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Was haben die Schnelltests in Dresden gebracht?

Zu ungenau, heißt es oft, wenn es um Schnelltests geht. Aber ist das wirklich so? Das Dresdner Gesundheitsamt legt nun Zahlen vor.

Seit einigen Monaten sind Schnelltests für jeden Bürger kostenlos. Welchen Beitrag haben sie in der Pandemiebekämpfung geleistet?
Seit einigen Monaten sind Schnelltests für jeden Bürger kostenlos. Welchen Beitrag haben sie in der Pandemiebekämpfung geleistet? © Symbolfoto: dpa/Moritz Frankenberg

Dresden. Mit der neuen Corona-Schutzverordnung rücken Schnelltests wieder in den Fokus der Pandemiebekämpfung. Wer weder geimpft noch genesen ist, muss sich bei einer höheren Wocheninzidenz ab sofort testen lassen, wenn er zum Beispiel eine Gaststätte besuchen möchte. Doch wie viele bis dahin unbekannte Infektionen konnten die Schnelltests in Dresden überhaupt aufdecken? Und wie oft haben sie ein falsches Ergebnis angezeigt? Eine Analyse.

Wie oft sind Schnelltests in Dresden positiv ausgefallen?

Genau 3.081 Schnelltests haben in diesem Jahr schon eine Infektion angezeigt. Das geht aus den Zahlen des Dresdner Gesundheitsamtes hervor, die der SZ vorliegen. Woher das Amt das weiß? Positive Ergebnisse sind meldepflichtig. Das heißt, Testzentren müssen mitteilen, wenn ein Test positiv ausfällt. Negative Ergebnisse müssen dagegen nicht gemeldet werden. Wie viele Tests also insgesamt schon in der Stadt durchgeführt wurden, kann nicht gesagt werden.

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Waren wirklich alle positiv Getesteten infiziert?

Nein. Antigen-Schnelltests sind vergleichsweise ungenau. Deshalb weist das Gesundheitsamt auf die Pflicht hin, sein positives Ergebnis kontrollieren zu lassen, und zwar mit einem deutlich genaueren PCR-Test.

Das Ergebnis: Bei 45 Prozent der positiv Getesteten hat sich der Verdacht bestätigt. In 36 Prozent der Fälle jedoch stellte sich heraus, dass die Getesteten gar nicht infiziert waren. Für den Rest, knapp 20 Prozent, liegen keine Daten vor, da sie einen PCR-Test trotz Verpflichtung abgelehnt haben.

Auf der anderen Seite können Tests auch negativ ausfallen, obwohl der Getestete sich angesteckt hat. Das liegt daran, dass die Schnelltests erst bei einer relativ hohen Viruslast anschlagen. Wie viele solcher falsch negativen Ergebnisse es in Dresden gibt, ist unbekannt, da kaum jemand im Anschluss einen PCR-Test auf eigene Kosten durchführen lässt. Laut Zulassungsbedingungen für Schnelltests in Deutschland dürfen aber höchstens 20 Prozent der Ergebnisse falsch negativ ausfallen.

Was bringen die Tests bei einer solch hohen Fehlerquote?

Ist es nun sinnvoll, die Testpflicht für Ungeimpfte und Ungenesene einzuführen, angesichts dessen, dass ein Drittel der Tests falsch positiv ausgefallen ist? Eine Gegenrechnung: Durch Schnelltests konnten 1.388 Corona-Fälle entdeckt werden. Das sind knapp acht Prozent aller Neuinfektionen 2021, was wenig klingen mag. Geht man aber davon aus, dass nahezu alle Getesteten keine Symptome hatten und sich weiter in Bussen, Bahnen und auf Arbeit bewegt hätten, wird deutlich, dass viele andere Dresdner geschützt wurden. Legt man einen durchschnittlichen R-Wert von 1 über das bisherige Jahr, wären damit noch einmal so viele Menschen vor einer Infektion bewahrt worden, also mehr als 1.000, die wiederum eine Ansteckungsquelle für ihre Mitmenschen gewesen wären.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) sieht die Schnelltests als eine gute Ergänzung zu den genaueren PCR-Tests, die unter anderem bei Patienten mit Symptomen zum Einsatz kommen. Obwohl die Viruslast für ein zuverlässiges Ergebnis hoch sein muss. Denn: "Da mit hoher Viruslast die Übertragungswahrscheinlichkeit zunimmt, können Antigentests, die Personen mit hoher Viruslast zuverlässig erkennen, einen wertvollen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten", so das RKI in einem Bericht.

Ließe sich jeder nicht nur einmal in der Woche, sondern häufiger testen, sei die Wahrscheinlichkeit, die Phase mit hoher Viruslast bei einem Test abzupassen, höher. Das steigere wiederum auch die Aussagekraft eines negativen Ergebnisses.

Wie viele positive Ergebnisse werden aktuell gemeldet?

In der vergangenen Woche sind dem Gesundheitsamt lediglich 79 positive Ergebnisse gemeldet worden, von denen sich 47 als korrekt herausstellten und neun als falsch. Bei den übrigen ist kein PCR-Test durchgeführt worden. Wirkliches Testresultat: unklar.

"Derzeit sind alle Bürgerinnen und Bürger in Dresden verpflichtet, nach einem positiven Antigen-Schnelltestergebnis einen PCR-Test durchzuführen", sagt Frank Bauer, Leiter des Gesundheitsamtes. "Einige Personen kommen dem nicht nach - wie die Zahlen zeigen."

In vielen Fällen bestätigten die positiven Antigen-Schnelltests sich durch die PCR-Tests nicht, sodass es sich nach Einschätzung des Gesundheitsamtes in jedem Fall lohne, einen PCR-Test durchzuführen, um nicht in Quarantäne zu verbleiben, die schon bei einem positiven Antigenschnelltest bei Nichtgeimpften und Genesenen gilt, so Bauer weiter.

Wo sind Tests noch möglich?

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In Dresden haben noch mehr als 100 Testzentren geöffnet. Dort können sich die Dresdner beliebig oft kostenlos testen lassen. Sofern das Ergebnis positiv ausfällt, ist auch der verpflichtende PCR-Test kostenfrei. Die Bürgertests sollen erst am 10. Oktober enden. Ungeimpfte und Ungenesene müssten die Schnelltests dann aus eigener Tasche bezahlen.

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