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Polizei löst Impfaktion am Stöcker-Flughafen auf

150 Menschen wollten sich in Lübeck einen nicht zugelassenen Impfstoff geben lassen. War es das Stöcker-Präparat? In Görlitz liegt die Inzidenz derweil über 1.500.

Von Sebastian Beutler
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Was geschah am Flughafen in Lübeck? Der gehört Winfried Stöcker.
Was geschah am Flughafen in Lübeck? Der gehört Winfried Stöcker. © Stern TV

Eine unzulässige Impfaktion am Flughafen Lübeck ist am Sonnabend von den Sicherheitsbehörden beendet worden. Wie die Lübecker Polizei mitteilte, bestehe der Verdacht, dass der Impfstoff nicht zugelassen ist und damit eine Straftat nach dem Arzneimittelgesetz darstellt.

Der Flughafen Lübeck gehört dem Unternehmer und promovierten Mediziner Winfried Stöcker. Der hatte ein Präparat gegen das Coronavirus entwickelt, das aber nie klinisch getestet wurde und daher auch nicht das aufwändige Zulassungsverfahren beim Paul-Ehrlich-Institut durchlaufen hat. Bei der Staatsanwaltschaft Lübeck läuft deswegen bereits ein Verfahren gegen Stöcker, bei dem ihn der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki anwaltlich vertritt.

Auch in der Oberlausitz wurde das Stöcker-Präparat von Ärzten verimpft, ohne dass die Behörden hier in ähnlicher Form wie in Lübeck einschritten.

Nach Informationen der Lübecker Nachrichten soll das Stöckersche Präparat am Flughafen verimpft worden sein. Es gibt dafür aber bislang keine Bestätigung. Die Polizei will sich erst in den nächsten Tagen ausführlicher zu dem Vorfall äußern.

Polizei stellt Präparat, Impflisten und Spritzen sicher

Bei der Aktion am Sonnabend sind nach Angaben der Polizei 50 Personen wahrscheinlich geimpft worden, ehe Polizei und kommunaler Ordnungsdienst einschritten. Bei Eintreffen der Beamten gegen 15 Uhr seien 80 Personen vor dem
Flughafengebäude festgestellt worden, weitere Menschen seien
zugeströmt. Etwa 150 Impfwillige hätten sich in der Abfertigungshalle
aufgehalten. Geimpft wurde den Angaben zufolge in einem zu diesem
Zweck hergerichteten Büroraum. Flugverkehr gab es nicht. Die Beamten stellten Impfproben, genutzte Spritzen sowie Impflisten sicher.

7-Tage-Inzidenz im Kreis Görlitz steigt weiter an

Derweil stieg die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Görlitz übers Wochenende weiter an. Das Robert-Koch-Institut gab den Inzidenzwert am Sonntagmorgen mit 1.502 an, am Freitagfrüh lag er noch bei 1.295, am Sonnabend bei 1.386 - vor einer Woche bei 600. Am Sonnabend sind fünf weitere Corona-Tote dazugekommen. Der Landkreis hat damit jetzt 1.225 pandemiebedingte Todesfälle zu beklagen.

Der rasante Anstieg geht auch auf ein Daten-Kuddelmuddel im Landkreis Görlitz zurück, zeigt aber auch, dass die Pandemie noch immer an Stärke gewinnt. Im Vergleich zum Freitag finden sich jetzt in der RKI-Statistik 1.600 zusätzliche Neuinfektionen. Das Kreis-Gesundheitsamt veröffentlicht am Wochenende keine neuen Zahlen. Seit Sonnabend gilt für Ungeimpfte im Landkreis Görlitz eine nächtliche Ausgangssperre, da die Inzidenz über 1.000 liegt.