merken
PLUS Sachsen

Kretschmer vorsichtig bei weiteren Schulöffnungen

Sachsens MP sieht für weiterführende Schulen kaum Chancen für Lockerungen. Zudem drängt er mit Bayern auf eine geänderte Impfreihenfolge.

Grundschulen sollen in Sachsen offenbleiben, weiterführende Schulen aber erst nach den Osterferien öffnen. Foto: P. von Ditfurth/dpa
Grundschulen sollen in Sachsen offenbleiben, weiterführende Schulen aber erst nach den Osterferien öffnen. Foto: P. von Ditfurth/dpa © Philipp von Ditfurth/dpa

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) rechnet nicht mit der baldigen Öffnung weiterführender Schulen. Frühestens nach den Osterferien sehe er dafür die Möglichkeit, sagte der CDU-Politiker am Montag in einer Pressekonferenz mit seinem bayerischen Amtskollegen Markus Söder (CSU). Dazu sei ein Fortschritt bei Schnelltestkonzepten nötig. Die Osterfereien enden am 9. April.

Derzeit sind Grundschulen und Kitas geöffnet, auch Abschlussklassen weiterführender Schulen erhalten etwa in Wechselmodellen Präsenzunterricht. Kretschmer verwies darauf, dass im Vogtland angesichts eines dynamischen Corona-Infektionsgeschehens Grundschulen wieder geschlossen worden seien. Mit Blick auf die Bund-Länder-Runde am Mittwoch betonte der Christdemokrat: „Beim Thema Schulöffnungen werden wir aus meiner Sicht keine großen Schritte erleben.“ Für die weiterführenden Schulen sehe er derzeit keine Lockerungsmöglichkeiten.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Impfangebot für alle Lehrer

Auch Sachsens Kultusministerium hält die Öffnung der weiterführenden Schulen zum 8. März angesichts des "beunruhigenden Infektionsgeschehens" für unwahrscheinlich. Allerdings wolle man noch die Bund-Länder-Beratungen am Mittwoch abwarten. Eine Entscheidung falle erst in der Kabinettssitzung am Freitag.

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) setzt sich dafür ein, die Impfmöglichkeit auf alle Lehrkräfte und das gesamte Personal an allen Schularten zu erweitern. Bislang gibt es das Angebot nur für Grund- und Förderschullehrer sowie für das Personal an diesen Schulen. "Wenn sich alle Lehrerinnen und Lehrer impfen lassen könnten, wäre dies ein wichtiger Beitrag, alle Schülerinnen und Schüler wieder unterrichten zu können", teilte der Kultusminister mit. Nach einer Umfrage des Ministeriums würden sich rund 90 Prozent aller Lehrkräfte an öffentlichen Schulen impfen lassen. "Das ist ein starkes Signal von Lehrerinnen und Lehrern", so Piwarz.

Nur kleine Öffnungsschritte

Kretschmer verwies darauf, dass die mit Öffnungen verbundene steigende Mobilität sich auch im Infektionsgeschehen niederschlagen könne. Sein Amtskollege Söder sagte aber, er wolle, dass das Thema bei der Beratung der Länderchefinnen und Chefs mit der Kanzlerin eine Rolle spiele. Bayern verfolge die Strategie, dass Öffnungen je nach Inzidenz möglich sind.

Beide Ministerpräsidenten warnten eindringlich vor übereilten Öffnungsschritten. Es dürfe keinen "Öffnungsrausch" geben und keinen "Blindflug in die dritte Welle hinein", die Politik dürfe nicht die Nerven verlieren, sagte Söder. Kretschmer mahnte ebenfalls, es könne nun nur um kleine Öffnungsschritte gehen.

Söder und Kretschmer verwiesen auf die sich weiter ausbreitende Virusmutation. "Die Mutation übernimmt", sagte Söder und warnte: "Auf die derzeitige Inzidenz-Tabelle kann keiner ein festes Haus bauen."

Kretschmer betonte: "In dieser Zeit der steigenden Infektionen kann doch jetzt keine große Lockerung erfolgen. Es ist doch vollkommen klar, dass das das Falscheste ist." Es könne also jetzt nur um kleine Schritte gehen - und um eine Teststrategie, die Klarheit schaffe. "Aus dem System der pauschalen Kontaktvermeidung müssen wir kommen in ein System der sicheren Kontakte", sagte Kretschmer. Das gehe aber nur mit einem Schnelltestkonzept. Lockerungsschritte in der Kultur, im Sport, in der Wirtschaft, in der Bildung müsse man daran binden.

Über-18-Jährige ab sofort impfen

Bayern und Sachsen hatten am Montag im Kampf gegen Corona eine "Covid-19-Allianz" vereinbart. Als Grenzländer des derzeit von der Pandemie besonders betroffenen Nachbarn Tschechien streben sie ein möglichst einheitliches Vorgehen etwa bei Test- und Quarantänekonzepten an. "Der bayerisch-sächsische Lebens- und Wirtschaftsraum gehört zusammen. Covid-19 darf nicht trennen, was in den vergangenen Jahrzehnten zum Nutzen aller Seiten entstanden ist", hieß es. Das könne nur gelingen, wenn auch beim Infektionsschutz eng zusammengearbeitet werde.

