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Corona: Görlitz kann jetzt Modellregion werden

Kreis und Hochschule sind bereit: Nun warten sie noch auf Ideen von Einrichtungen oder Unternehmen, die öffnen wollen.

Modellregion Nordfriesland: Hier beteiligen sich mehrere Tausend Unternehmen. So sind beispielsweise Cafébesuche wieder möglich. Einfach negativ testen lassen und dann mit dem Handy QR-Code scannen.
Modellregion Nordfriesland: Hier beteiligen sich mehrere Tausend Unternehmen. So sind beispielsweise Cafébesuche wieder möglich. Einfach negativ testen lassen und dann mit dem Handy QR-Code scannen. © dpa

Tübingen, Augustusburg, Görlitz? Schon lange will Görlitz auch Modellregion werden, um kontrollierte Öffnungen von Geschäften, Restaurants, Museen oder anderen Einrichtungen trotz Corona möglich zu machen. Die Stadt Görlitz preschte vor, der Landkreis sagte: Wenn dann alle. Also der gesamte Landkreis. Hinderlich war bislang die 7-Tage-Inzidenz. Denn Modellregion kann nur werden, wer da bereits unter 100 liegt. Das ist nun geschafft.

Hochschulrektor: Wir begleiten die Projekte

Der Landkreis - konkret Sozialdezernentin Martina Weber - hat sich indes weiter mit dem Thema befasst und will nun aktiv werden. Am Freitag hieß es, dass sich Interessenten, die modellhaft öffnen möchten, nun melden können. Das Ganze soll wissenschaftlich begleitet werden, der Landkreis empfiehlt dafür die Hochschule Zittau/Görlitz. Deren Rektor Alexander Kratzsch will sich der Herausforderung stellen, wie er gegenüber der SZ sagt. Und eine solche sei es durchaus, wenn sich die Kollegen im laufenden Semester noch mit diesen Dingen befassen. „Aber wir wollen ohnehin mehr in die Mitte der Gesellschaft, uns sichtbarer machen. Das ist nun unsere Chance“, so der Rektor. Eine Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Hochschule gibt es schon seit einiger Zeit. So sind bereits drei Mitarbeiter vor Ort im Gesundheitsamt zum Controlling. Das heißt, sie beobachten das Infektionsgeschehen, die Bettenbelegung, erstellen Prognosen.

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Alexander Kratzsch, Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz, will die Modellregion Görlitz mit der Hochschule wissenschaftlich begleiten.
Alexander Kratzsch, Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz, will die Modellregion Görlitz mit der Hochschule wissenschaftlich begleiten. © Matthias Weber/photoweber.de

In den vergangenen Tagen hat sich Kratzsch zufolge die Zusammenarbeit auch mehr in Richtung Modellregion konkretisiert. Der Rektor kann gleich mit drei Hochschulbereichen unterstützen: Eben jenen Datenexperten, die beispielsweise bei Öffnung eines Tierparks erfassen würden, wie viele Menschen sich registrieren, woher die Besucher kommen, wo Hotspots sind, wie oft getestet wurde, wie oft positiv, wie oft negativ. Zum zweiten sind es die Natur- und Umweltwissenschaftler, die sich unter anderem mit Impfstoffen befassen. Und nicht zuletzt die in Görlitz ansässigen Tourismusmanager, die Kratzsch zufolge die Hochschul-Unterstützung koordinieren könnten.

Denn wer von der Modellregion profitieren würde, sind in erster Linie Gastronomie, Kultur und Handel - all jene also, die erst bei einer Inzidenz unter 50 wieder halbwegs normal agieren könnten. Andere Modellregionen haben aber bewiesen, dass es auch unter 100 schon gute Möglichkeiten auf Wiederöffnung gibt - in erster Linie durch viele Tests.

Dr. Henry Hedrich macht sich schon länger Gedanken, wie Öffnungen bei Inzidenzen zwischen 50 und 100 möglich sind. Der Görlitzer Arzt betreibt ein eigenes Testcenter, für das er ebenfalls die Pass4all-App nutzt.
Dr. Henry Hedrich macht sich schon länger Gedanken, wie Öffnungen bei Inzidenzen zwischen 50 und 100 möglich sind. Der Görlitzer Arzt betreibt ein eigenes Testcenter, für das er ebenfalls die Pass4all-App nutzt. © Martin Schneider

Das fordert der Görlitzer Allgemeinmediziner Henry Hedrich schon seit einer Weile für Görlitz und lieferte bereits sehr klare Vorstellungen dazu. Kern jedes Modellprojekts sei demnach, dass Kunden, Besucher und Touristen jeweils einen tagesaktuellen, negativen Corona-Test vorweisen. Die Testkapazitäten dafür seien inzwischen vorhanden - mit um die 70 Testcenter im Kreis - zusätzlich zu den testenden Arztpraxen. Mittels verschiedener Handy-Apps werden die Testergebnisse dann dokumentiert. Mithilfe von QR-Codes, wird dann entsprechend in Restaurants, Tierparks oder Geschäften kontrolliert, ob ein negativer Tagestest vorliegt. In Dresden beispielsweise hängen Plakate mit QR-Codes an vielen Geschäften. Die Stadt arbeitet mit der Pass4all-App.

Arzt warnt vor zu großer Hoffnung auf Pandemie-Ende

Wer so etwas auch möchte, müsste sich nun beim Landkreis melden und sich zu den Richtlinien des Modellprojekts bekennen, eine entsprechende App im Einsatz haben und natürlich ein Hygienekonzept. Aber ist die Modellregion bei der derzeit schnell sinkenden Inzidenz überhaupt noch die Mühe wert? Dr. Hedrich warnt davor, allzu schnell ein Pandemie-Ende zu erhoffen. Viele Impfgegner begegnen ihm täglich in der Praxis, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass eine weitere Welle im Herbst kommt. Hochschulrektor Kratzsch ist optimistisch. Er hat sich mit einer Studie zu Pandemien befasst, die besagt, dass beispielsweise die SARS-Pandemie vor einigen Jahren nach der dritten Welle abrupt abbrach. Ob es so kommt? Das vermag er nicht zu prophezeien, hofft es aber. Und dennoch kann es noch lange dauern, bis die Inzidenz dauerhaft unter 50 sinkt. Kneipen, Museen, Läden wollen nicht so lange warten.

Interessierte Teilnehmer können sich mit ihren Ideen an den Landkreis Görlitz unter [email protected] wenden.

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