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Der Forststeig im Faktencheck

Die erste Saison auf der 110 Kilometer Trekkingroute in der Sächsischen Schweiz ist vorbei. Zeit für eine Bilanz.

Von Katarina Gust
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Zu den ersten Testern des Forststeiges gehörten Katharina Fäth aus Harsefeld und Göde Klöppner aus Osnabrück.
Zu den ersten Testern des Forststeiges gehörten Katharina Fäth aus Harsefeld und Göde Klöppner aus Osnabrück. © Archivfoto: Marko Förster

Ein Spaziergang ist es nicht, was die Wanderer erwartet, wenn sie den Forststeig Elbsandstein vor sich haben. Die rund 110 Kilometer lange Trekkingroute, die im April freigegeben wurde, ist nur etwas für geübte und autark ausgerüstete Wanderfans. Gemeinsam mit der tschechischen Forstverwaltung hatte der Staatsbetrieb Sachsenforst die anspruchsvolle Erlebnisroute auf linkselbischer Seite geplant – über fünf Jahre lang. Herausgekommen ist ein Trail, der sich in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz über 13 Tafelberge schlängelt. Im Oktober endete nun die erste Saison am Forststeig. Zeit für eine Bilanz:

Fakt 1: Großteil der Wanderer stammt aus Sachsen

Der Sachsenforst schätzt, dass von April bis Oktober zwischen 2 000 und 2 500 Mehrtageswanderer auf dem Forststeig unterwegs waren. Die Schätzung basiert auf der Anzahl der verkauften Trekkingtickets. Denn wer in den fünf Trekkinghütten oder auf den drei Biwakplätzen übernachten will, muss dafür bezahlen. Rund 4 700 solcher Tickets wurden verkauft, davon 2 800 tatsächlich eingelöst und somit „verschlafen“. „Im Durchschnitt sind die Trekker drei Tage unterwegs“, sagt Uwe Borrmeister, Leiter des Forstbezirkes Neustadt. Das macht rein rechnerisch etwa 1 400 Besucher. Hinzu kämen Tagestouristen und Wanderer, die an anderer Stelle übernachten.

Etwa 65 Prozent der Mehrtageswanderer kommen aus Sachsen. Der Forststeig strahlt aber auch überregional aus. Beispielsweise seien Wanderer aus Santiago de Chile in Südamerika auf dem Trail unterwegs gewesen.

Fakt 2: Spätsommer ist die beliebteste Wanderzeit

Der Forststeig ist zwischen August und Oktober am frequentiertesten. Auch das haben die eingelösten Trekkingtickets gezeigt. Der sehr heiße Sommer hätte laut Uwe Borrmeister auch dazu beigetragen. Der besucherreichste Tag war Freitag, der 29. September, mit 65 Übernachtungen in den Trekkinghütten und Biwakplätzen. Bis zu 90 Personen hätten darin Platz. „Wir haben also noch Luft nach oben“, sagt der Forstbezirksleiter. Von Massentourismus könne man dennoch nicht reden. 65 Personen auf 100 Kilometern, das sei keine beunruhigende Zahl.

Fakt 3: Rotsteinhütte ist meist besuchte Trekkinghütte

In der Rotsteinhütte, auf halber Strecke zwischen Rosenthal und Cunnersdorf, haben mit 440 Übernachtungen in dieser Saison die meisten Wanderer campiert. Dahinter folgen die Kamphütte (409) und die Grenzbaude (408). Willys Ruh (328) und die Haselmausbaude (213) sind wegen ihrer Lage weniger besucht. Diese Hütten liegen nicht direkt am Forststeig, sondern ein paar Kilometer davon entfernt. Bei den Biwakplätzen, an denen Wanderer ihr eigenes Zelt aufstellen können, ist der Taubenteich mit 547 Übernachtungen Spitzenreiter, gefolgt vom Spitzsteinbiwak (246) und Zirnsteinbiwak (164).

© Grafik: SZ

Fakt 4: Von Vandalismus und Diebstahl keine Spur

Seit April hat es entlang der Forststeigroute keine Form von Zerstörung oder Vandalismus gegeben. Über diesen Fakt sind vor allem die Wanderwegewarte erstaunt, die meist häufig mit kaputten Hinweisschildern oder Wegbegrenzungen zu beklagen haben. „Auch die Hütten wurden nicht verschmutzt hinterlassen“, sagt Uwe Borrmeister. Etwa zweimal pro Woche wurden die Übernachtungsplätze zwischen April und Oktober von Mitarbeitern des Forstes inspiziert und die Komposttoiletten und Waschplätze gereinigt.

Fakt 5: Forststeig wird kein Winterwanderweg

Auch im Winter durch die Sächsische und Böhmische Schweiz wandern? Zumindest auf dem Forststeig wird das nicht möglich sein, obwohl viele Wanderer diesen Wunsch geäußert haben. „Die Beruhigung im Winter ist gewollt“, erklärt Forstbezirksleiter Uwe Borrmeister. Die Natur solle sich erholen. Außerdem seien die Trekkinghütten und Biwaks nicht wintertauglich. Die Komposttoiletten würden einfrieren, genau wie das in Tanks abgefüllte Brauchwasser an den Biwakplätzen.

Fakt 6: Versorgung mit frischem Wasser bleibt Problem

An einigen Biwakplätzen gibt es zwar sogenanntes Brauchwasser. Zum Trinken ist das jedoch nicht geeignet. Die Wanderer selbst müssen sich mit genügend Lebensmitteln und Wasser ausrüsten. Letzteres sei jedoch schwer – im doppelten Sinn. In Wanderkarten zum Forststeig sind Bachläufe oder Quellen zwar eingezeichnet. Das genüge aber oft nicht. Wanderer sollten deshalb einen Wasserfilter dabei haben.

Fakt 7: Wanderroute wird noch besser ausgeschildert

Im Laufe der Saison wurden 60 zusätzliche Markierungspfähle aufgestellt, um Wanderern zu zeigen, wo es am Forststeig lang geht. Dennoch häuften sich kritische Stimmen zur Beschilderung. Daran will der Sachsenforst arbeiten. Über die Wintermonate soll die Markierung optimiert werden.