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Politik

Slowakei zweifelt an Sputnik V

Streit um den russischen Impfstoff hat die Slowakei in eine Krise gestürzt. Nun wird behauptet, es würde sich um ein falsches Produkt handeln. Russland widerspricht.

Der russische Impfstoff Sputnik V hat in der Slowakei für ordentlich Wirbel gesorgt.
Der russische Impfstoff Sputnik V hat in der Slowakei für ordentlich Wirbel gesorgt. © Tibor Rosta/MTI/AP/dpa (Symbolfoto)

Russland besteht nicht länger auf der Rückführung einer Lieferung des Vakzins Sputnik V aus der Slowakei. Das sagte Finanzminister Igor Matovič am Freitag nach Gesprächen in Moskau vor der Presse in Bratislava. Russland hatte den Vertrag gelöst, weil nach Untersuchungen des Impfstoffs in einem Labor der slowakischen Akademie der Wissenschaften Zweifel an dem Vakzin laut geworden waren, für das auch in Deutschland wachsendes Interesse besteht.

Die slowakischen Arzneimittelbehörde SUKL hatte auf der Grundlage eines Laborberichts geäußert, der in die Slowakei gelieferte Impfstoff unterscheide sich von dem, dem die Fachzeitschrift "The Lancet" Ende Februar eine hohe Wirksamkeit bescheinigt hatte. Die Behörde erklärte zudem, dass es an Daten des Herstellers fehle. Das verhindere einen Vergleich mit anderen Studien. Deshalb sollte nun die Genehmigung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA abgewartet werden.

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Russland sprach im Gegenzug von "Fake News“ aus Bratislava. Die Slowaken hätten Sputnik in Verletzung des gültigen Vertrages und in einem "Sabotageakt“ in einem Labor testen lassen, das nicht zum Netzwerk der amtlichen Arzneimitteluntersuchungsstellen der EU gehöre, erklärten die russischen Vermarkter. Die slowakische Kritik mündete in die Aufforderung, das Vakzin wegen "mehrfacher Vertragsverletzungen" zurückzuschicken, damit es in anderen Ländern verwendet werde könne.

Russland dürften solche Schlagzeilen jedenfalls ungelegen kommen. Nach Angaben des staatlichen Direktinvestmentfonds RDIF, der Sputnik V im Ausland vermarktet, haben mittlerweile 59 Länder das Vakzin registriert. Auch Deutschland will mit Russland über umfangreiche Impfstoff-Lieferungen sprechen. Bayern hat sich bereits 2,5 Millionen Dosen gesichert.

Sputnik-Lieferung ließ Koalition zerbrechen

Die Slowakei hat am 1. März eine erste Lieferung von 200.000 Impfdosen des in der EU nicht zugelassenen Impfstoffs aus Russland erhalten. Der inzwischen zurückgetretene Gesundheitsminister Marek Krajci erteilte zwar eine Ausnahmegenehmigung für die Anwendung von Sputnik V. Zugleich ordnete er jedoch an, dass der tatsächliche Einsatz erst nach Vorliegen einer positiven Prüfung durch die SUKL beginnen dürfe. Deshalb wurde der Impfstoff bisher nicht genutzt.

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Matovič hatte die Sputnik-Lieferung als slowakischer Regierungschef hinter dem Rücken seiner Ministerkollegen eingefädelt. Das hatte zum Bruch der Koalition geführt. Matovič musste danach als Premier abtreten und ist in der neuen Regierung nur noch Finanzminister. Auf Twitter beschimpfte er die Gegner von Sputnik als "Idioten“. Es gebe unter den Slowaken großes Interesse, sich mit dem russischen Vakzin impfen zu lassen. Ohne diese Menschen werde es in der Slowakei zu keiner "Herdenimmunität“ kommen.

Nach den Worten des slowakischen Gesundheitsministers Vladimír Lengvarský soll Sputnik nun eingesetzt werden, nachdem es von einem amtlichen Labor in der Slowakei oder von der europäischen EMA zugelassen worden sei. (mit dpa)

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