SZ + Sachsen
Merken

Lockerungen sind nachvollziehbar, aber riskant

Sachsen lockert seine bisher sehr strikten Corona-Regeln. Obwohl unklar ist, wann und wie hart die Omikron-Welle sein wird. Ein Kommentar.

Von Annette Binninger
 2 Min.
Teilen
Folgen
Annette Binninger ist Leiterin der Politikredaktion bei Sächsische.de.
Annette Binninger ist Leiterin der Politikredaktion bei Sächsische.de. © Swen Pförtner/dpa; Montag: SZ-Bildstelle

Von Freitag an weht ein Lüftchen Freiheit und der Duft des alten, normalen Lebens durch Sachsen. Der Freistaat schüttelt zumindest ein wenig die festgezurrten Corona-Ketten ab. Ein gutes Gefühl. Ein bisschen Durchatmen für alle. Ausgerechnet an dem Tag, an dem Sachsen nach langer, langer Zeit den in diesem Falle freudigen letzten Platz im bundesweiten Inzidenz-Ranking belegt. Das klingt irgendwie nach "hart verdient".

Wirtschaftlich, gesellschaftlich, politisch und menschlich ist es absolut nachvollziehbar, dass der Freistaat, in dem bereits seit Ende November die strengsten Corona-Regeln gelten, nun endlich den Deckel wieder ein bisschen anhebt. Auch bevor es Gerichte womöglich erzwungen hätten, bei der einen oder anderen Corona-Regelung nachzubessern.

Doch bei aller Vorfreude auf Theater, Museum, Kino, Ski-Abfahrten und ein bisschen Spaß im Fußballstadion – bleibt doch ein ungutes Gefühl. Denn welche Virus-Welle oder -Wand oder was auch immer in den kommenden Tagen und Wochen auf Sachsen zukommt, das versuchen Experten zwar vorauszuberechnen. Doch es ist völlig ungewiss, wie schlimm es wird.

In dieser „Ruhe vor dem Sturm“, wie es Gesundheitsministerin Petra Köpping bezeichnet hat, jetzt noch so viel freizugeben, ist äußerst riskant. Denn es dürfte wesentlich schwieriger werden, die Menschen erneut zu enttäuschen, wenn schon in wenigen Tagen so manche Lockerungs-Freuden wieder zurückgenommen werden müssen, die man gerade wiedergewonnen glaubte.

E-Mail an Annette Binninger