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Vor dem Corona-Lockdown: Die Party ist vorbei

Das letzte Wochenende mit offenen Kneipen fiel ausgerechnet auf einen Feiertag. Doch in Dresdens Neustadt fiel die Party aus. Ein Vor-Ort-Report.

Abschied ins Ungewisse: Ab Montag müssen Lokale geschlossen bleiben.
Abschied ins Ungewisse: Ab Montag müssen Lokale geschlossen bleiben. © kairospress

Dresden. Emy Dobritzki (21) und Sven Wolter (31) sind verzweifelt. „Wir wollten Halloween feiern, aber es ist einfach nichts los! Wir sind in der Altstadt gestartet und jetzt hier in der Neustadt finden wir auch keine Party!“, nuscheln die beiden hinter ihren grün leuchtenden, an Darth Vader erinnernden Masken hervor. Ihre weißen T-Shirts strotzen vor künstlichem Blut. Sven ist extra aus Hoyerswerda angereist, um mit seiner Freundin in Dresden Halloween zu feiern.

Doch um 20 Uhr ist es an der Ecke Alaunstraße – Louisenstraße für einen Neustädter Samstagabend auffällig ruhig. Vor einem Dönerladen stehen die Leute Schlange, doch in den Bars und Restaurants sind viele Tische frei. Die Polizei weißt am Eingang zur Alaunstraße auf die Maskenpflicht in der Neustadt hin. Wie auch am Vortag gebe es bisher keine Probleme. Doch noch ist der Abend jung.

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Lagerfeuer, bunte Lichterketten und Tanzverbot

Neben der Scheune brennt bei Katy’s Garage das Lagerfeuer. Hierher scheint es die Leute zu ziehen, kaum ein Stuhl bleibt frei. Luisa (24) und Kristin (32) sitzen wie jede Woche an diesem Abend gemütlich am Feuer, die beiden sind Arbeitskollegen in einer medizinischen Praxis. „Wir werden die Lichter vermissen“, sagt Kristin und blickt auf die bunten Lichterketten, die den Biergarten zieren. Eigentlich sollte es hier heute Livemusik geben, aber die wurde wegen Corona abgesagt. Es herrscht ein Tanzverbot.

Verboten ist ab Montag auch das gemütliche Am-Lagerfeuer-Sitzen. Denn dann müssen Biergärten schließen, genau wie Bars, Kneipen und Restaurants, zunächst für einen Monat. „Wir werden auf zu Hause ausweichen“, sagt Luisa. Für sie mache das keinen Unterschied, aber der Wirt täte ihr leid.

Noch mal wärmen bei Katy's Garage.
Noch mal wärmen bei Katy's Garage. © kairospress

Gelassen sehen das auch Thomas, Manuela, Enno, Lydia und Honza, die gleich um die Ecke in der „Neustädter Winter Hüttn“ ein Bier trinken. Gerade einmal eine Woche hat der bunt beleuchtete Winter-Louisengarten nun offen, jetzt muss er schon wieder schließen. 

Doch die fünf ehemaligen Arbeitskollegen wollen sich nicht aufregen. „Wir werden das schon überstehen“, sagt Manuela. Der aus Tschechien stammende Honza findet den deutschen Lockdown sowieso ziemlich harmlos. In Liberec gingen die Leute mit einem Plüschtier Gassi, nur um einen Grund zu haben, aus dem Haus zu dürfen, erzählt er.

„Noch einmal die Chance nutzen“

Kurz vor 22 Uhr ändert sich plötzlich die Stimmung. Die Louisenstraße aufwärts strömen am Assi-Eck die Menschen auf die Straße. 22 Uhr ist Sperrstunde. Die meisten Kneipen schließen und schicken ihre Gäste vor die Tür. Vor den Spätis herrscht auf einmal reger Andrang, Menschen tragen kistenweise Bier die Straße hinunter. „Wir müssen noch einmal die Chance nutzen“, ruft einer und verschwindet mit seinen Freunden hinter einer Tür. Dann gehen nach und nach in den Kneipen die Lichter aus.

Auch im Hebadas wurde noch mal ausgeschenkt.
Auch im Hebadas wurde noch mal ausgeschenkt. © kairospress

Doch vor Lebowski-Bar, Zille, Blue Note und Co. tummeln sich die Menschen jetzt auf der Straße. Lisa Saalbach, Nicole Dittrich und Fabian Tilke sitzen mit einem Bier vor der Pinta Cocktailbar. Die drei wollen die neuen Corona-Regelungen penibel einhalten, schon jetzt treffen sie sich mit maximal zwei Haushalten. 

„Hätten wir uns beim ersten Mal besser an die Regeln gehalten, ständen wir jetzt nicht wieder vor dieser Situation“, sagt Nicole, die beruflich mit Risikopersonen zu tun hat. Lisa sieht den bevorstehenden Lockdown positiv: „Man spart Geld, wenn man sein Bier selber kauft.“

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Gegenüber vor dem Tranquillo Store steht Lukas mit seinen fünf Freunden. Zuerst die Klarstellung: „Wir sind keine Wutbürger.“ Aber dass die Politik in der Coronakrise versagt habe, findet er schon. „Wir bräuchten für einen Monat einen wirklich harten Lockdown, damit die Leute sich auch mal daran halten.“ Ob seine Gruppe sich ab Montag an die neuen Regeln halten wird, da ist er sich nicht sicher. „Wir werden das Assi-Eck meiden und dann in andere Straßen ziehen.“

Über die Louisenstraße zurück in die Alaunstraße. Bei Katy’s Garage sind die bunten Lichterketten erloschen, zwei dunkle Gestalten sitzen noch am kalten Lagerfeuerplatz. Wann es wieder brennen wird, ist ungewiss.

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