merken
PLUS Dresden

Dresden: Wo Homeoffice an Grenzen stößt

Wie viele Dresdner arbeiten bereits von zu Hause aus und wo ist das gar nicht möglich? Ein Überblick bei Dresdens großen Arbeitgebern.

Manche Jobs kann man zu Hause einfach nicht erfüllen.
Manche Jobs kann man zu Hause einfach nicht erfüllen. © dpa/Rene Meinig/Wolfgang Wittchen (Symbolbilder)

Dresden. Schon am kommenden Mittwoch müssen Unternehmer alle Mitarbeiter ins Homeoffice schicken. Überall dort, wo keine zwingenden betrieblichen Gründe dagegen sprechen, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil am Mittwoch. Das können Produktionsstrecken sein, die sich freilich nicht nach Hause verlagern lassen.

Wie viele Dresdner arbeiten bereits in ihrer Wohnung und in welchen Büros herrscht noch Hochbetrieb? Und wie sollen die Arbeitnehmer besser geschützt werden, die ihre Arbeit im Betrieb verrichten müssen? Das sind die wichtigsten Antworten im Überblick.

Anzeige
Vernünftige Rendite statt 0 % Zinsen
Vernünftige Rendite statt 0 % Zinsen

Geld anlegen. Klassische Zinsen kassieren. Das ist auf absehbare Zeit schwierig. Mit MeinInvest investiert man in die Zukunft!

Wozu sollen die Dresdner Firmen verpflichtet werden?

Die neue Verordnung des Arbeitsministeriums soll am 27. Januar in Kraft treten und zunächst bis zum 15. März gelten. Sie legt zum Beispiel fest, dass Unternehmer den Beschäftigten das Arbeiten im Homeoffice ermöglichen müssen, sofern die Tätigkeiten es zulassen. Dadurch sollen Kontakte auf Arbeit, aber auch auf dem Weg dorthin reduziert werden. Das Ziel: weniger Neuinfektionen mit dem Coronavirus.

Wo Menschen im Betrieb arbeiten müssen, und das normalerweise auf engem Raum, müssen die Firmen für Abstände sorgen. Von einer Reduzierung der Raumbelegung ist die Rede. Wo das nicht geht, werden die Unternehmen verpflichtet, medizinische Masken für die Mitarbeiter zu kaufen. Das können OP- oder FFP2-Masken sein.

Außerdem werden die Betriebe angehalten, die Arbeitszeiten so flexibel wie möglich zu gestalten. Ziel sei es, volle Busse und Bahnen am Morgen und am Nachmittag zu vermeiden und das Fahrgastaufkommen zu entzerren, heißt es im Beschluss der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidenten.

Wie konsequent wird Homeoffice in Dresden umgesetzt?

Die Dresdner Stadtverwaltung hat derzeit 7.187 Beschäftigte, die Mitarbeiter der Eigenbetriebe nicht mitgezählt. Wie viele von ihnen von zu Hause aus arbeiten, könne das Rathaus nicht abschließend sagen, da diese Zahlen täglich schwankten, heißt es aus der Verwaltung. Grundsätzlich könne aber jeder Beschäftigte, der ein dienstliches Notebook habe, mobil und damit im Homeoffice arbeiten.

Bei der Stadtentwässerung Dresden arbeiten aktuell 400 Beschäftigte. Etwa 230 davon haben einen PC-Arbeitsplatz – manche zeitweise, viele überwiegend, so Sprecher Torsten Fiedler. Etwa 85 Mitarbeitende machten aktuell von der Homeoffice-Regelung Gebrauch – insbesondere jene, die Kinder oder pflegebedürftige Angehörige betreuen müssten.

Dazu kämen Mitarbeitende aus Büros, die zu eng besetzt wären, um die geltenden Abstandsregeln einhalten zu können. Sie wechseln sich mit ihren Kollegen im Homeoffice ab. "Wir haben technisch sehr aufgerüstet: Über den Sommer wurden nahezu alle Desktop-PCs gegen mobile Geräte ausgetauscht", so Fiedler.

Bus- und Bahnfahrer können natürlich auch nicht zu Hause arbeiten, Verwaltungsmitarbeiter der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) schon. "Wir werben in der Verwaltung grundsätzlich dafür, jetzt nicht in die Büros zu kommen", sagt Sprecher Falk Lösch.

Zum Unternehmen SachsenEnergie, das aus Drewag und Enso hervorgegangen ist, gehören rund 3.300 Mitarbeiter. Etwa die Hälfte befindet sich zurzeit im Homeoffice. Mittlerweile stehe mobiles Arbeiten unternehmensweit für jeden Mitarbeiter - wenn es die Tätigkeit zulässt - zur Verfügung, sagt Sprecherin Nora Weinhold. "Der Krisenstab hat alle Führungskräfte aufgefordert, Arbeitsabläufe anzupassen und somit das mobile Arbeiten für die Mitarbeiter zu ermöglichen."

Der Grippe-Impfstoff-Hersteller Glaxo-Smith-Kline (GSK) ist mit rund 750 Mitarbeitern am Standort Dresden ein großer Arbeitgeber. Knapp ein Drittel der Belegschaft arbeite mobil und schaffe damit Raum in den Büro- und Sozialbereichen wie Pausenräumen. "Damit haben wir am Standort Platz geschaffen, um die Mindestabstände einzuhalten für alle, die aufgrund der Art ihrer Tätigkeit nicht mobil arbeiten können", so Sprecherin Daniela Sepsi.

Es gebe eine Anweisung zum mobilen Arbeiten für alle Mitarbeiter, wo dies vollumfänglich oder teilweise möglich ist. "Dabei handelt es sich um eine strikte Anweisung an unsere Belegschaft, die wir lediglich in den Sommermonaten gelockert hatten", so Sepsi weiter.

