infiziert. Die Quote falsch positiver Ergebnisse liegt für diese drei Wochen also bei gut 40 Prozent. Ein Stichproben-Ergebnis, wenn man so will, denn nicht alle Schnell-Getesteten haben ihr Ergebnis checken lassen. Dennoch: „Die Zahlen zeigen, wie unabdingbar es ist, eine PCR-Gegenprobe durchzuführen“, so das Gesundheitsamt.

Wie sinnvoll sind die Schnelltests also?

Wenn nur etwa 60 Prozent der Ergebnisse stimmen sollten, wie sinnvoll ist es dann überhaupt, auf Schnelltests zu vertrauen? Dazu folgende Überlegung: In den vergangenen drei Wochen konnten mindestens 373 Menschen in der Stadt aufgespürt werden, die vermutlich symptomlos, aber sehr wahrscheinlich ansteckend waren.

Weil sie sich testen ließen und das Ergebnis positiv ausfiel, sind sie in Quarantäne geschickt worden und konnten ab diesem Zeitpunkt niemanden mehr infizieren, abgesehen von der eigenen Familie zu Hause. Geht man davon aus, dass ein Infizierter in der Ansteckungsphase nur zwei enge Kontaktpersonen um sich gehabt hätte – auf Arbeit oder im Klassenzimmer zum Beispiel –, so konnte die Weitergabe des Coronavirus an fast 750 Menschen verhindert werden.

Treiben Schnelltests die Inzidenz nach oben?

Für manche Menschen stellt sich nicht die Frage, wie sich so viele Infektionen wie möglich aufdecken lassen, um Ansteckungen zu verhindern. Einige sehen in der Teststrategie ein Mittel der Politik, das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben bewusst einzuschränken.

Sicherlich ist ein Teil der gemeldeten Neuinfektionen auf die massenhafte Ausweitung der Corona-Tests zurückzuführen. Ob Schnelltests aber den Ausschlag dafür gaben, dass die Inzidenz in Dresden über die kritische Marke von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen kletterte, was wiederum Wechselunterricht in Schulen sowie Click & Meet in Geschäften nach sich zog? Nein.

Ein Beispiel: Zwischen dem 10. und dem 16. April fielen 328 Schnelltests in der Stadt positiv aus. Davon sind 125 durch einen PCR-Test bestätigt worden. Nur diese wurden an das Robert-Koch-Institut gemeldet und haben damit die Inzidenz beeinflusst. Insgesamt sind in dieser Woche 875 weitere Corona-Fälle per PCR-Test bestätigt worden. Auch ohne Schnelltests wären also 750 Infektionen ans Licht gekommen. Um die 100er-Inzidenz zu überschreiten, hätten schon 550 neue Infektionen genügt.

Sollten Schnelltests weiterhin so rege genutzt werden, so könnten sie ein schnelleres Absinken der Inzidenz unter 100 bewirken. Dann wären aber wiederum mehr Ansteckungen möglich, weil weniger Infektionen rechtzeitig entdeckt würden.

Wo haben neue Testzentren eröffnet?

Innerhalb der vergangenen Woche hat das Dresdner Gesundheitsamt zehn weitere Einrichtungen mit den kostenlosen Bürgertests beauftragt. Dazu gehören das The Student Hotel (ehemals Ibis Lilienstein) an der Prager Straße, der DM-Drogeriemarkt in der Centrum-Galerie sowie der Selgros-Großhandelsmarkt an der Dohnaer Straße.

Damit können sich die Dresdner aktuell an 113 Stellen in der Stadt mehrmals die Woche kostenfrei testen lassen. In vielen Fällen wird auch ein kostenfreier PCR-Test angeboten, sofern der Schnelltest positiv ausfällt.

Wo brauche ich überall einen Schnelltest?

Wer nicht vollständig geimpft ist oder im vergangenen halben Jahr Corona hatte und genesen ist, muss weiterhin einen tagesaktuellen negativen Test vorweisen, um zum Beispiel den Friseur besuchen oder per Click & Meet shoppen zu können. Auch Lehrer und Erzieher müssen sich weiterhin testen lassen, wenn sie noch nicht vollständig geimpft sind.

Die Testpflichten für diese Personen bleiben auch bestehen, wenn die Wocheninzidenz die Marke von 100 längerfristig unterschreiten sollte. So ist dann ein Test nötig, wenn man den Außenbereich von Restaurants beziehungsweise Biergärten nutzt und mehr als zwei Hausstände an einem Tisch sitzen. Die Auflagen fallen erst weg, wenn die Inzidenz unter 50 rutscht. Auch ins Museum kommen Besucher nur mit Nachweis hinein. Nehmen mehr als zehn Personen an einer Hochzeit oder einer Beerdigung teil, benötigen alle Anwesenden ebenfalls einen Negativtest. Das alles regelt die neue sächsische Corona-Schutzverordnung, die am Montag in Kraft tritt.

Angesichts dessen will die Stadt die Eröffnung weiterer Testzentren nicht unterbinden. „Das Gesundheitsamt wird weiterhin Anträge zur Einrichtung von Testzentren bearbeiten und freut sich über die Angebote zur Kooperation und die Bereitschaft, sich zu engagieren“, heißt es von der Verwaltung.

Weitere Informationen finden Sie auf www.dresden.de/corona

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