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Striezelmarkt: "Jetzt droht ein riesengroßes Loch"

Der Striezelmarkt-Auftakt wird bis auf Weiteres verschoben. Was machen Händler und Stollenbäcker jetzt? Und was sagen die Dresdner? Die Reaktionen im Überblick.

Der Dresdner Striezelmarkt steht auf der Kippe.
Der Dresdner Striezelmarkt steht auf der Kippe. © Archiv: dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Eher sollte er in diesem Winter starten, der Dresdner Striezelmarkt. Nun beginnt er später - wenn überhaupt. Die Landesregierung hat Weihnachtsmärkte in Sachsen bis Ende des Monats verboten. Was aber heißt das für die Händler und Dresden insgesamt? Was halten die Dresdner von dieser Entscheidung? Das sind die Reaktionen im Überblick.

Die Glühwein-Händler: "Den Striezelmarkt-Umsatz kann man nicht einfach ersetzen"

Schloß Wackerbarth hofft, im Dezember auf dem Striezelmarkt Glühwein ausschenken zu können.
Schloß Wackerbarth hofft, im Dezember auf dem Striezelmarkt Glühwein ausschenken zu können. © Archiv: Norbert Millauer

Der Keth-Glühwein ist immer ein Renner auf dem Striezelmarkt. Seit Jahren gibt es ihn an gleicher Stelle – am Rand des Striezelmarktes, fast neben dem Eingang zum Haus Altmarkt. Und seit Jahren ist der Stand stets umlagert. Für viele Händler sei es wichtig gewesen, dass endlich eine Entscheidung für oder gegen den Striezelmarkt getroffen wird, sagt Beate Brunke, die das rheinhessische Weingut Keth auf dem Striezelmarkt vertritt. Zum Teil müssten Aussteller ihre Waren im Vorlauf des Weihnachtsmarktes produzieren oder gezielt einkaufen.

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Zwar könne man sich immer noch entscheiden, "ob wir neben dem Glühwein auch mehr Rotwein produzieren und ihn dann in Flaschen verkaufen". Den fehlenden Absatz auf dem Striezelmarkt könne dies aber niemals ersetzen. Der Markt gleiche normalerweise Betriebskosten des Weinguts aus, die über das ganze Jahr anfallen, so Brunke. Jetzt drohe ein riesengroßes Loch.

An der Schloßstraße wollte das sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth ab dem 23. November mit weißem Glühwein und alkoholfreiem Punsch einheizen. „Die Entscheidung ist nachvollziehbar und wir müssen mit ihr leben“, sagte Sprecher Martin Junge am Freitag zur Absage im November. Es seien für alle Händler herausfordernde Zeiten, auch für die Winzer. Sollte der Striezelmarkt im Dezember doch noch eröffnen, in welcher Form auch immer, sei Wackerbarth auf jeden Fall dabei. Wenn nicht, bleibt das Weingut erst einmal auf viel Glühwein sitzen.

„Um die wirtschaftlichen Schäden durch eine mögliche Absage von Weihnachtsmärkten auf ein Minimum zu reduzieren, sind von uns kreative Lösungen und neue Konzepte gefordert“, so Junge weiter. Wackerbarth plane daher unter anderem, die Umsatzverluste durch den Verkauf des Glühweins im Einzelhandel sowie direkt über das Internet zu kompensieren. „Man sollte den Optimismus und die Lebensfreude nicht verlieren.“

Die Stollenbäcker: "Die Alternative heißt online"

Zum Striezelmarkt gehört der Dresdner Christstollen, das steht fest. Nachdem erst das Stollenfest am 5. Dezember abgesagt wurde, bedeutet die jetzige Absage des Marktes in seiner eigentlichen Form für die Dresdner Stollenbäcker "nicht mehr aufholbare Umsatzverluste." 

Doch Andreas Wippler, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Dresdner Stollenverbandes, zeigt sich optimistisch: "Rund 85 Prozent unserer Mitgliedsbetriebe haben einen Online-Shop. Jeder Dresdner hat seinen Stollenbäcker, der für ihn den besten Dresdner Christstollen bäckt, und dort werden er oder sie auch in diesem Jahr Stollen kaufen."