Ein Zehn-Punkte-Plan enthält etwa Regelungen für Corona-Hotspots, ein gemeinsames Monitoring zu Virusmutationen, Testmöglichkeiten in Betrieben, einen "Pakt für sichere Unterbringung" von Grenzpendlern, die Aufnahme tschechischer Patienten in Krankenhäuser der beiden Freistaaten sowie einen Erfahrungsaustausch zur Impfstrategie.

Der Zehn-Punkte-Plan: Folgendes Maßnahmepaket wurde vereinbart:

  • 1. Grenzkontrollen
  • 2. Testkonzepte
  • 3. Pendlerquarantäne für Grenzgänger und -pendler
  • 4. Sequenzierung aller positiven PCR-Tests, um einheitliches Lagebild zu Mutationen zu bekommen
  • 5. Sicheres Arbeiten: Home-Office-Lösungen, Schnelltests am Arbeitsplatz
  • 6. Hot-Spot Regelungen: Fortsetzung von Schließungen (Geschäfte, Kitas etc.), Distanzunterricht im Schulbereich, Ausgangsbeschränkungen.
  • 7. Kontaktnachverfolgung
  • 8. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Konsequente Isolation Infizierter und der Kontaktpersonen, Kontrolle der Einhaltung der Quarantäneanordnungen
  • 9. Krankenhausversorgung: Bayerische und sächsische Krankenhäuser nehmen tschechische Covid-19 Patienten auf.
  • 10. Impfen

Darüber hinaus fordern die beiden Freistaaten mehr Hifen für Corona-Hotspots. "Wir wünschen vom Bund und von der EU zusätzliche Impfstofflieferungen", sagte Söder. Dies sei wichtig, damit perspektivisch auch hier durch sinkende Inzidenzen Öffnungen wieder vertretbar würden. Beide Länder wollten zudem Tschechien besser helfen, nicht nur mit der Aufnahme von Corona-Patienten in Krankenhäusern. "Wir müssen das Herz Europas unterstützen, das leidet besonders unter Corona. Dieses Herz braucht besondere Unterstützung, man müsse dessen Pumpleistung erhöhen", betonte Söder.

Das wollen Kretschmer und Söder:

  • Kostenlose Test in Hotspots (z.B. im Vogtland)
  • Sonderhilfen für Hotspots, etwa zusätzliche Impfstofflieferungen
  • Besonderes Impf-Regime für Hotspots - Angebote für alle über 18 Jahre
  • Jeder Öffnungsschritt muss mit Schnelltests begleitet werden
  • Ständiger Austausch zwischen den Ländern zur Corona-Lage und Mutationen
  • Änderung der Impfverordnung - schnell verimpfen "was geht", keine Impfdosis darf verfallen. Der Stoff des Herstellers Astrazeneca sollte allen zur Verfügung gestellt werden, sagte Söder.
  • Hausärzte, Betriebsärzte und Schulärzte seien in das Impfkonzept einzubinden. "Von einem Mangel-Impfsystem müssen wir zu einem Massen-Impfsystem kommen", sagte Söder.

Weiterführende Artikel

Corona: 891 Neuinfektionen und kein Todesfall in Sachsen

Corona: 891 Neuinfektionen und kein Todesfall in Sachsen

Inzidenz steigt leicht, bundesweit Gedenken an die Opfer der Pandemie, Attacke bei Corona-Kontrolle in Dresden - unser Newsblog.

Impftermin in Sachsen: Alle wichtigen Infos

Impftermin in Sachsen: Alle wichtigen Infos

Termine für eine Corona-Schutzimpfung sind begehrt. Wer ist wann an der Reihe? Alle wichtigen Infos zu Anmeldung, Hotline, Dokumenten und Orten in Sachsen.

Kretschmer kritisiert Bund wegen Coronahilfen

Kretschmer kritisiert Bund wegen Coronahilfen

Der Ministerpräsident fordert die schnellere Auszahlung und warnt vor Lockerungen. Zudem erhebt er Vorwürfe gegen die AfD.

Kanzleramt hält Protokolle der Corona-Gipfel geheim

Kanzleramt hält Protokolle der Corona-Gipfel geheim

Merkels Runden mit den Länderchefs entscheiden die Corona-Politik. Würde mehr daraus öffentlich, seien die Treffen gefährdet, meint die Regierung.

Um die schwierige Lage in Tschechien zu verbessern, würden Bayern und Sachsen zudem Schnelltests und Impfstoff an das Nachbarland liefern. Mit den jetzigen Werkzeugen könne die Corona-Situation in den Grenzregionen nicht gelöst werden, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Hier brauche es ein besonderes Impfregime für die Hotspots. Er schlug für die betroffenen Regionen etwa Impfangebote für alle Erwachsenen über 18 Jahren vor. Das sei eine Möglichkeit, die Ausbreitung des Virus zu verhindert. (mit SZ/sca, dpa, epd)

Mehr zum Thema Sachsen