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Was läuft bei LernSax eigentlich schief?

Seit dem Lockdown in Sachsen ist die Lernplattform LernSax schwer erreichbar. War es ein Cyberangriff? Der Fehler liegt wohl im Rechenzentrum. Ein Überblick.

LernSax ist eine der Plattformen, mit denen Sachsens Schüler zu Hause unterrichtet werden können.
LernSax ist eine der Plattformen, mit denen Sachsens Schüler zu Hause unterrichtet werden können. © Claudia Hübschmann

Dresden. Am vierten Tag des Lockdowns lief es endlich besser: Am Donnerstag gab es nur vereinzelt Probleme mit Sachsens Lernplattform LernSax. Noch am Mittwoch war das Online-Angebot für Schülerinnen und Schüler zeitweise schwer aufrufbar, die Störungen waren aber nicht mit den Ausfällen von Montag und Dienstag vergleichbar.

Die Plattform sollen Sachsens Schüler für den Fernunterricht nutzen. Über LernSax erhalten sie Mitteilungen von ihren Lehrern, es gibt Chats und Foren sowie Aufgabenplaner und weitere Instrumente, die das Lernen abseits der Klassenräume erleichtern sollen. Das ist auch nötig, denn Sachsens Schüler müssen seit diesem Montag zu Hause lernen. Denn die Abkehr vom Präsenzunterricht ist ein Teil des Maßnahmenpakets in der neuen Corona-Schutzverordnung. Der Freistaat befindet sich seit Montag als erstes Bundesland wieder in einem Lockdown.

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Was hat die Probleme ausgelöst?

Am Donnerstagnachmittag bekräftigte Sachsens Kultusministerium, die Ursachen für die dreitägige Panne liege im Rechenzentrum in Karlsruhe. Dort gebe es einen Softwarefehler bei den Vermittlungsservern. „Bei der weiteren Analyse des Vorfalls zeigte sich, dass nicht die Cyberangriffe das alleinige Problem waren, sondern die Hauptfehlerquelle in der Technik des Rechenzentrums zu suchen ist.“

Gab es einen Cyberangriff auf LernSax?

Ja. Am 9. Dezember habe es einen "massiven DDOS-Angriff" gegen LernSax gegeben. Es wurden aber weder Daten vom System entwendet noch etwas beschädigt, teilt das Kultusministerium mit. Nur die Erreichbarkeit war gestört. Dazu hat eine Cybercrime-Einheit des Landeskriminalamts Baden-Württemberg Ermittlungen aufgenommen. Vom 6. bis zum 14. Dezember habe es dann fortlaufende DDoS-Angriffe in mehreren täglichen Wellen auf eine große überregional agierende Lernplattform gegeben.

DDoS-Attacken (Distributed Denial of Service) werden gleichzeitig von einer sehr großen Zahl an Rechnern ausgeführt, um die Server mit einer Flut sinnloser Anfragen in die Knie zu zwingen. Da die angegriffene Lernplattform auf der gleichen Technologie wie LernSax basiere und denselben Hostbetreiber in Karlsruhe nutze, führten die Angriffe mehrmals auch zu Einschränkungen bei LernSax. Dies werde so von der Digionline GmbH, welche LernSax in sächsischem Auftrag betreibt, berichtet und vom Host-Anbieter bestätigt, teilt das Ministerium mit.

Reicht die Speicherkapazität?

Der Chef des IT-Unternehmens, das die LernSax-Seiten betreibt, verwaltet und speichert, hatte am Mittwoch gegenüber Sächsische.de von einem Überlastungsproblem gesprochen. Martin Bringe, der Geschäftsführer der Bringe Informationstechnik GmbH in Karlsruhe, sagte, LernSax sei für die gleichzeitige Nutzung von mindestens 40.000 Usern eingerichtet worden. Jetzt greife jedoch die zehnfache Nutzerzahl auf die Plattform zu. „Das ist für uns ein unerwarteter Ansturm.“ Nach Angaben des Kultusministeriums haben Anfang der Woche „lediglich 30.000 bis 60.000“ Nutzer gleichzeitig auf LernSax zugegriffen.

„Der Flaschenhals sei die Verbindung zum Speicher“, erklärte Bringe. Offenbar liegt das aber nicht an zu vielen Nutzern, sondern an einem Softwarefehler bei den Vermittlungsservern des Rechenzentrums. Das Kultusministerium betont, dass die Speicherkapazität für LernSax ausreichend ist. Sie wurde im Frühjahr nach Überlastungsproblemen aufgestockt.

Mittlerweile stehen für die Lernplattform 133 Terabyte zur Verfügung, die gespeicherten Daten umfassten insgesamt nur 20 Terabyte. „Es wurden allein am Mittwoch 130.000 Dateien hochgeladen“, teilt das Ministerium mit. Auch die Datenbankserver würden nicht unter Volllast laufen, sondern ausreichend Leistungsreserven haben.

Was wird nun getan?

Das Rechenzentrum arbeite fieberhaft an einer Lösung, heißt es. Die eingehenden Anfragen werden mittlerweile von 16 sogenannten Frontendserver parallel verarbeitet, um den Fehler zu umgehen. Vorher habe das Rechenzentrum nur sieben dieser Server für LernSax genutzt. Eine technische Abhilfe befinde sich derzeit auf einem Speditions-Lkw, die werde am kommenden Wochenende eingebaut, sagte Geschäftsführer Martin Bringe. LernSax soll dann auf ein neues Speichersystem umziehen, das nach anderen technischen Prinzipien arbeitet und für den festgestellten Fehler in der Software nicht anfällig ist.

Wann wird das System wieder laufen?

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Schon am Donnerstag gab es nur noch wenige Störungen, vor allem in der Hauptarbeitszeit von 9 bis 11.30 Uhr. Bis zum Wochenende kann es weiter Engpässe geben. „Ich bedauere, dass es ausgerechnet in dieser angespannten Situation zu diesem Zwischenfall gekommen ist“, sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU). „Ich kann immer nur wieder versichern, dass alles Erforderliche unternommen wird, um die Anfälligkeit des Systems weiter zu minimieren.“ Ein zusätzliches Sicherheitssystem wurde bereits beauftragt, um gegen Cyberattacken besser gewappnet zu sein. In der Nacht zum Mittwoch wurde das System aufgespielt.

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