Der Verband setzt außerdem auf Social Media, dort soll das Stollenhandwerk auch online erlebbar gemacht werden. Die Mitgliedsbetriebe seien außerdem im Umgang mit Social Media geschult worden. Sollte der Striezelmarkt im Dezember stattfinden, sei man natürlich gerne wieder mit der Stollen-Schaubackstube dabei, so Wippler.

Die Tourismuschefin: "Wir hoffen auf Lichtblicke im Dezember"

Die Hotels dürfen vorerst bis Ende November keine Urlauber aufnehmen. Ganz egal, ob der Striezelmarkt-Auftakt stattfinden würde oder nicht. Alles entscheidend wird daher der Dezember. Sollten die Herbergen wieder Gäste empfangen dürfen, wäre der Striezelmarkt der Anlass, nach Dresden zu kommen. „Der Dresdner Striezelmarkt steht seit Jahren im Zentrum unserer Vermarktung der Weihnachtsstadt Dresden, ja der Weihnachtsregion Dresden Elbland", sagt Corinne Miseer, Geschäftsführerin der Dresden Marketinggesellschaf. Als ältester Weihnachtsmarkt Deutschlands und einer der schönsten überhaupt sei der Striezelmarkt eine starke Marke und zugleich ein im In- und Ausland begehrtes Ziel bei einem Dresden-Besuch zur Weihnachtszeit.

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"Daher halten wir das große Engagement der Landeshauptstadt Dresden für richtig und wichtig, nach wie vor nach Möglichkeiten zu suchen, Weihnachtsangebote auch 2020 in Dresden anbieten zu können – für Gäste der Stadt und Bewohnerinnen und Bewohner. Wir hoffen auf Lichtblicke im Dezember – wie die vielen Akteure im Tourismus und die Fans der Weihnachtsstadt Dresden." Fast eine halbe Million touristische Übernachtungen sind letztes Jahr im Dezember in Dresden gezählt worden.

Die Dresdner: „Ich brauche unter diesen Umständen keinen Weihnachtsmarkt“

Auf Facebook wird die Entscheidung überwiegend begrüßt. Manche finden, die Stadtverwaltung sollte einen Schritt weiter gehen und den Striezelmarkt gleich ganz absagen, wie es viele andere deutsche Städte bereits getan haben. „So traurig es ist, aber der Striezelmarkt und alle anderen Weihnachtsmärkte können dieses Jahr auch in Dresden unter den noch schlimmer werdenden Umständen nicht stattfinden“, kommentiert zum Beispiel Thomas Reiß. Alles andere sei Augenwischerei. „Herr Hilbert sollte sich jetzt zu diesem Entschluss durchringen, bevor er der letzte OB mit dieser Entscheidung in Deutschland ist.“ 

Noch deutlicher wird Roman Schreiber: „Also wer hier noch an einen stattfindenden Weihnachtsmarkt oder ähnliches glaubt, glaubt auch wirklich an den Weihnachtsmann.“ Viele fragen sich ohnehin, ob der Striezelmarkt in diesem Jahr Besucher anziehen würde. „Ich brauche unter diesen Umständen keinen Weihnachtsmarkt“, findet Ilona Mrosk. „Wir trinken unseren Glühwein und essen Bratwurst zu Hause, ohne Maske und Einschränkung!“ Optimistisch blickt Kerstin Walther in die Zukunft: Es gibt im nächsten Jahr eine neue Chance für den Striezelmarkt und darauf sollten wir uns freuen“, schreibt sie.

Es gibt aber durchaus auch Stimmen, die wenig Verständnis dafür äußern, den Auftakt zu verschieben. „Alles wird hier gestrichen“, sagt Jana Schwarze. „Keiner von den Politikern denkt an die Händler. Jede Freude wird einem genommen und alles wird auf Corona geschoben.“ Auch ein anderer Kommentator hat Fragen: „Warum wurde der Striezelmarkt nicht schon 2017/18 wegen der heftigen Grippe-Epidemie abgesagt?“

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