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So bereitet sich Sachsen auf Omikron vor

Der Expertenrat der Bundesregierung warnt vor Personalausfällen in der öffentlichen Versorgung. Notfallpläne sollen das Schlimmste verhindern.

Von Karin Schlottmann
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Eine alte FFP2-Maske liegt in der Dresdner Altstadt auf historischen Pflastersteinen, während im Hintergrund die Müllabfuhr arbeitet. Foto: dpa/Robert Michael
Eine alte FFP2-Maske liegt in der Dresdner Altstadt auf historischen Pflastersteinen, während im Hintergrund die Müllabfuhr arbeitet. Foto: dpa/Robert Michael © dpa-Zentralbild

Dresden. Die Corona-Infektionszahlen in Sachsen sind derzeit so niedrig wie zuletzt Anfang November. Während in Norddeutschland trotz hoher Impfquote die Sieben-Tage-Inzidenzen stetig steigen, stecken sich hier zu Lande immer weniger Menschen an. Das Robert-Koch-Institut gab diesen Wert am Mittwoch mit 287 an. Die strengen Einschränkungen zeigen offenbar Wirkung.

Da der Expertenrat der Bundesregierung mit Blick auf die Entwicklung in anderen EU-Ländern bundesweit wieder mit drastisch steigenden Infektionszahlen rechnet, bereitet sich auch die sächsische Landesregierung auf eine große Krankheitswelle vor. In zwei bis drei Wochen könne die Omikron-Welle Sachsen treffen, meinen Experten.

Einschränkungen im Nahverkehr

Für die sogenannte Kritische Infrastruktur könnte die vom Expertenrat vermutete exponentielle Verbreitung des Corona-Virus erhebliche Folgen haben. Zur Kritischen Infrastruktur gehören beispielsweise

  • Krankenhäuser
  • Energieversorger
  • der Öffentliche Nahverkehr
  • Polizei
  • Feuerwehr

Mecklenburg-Vorpommern hat einen Krisenstab eingerichtet, in dem alle Ministerien, die kommunalen Spitzenverbände, die Rettungsdienste, Bundeswehr sowie Vertreter des gesamten Gesundheitswesens eingebunden sind.

In Sachsen gibt es bisher kein vergleichbares Instrument. Die Betreiber der jeweiligen Einrichtungen und Unternehmen seien dennoch vorbereitet, teilte das Innenministerium auf Anfrage mit. Und weiter: „Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Kritischen Infrastrukturen verfügbar und leistungsfähig“. Das haben Rückmeldungen der Betreiber sowie der fachlich zuständigen Ministerien ergeben. „Demnach kommt es nur aufgrund vereinzelten Personalmangels zu Einschränkungen des Leistungsportfolios, wie beispielsweise im Bereich des ÖPNV“, sagte ein Ministeriumssprecher der SZ.

Die Verkehrsunternehmen sollen in jedem Fall ein Grundangebot für die Berufsgruppen der Kritischen Infrastruktur sicherstellen. „Ziel ist und bleibt es, dass auch weiterhin die Krankenschwester oder der Feuerwehrmann mit dem ÖPNV zur Arbeit kommen kann“, sagte Jens Jungmann, Sprecher des Wirtschafts-und Verkehrsministeriums.

Im Notfall arbeiten Infizierte weiter

Dieses Ziel werde dadurch erreicht, dass das Angebot bei coronabedingten Personalausfällen durch die Unternehmen auf „ein notwendiges Grundangebot“ zurückgefahren wird oder für einen gewissen Zeitraum Ersatzverkehre durch andere Unternehmen angeboten werden können.

In diesem Zusammenhang ist es vereinzelt zu Einschränkungen gekommen, da vorübergehend nicht genügend Mitarbeiter zur Verfügung standen. So verkehren die Linien der Verkehrsbetriebe in Dresden und Chemnitz nach einem angepassten Fahrplan. In Leipzig komme es noch auf einzelnen Linien zu Einschränkungen. Ausfälle im Ostsachsennetz wurden inzwischen wieder aufgehoben.

In den Krankenhäusern und Pflegeheimen ist laut Gesundheitsministerium im Notfall eine Arbeitsquarantäne möglich. Wenn sich die Versorgung nicht anders aufrecht erhalten lasse, können positiv getestete Mitarbeiter, die keine Krankheitssymptome haben, die Quarantäne für ihren Dienst unterbrechen – unter Beachtung hoher Hygienestandards. Auch die Stadtverwaltung Dresden will, wenn es ganz schlimm kommt, in wichtigen Bereichen Teams einsetzen, in denen alle positiv getestet sind. Das Klinikum Chemnitz setzt auf die Hilfe Freiwilliger und der Bundeswehr. 20 Soldaten aus Thüringen sind dort derzeit eingesetzt.

Polizei und Rettungsdienste flächendeckend leistungsfähig

Die Mitarbeiter der Sachsenenergie AG sind von Infektionen, Quarantäne und Krankheitsfällen ebenso betroffen wie andere Unternehmen, allerdings „in einem geringeren Maße als im sachsenweiten Durchschnitt“, wie Sprecherin Viola Martin-Mönnich mitteilte. Ein großer Teil derjenigen, die einen Büroarbeitsplatz haben, arbeite seit November wieder von zu Hause aus. Darüberhinaus reagiert das Unternehmen mit getrennten Schichtsystemen in den Leitstellen, Notfallschichtplänen und einem niedrigschwelligen Impfangebot auf die Infektionswelle. Der konzernweite Krisenstab, der auch über die Feiertage gearbeitet habe, könne die aktuelle Lage zügig bewerten und entsprechend planen.

Nach Angaben des Innenministeriums sind das Rettungswesen, der Brand- und Katastrophenschutz sowie die Polizei flächendeckend leistungsfähig. Die Polizei könne schnell intern Beamte umsetzen, wenn es nötig werde. Nicht einsatznotwendige Bereiche könnten zeitweise geschlossen werden. Beim Ausfall eines Feuerwehrstandortes wäre es möglich, dass ein benachbarter Standort im Falle eines Alarms ausrückt. „Bei dem hochdynamischen Infektionsgeschehen ist es notwendig, sich mit möglichen Szenarien auseinanderzusetzen – das geschieht fortlaufend“. (mit dpa)