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Quarantäne für 700 Kinder, Erzieher, Lehrer in Dresden

Die Zahl der betroffenen Schulen und Kitas steigt. Noch ist nicht bei allen Einrichtungen klar, wer mit den Infizierten zu tun hatte.

Die Zahl der Dresdner Kinder, Erzieher und Lehrer, die daheim bleiben müssen, ist am Dienstagabend auf über 730 gestiegen.
Die Zahl der Dresdner Kinder, Erzieher und Lehrer, die daheim bleiben müssen, ist am Dienstagabend auf über 730 gestiegen. ©  Archiv/Claudia Hübschmann

Dresden. Angesichts des "beunruhigenden Infektionsgeschehens" hält Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) die vollständige Öffnung von Oberschulen und Gymnasien kommende Woche für unwahrscheinlich. Auch in Dresden sind am Dienstag weitere Corona-Fälle an Schulen und Kitas gemeldet worden. Damit sind nun mehr als 730 Kinder, Erzieher und Lehrer in 27 Einrichtungen betroffen. Der Überblick.

Welche Kitas und Schulen sind betroffen?

Mit Stand vom Dienstagabend sind in Dresden 483 Kita-Kinder sowie Erzieher von 16 Einrichtungen in Quarantäne.

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An der Kita "Schlaumäuse" am Freiberger Platz im Stadtzentrum hat das Gesundheitsamt für 16 weitere Kinder und Erzieher eine Quarantäne verfügt. Die Einrichtung hatte bereits am vergangenen Donnerstag einen Fall gemeldet. Nun gibt es offenbar eine weitere Infektion, wodurch die Zahl der Personen, die zu Hause bleiben müssen, auf 35 steigt.

An den Dresdner Schulen sind 251 Personen an neun Schulen und zwei Horten betroffen. Am Dienstagabend meldete das Gesundheitsamt Corona-Fälle am Johann-Friedrich-Jencke-Förderzentrum in Trachenberge sowie am Förderzentrum am Albertpark. Deutlich ausgeweitet wurde die Quarantäne an der 113. Grundschule "Canaletto" in der Johannstadt. Dort sind nun 54 Menschen nach Hause geschickt worden. Am Vormittag war noch etwa von der Hälfte die Rede.

Corona-Fälle sind am Dienstag auch am Hort der Weißiger Grundschule sowie am Hort der 135. Grundschule in Gorbitz mitgeteilt worden.

Alle aktuellen Quarantänefälle gehen dem angegebenen Quarantänezeitraum zufolge auf Kontakte nach der Wiederaufnahme des Regelbetriebs am Montag vergangener Woche zurück.

Wo es sich im Einzelnen um Kinder beziehungsweise Erzieher oder Lehrer handelt, teilt das Gesundheitsamt nicht mit. Unklar ist auch, wo sich die Infizierten angesteckt haben.

Wie sieht die Infektionslage bei Kindern in Dresden aus?

Eine Abfrage beim Robert-Koch-Institut hat ergeben, dass sich seit Jahresanfang 155 Babys, Kita-Kinder und Grundschüler infizierten, davon bisher acht in dieser Woche. Tatsächlich sind das wenige Infektionen, verglichen mit anderen Altersgruppen in diesem Zeitraum.

So liegt zum Beispiel die Inzidenz für den gesamten Pandemiezeitraum (März 2020 bis Februar 2021) bei den null- bis vierjährigen Dresdnern bei rund 1.100 Infektionen je 100.000 Kinder in dieser Altersgruppe. Zum Vergleich: Für die über 80-Jährigen gibt das RKI die Gesamtinzidenz mit etwa 4.000 Infektionen je 100.000 Menschen in dieser Altersgruppe an.

Allerdings genügen aufgrund des Infektionsschutzes wenige Fälle, um ganze Klassenzimmer und Kindergarten-Räume auszukehren, wie die aktuelle Situation zeigt.

Wie viele Kinder sind wieder in Kitas und Schulen?

Dem Landesamt für Schule und Bildung zufolge saßen am vergangenen Montag etwa 94 Prozent der Dresdner Grundschüler wieder im Klassenzimmer. Der Rest blieb daheim. In Sachsen ist die Schulbesuchspflicht ausgesetzt. Eltern entscheiden also selbst, ob ihr Kind wieder am Präsenzunterricht teilnimmt oder zu Hause lernt.

In den Kitas ist etwas weniger los. In den städtischen Einrichtungen sind am vergangenen Mittwoch etwa 22.000 von üblicherweise 26.500 Kinder gezählt worden. Das entspricht rund 83 Prozent, teilt die Verwaltung mit. Bei den freien Trägern liegt die Besuchsquote in einem ähnlichen Bereich: Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) berichtet, 80 bis 90 Prozent der Kinder würden betreut, bei der Diakonie sind es einer Sprecherin zufolge 83 Prozent. Bei den Johannitern sind 90 bis 95 Prozent der Kinder wieder da, so ein Sprecher. Bei der Awo fehlten nur einzelne Kinder, heißt es auf Anfrage.

Was passiert, wenn ein Corona-Fall an einer Einrichtung bekannt wird?

Oberstes Ziel ist es, eine Massenansteckung zu verhindern. Deshalb gilt an Kitas und Schulen ein fester Fahrplan, sobald eine Infektion bekannt wird. Ein Beispiel: Ein Junge besucht am Donnerstag die Kita und bekommt im Laufe des Tages Fieber und hustet. Die Kita-Leitung ruft die Eltern an und bittet sie, ihr Kind abzuholen.

Am Freitag stellt sich heraus, dass der Junge tatsächlich infiziert ist. Die Kita-Leitung beginnt nun, alle Personen zu ermitteln, die 48 Stunden vor den ersten Symptomen engen Kontakt zu dem Jungen hatten - also am Donnerstag, Mittwoch und Dienstag. Dieser Zeitraum gilt auch, sollte ein Kind symptomlos gewesen und positiv auf das Coronavirus getestet worden sein. Die Zahl der Kontakte sollte sich in Grenzen halten, da Kinder in festen Gruppen betreut beziehungsweise unterrichtet werden.

Die Kontaktliste wird ans Gesundheitsamt geschickt. Parallel informieren die Kitas die Eltern der betroffenen Kinder. Für alle engen Kontaktpersonen gilt nun eine 14-tägige Quarantäne. Offizieller Quarantäne-Beginn ist der Tag des letzten Kontakts zu dem infizierten Jungen. Wer also noch am Donnerstag mit ihm gespielt hat, muss einen Tag länger zu Hause bleiben, als diejenigen, die zuletzt am Mittwoch mit ihm zu tun hatten. Die Quarantäne kann mit einem negativen Test abgekürzt werden, frühestens ab dem zehnten Tag.

Das Gesundheitsamt stellt in den Tagen darauf einen Sammelbescheid aus, der von der Kita-Leitung an die betroffenen Familien weitergegeben wird. Er dient auch als Vorlage beim Arbeitgeber, wenn Eltern wegen der Kinderbetreuung nicht arbeiten können. Eltern sind im Übrigen verpflichtet, die Kita oder die Schule so schnell wie möglich zu informieren, sollte ihr Kind positiv getestet worden sein. Mit dieser Prozedur halte man sich an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, so die Stadtverwaltung.

Darf ich mein Kind mit Husten in die Kita oder Schule schicken?

Noch im vergangenen Frühjahr galt eine Null-Toleranz-Politik, als Kitas und Schulen nach dem ersten Lockdown wieder aufmachten. Kinder mussten bei den geringsten Symptomen zu Hause bleiben. Eltern bürgten mit ihrer Unterschrift, dass das Kind gesund ist. Das ist diesmal etwas anders. Seit dem vergangenen Montag gilt: Wer leichte Krankheitssymptome wie Schnupfen, gelegentlichen Husten oder Halskratzen hat, darf die Kita oder die Schule besuchen.

Fühlt sich das Kind generell krank, schmeckt oder riecht es schlechter, hat es Fieber über 38 Grad, hustet es sehr, erbricht es oder hat es Durchfall, so sieht das anders aus. Dann darf es erst wieder die Einrichtung besuchen, wenn die Symptome mindestens 48 Stunden abgeklungen sind. Eine ärztliche Bescheinigung sei nicht notwendig, so das Kultusministerium. "Die Einschätzung, ob das Kind krank ist, treffen auch weiterhin grundsätzlich Sie als Eltern", heißt es. Die Eltern entscheiden auch, ob sie mit ihrem Kind bei Symptomen wie Fieber, Durchfall oder Erbrechen zum Arzt gehen. Sollte das der Fall sein, legt der Arzt fest, ob ein Coronatest gemacht wird oder nicht.

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

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