Wo stößt Homeoffice an seine Grenzen?

Einmal am Offensichtlichen. In vielen Bereichen ist Homeoffice keine Option, etwa im Dresdner Rathaus. Wer auf Akten der Posteingänge zugreifen müsse, könne diese aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mit nach Hause nehmen. Sie müssten vor Ort bearbeitet werden, so die Verwaltung. Hier wird teilweise vor Ort und teilweise im Homeoffice gearbeitet.

Auch bei der Stadtentwässerung ist Homeoffice nicht überall möglich. "Nach wie vor lassen sich Kläranlagen und Kanalnetze nicht komplett von zu Hause aus betreuen", sagt Torsten Fiedler. Bei Glaxo-Smith-Kline müssen dagegen die Mitarbeiter in den Produktionsbereichen, Laboren, Technikteams und der Logistik zur Arbeit kommen.

Bei SachsenEnergie sei es nötig, dass Mitarbeiter in den Leitwarten von Kraftwerken und Netzen sowie im Entstördienst vor Ort im Einsatz seien, so die Sprecherin. "Auch dort, wo die Digitalisierung von Prozessen und Arbeitsunterlagen noch aussteht beziehungsweise noch nicht abgeschlossen ist, ist nicht jede Tätigkeit im mobilen Arbeiten möglich." Wie viele Mitarbeiter genau zur Arbeit kommen müssen, sei bisher nicht erhoben worden.

Auch bei einem anderen großen Dresdner Arbeitgeber, den Elbe-Flugzeugwerken (EFW), ist Homeoffice und mobiles Arbeiten nur sehr eingeschränkt möglich. Die EFW haben rund 1.600 Mitarbeiter in Dresden und 200 bei einer Tochterfirma in Kodersdorf im Landkreis Görlitz. "Etwa drei Viertel des Teams in Dresden ist in der Fertigung unserer Geschäftsbereiche tätig", sagt Sprecherin Anke Lemke. "Hinzu kommen produktionsnahe Mitarbeiter, die zwar einen Büroarbeitsplatz nutzen, aber die ganz oder teilweise vor Ort sein müssen, zur Aufrechterhaltung der betrieblichen Abläufe und der Fertigung."

So müssten beispielsweise für die Umrüstung eines Passagierflugzeugs auf ein Frachtflugzeug 17.000 Baugruppen mit rund 300.000 Einzelteilen am Flugzeug bereitgestellt werden. Dazu müssen die Mitarbeiter vor Ort sein.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Dennoch sei bei den EFW Homeoffice seit März verstärkt ermöglicht und nun erneut ausgeweitet worden. "Aktuell nutzen etwa 150 Kollegen mobile Arbeit beziehungsweise Homeoffice", so Lemke. In den meisten Bereichen werde aber auf abwechselnde Anwesenheit im Büro geachtet, um Infektionsrisiken zu minimieren und die Kinderbetreuung zu ermöglichen.

Es müsse aber immer sichergestellt sein, dass EFW weiter fertigen kann. Denn insbesondere die Umrüstung zu Frachtflugzeugen ist derzeit stark nachgefragt, weil auch wegen Corona mehr Luftfracht verschickt wird. Zudem gibt es ein Hygienekonzept. "Die Infektionszahlen und -ketten beweisen, dass das sehr gut funktioniert bei uns und die Zahlen sehr moderat waren und sind", erklärt die Sprecherin.

Auf der anderen Seite fehlt es an manchen Stellen an der technischen Ausstattung, wie die Dresdner Stadtverwaltung zeigt. Nur 1.751 Mitarbeiter haben ein dienstliches Notebook und können somit von zu Hause aus arbeiten. Auch stabiles und einigermaßen schnelles Internet ist nötig, weshalb eben nicht alle Verwaltungsmitarbeiter der DVB daheim arbeiten würden, so Falk Lösch. "Es gibt Arbeiten, die gehen einfach nicht von zu Hause. Beispielsweise braucht man für buchhalterische Prozesse oder Lohnüberweisungen gute Internetverbindungen."

Was gilt für Mitarbeiter, die zur Arbeit kommen müssen?

In den Produktionsbereichen von Glaxo-Smith-Kline würden grundsätzlich medizinische Masken getragen, so die Sprecherin. "Die enorme Wichtigkeit dieser Vorsorgemaßnahmen lässt sich direkt an ihrem Erfolg messen: Alle bestätigten Covid-19-Infektionen bei Mitarbeitern stammen aus dem privaten Umfeld und wir konnten jegliche Weitergabe im Arbeitsumfeld verhindern."

Bei den DVB ist eine "Bürobörse" im Intranet eingerichtet worden: Wer nicht ins Büro kommt, kann dort sein Zimmer seinen Kollegen anbieten. Denn es gilt: Wer doch zur Arbeit kommen will, dann abgesprochen immer nur eine Person pro Büro, so Lösch. "Und nur so lange es nötig ist."

SachsenEnergie hatte bereits vorgesorgt und 15.000 FFP2-Masken bestellt, so Nora Weinhold. "Wir werden nun den bereits vorhandenen Bestand an FFP2-Masken nochmals aufstocken. Dabei werden entsprechende Mengenrabatte genutzt, sodass der Preis pro Maske derzeit im Mittel bei 0,70 Euro liegt." Da die Mitarbeiter überwiegend so ausgestattet seien, dass sie mobil arbeiten könnten, müssten nur an verhältnismäßig wenigen Arbeitsplätzen die FFP2-Masken zum Einsatz kommen.

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden