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Sachsens beste Nachwuchs-Bäckerin

Michelle Pöhlmann wusste früh, wie sie ihre Brötchen verdienen möchte. Nun ist klar: In Schlottwitz ist sie richtig.

Michelle Pöhlmann ist Sachsens beste Auszubildende im Bäckerhandwerk, hier mit ihrem Schaustück. Neben ihr steht ihr Lehrausbilder in der Schlottwitzer Bäckerei Tannenbaum-Degenkolbe, Bäckermeister Tom Rudolf.
Michelle Pöhlmann ist Sachsens beste Auszubildende im Bäckerhandwerk, hier mit ihrem Schaustück. Neben ihr steht ihr Lehrausbilder in der Schlottwitzer Bäckerei Tannenbaum-Degenkolbe, Bäckermeister Tom Rudolf. © Egbert Kamprath

"Am liebsten mache ich Blätterteig", sagt Michelle Pöhlmann. Doch auch fürs Brot-, Brötchen- und Kuchenbacken hat sie ein Händchen. In Sachsen gibt es keine Jungbäckerin, die es besser kann. Denn Michelle Pöhlmann hat den Nachwuchs-Wettbewerb der Innung des sächsischen Bäckerhandwerks gewonnen. 

Damit hat die junge Frau nicht gerechnet. Auch ihre Chefin nicht. "Ich habe ihr es zugetraut, doch man weiß ja nie, wie gut die Konkurrenz ist", sagt Anja Tannenbaum-Degenkolbe. Dass sie Chancen hat, wusste sie: "Michelle ist sehr zielstrebig, lernwillig und hat Freude an der Arbeit", lobt die Chefin. Und auch Bäckermeister Tom Rudolf, einer ihrer Ausbilder, ist voll des Lobes: "Michelle ist fleißig, hat eigene Ideen und ist sehr eigenständig." Diese Eigenschaften verhalfen ihr zum Sieg.

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Gegen das Abitur entschieden

Und dieser dürfte eine weitere Bestätigung sein, dass sie sich für den richtigen Beruf entschieden hat. "Meine Mutter hätte es gern gesehen, dass ich Abitur gemacht hätte", sagt sie. Doch sie wollte später nicht in einem Büro sitzen, sondern in einem Beruf arbeiten, bei dem sie nach der Arbeit auch sehen kann, was sie geschaffen hat. Deshalb entschied sie sich gegen das Abitur, verfolgte weiter ihren Weg zum Wunschberuf, später mal Bäckerin zu werden. 

Und sie wusste schon sehr zeitig, worauf sie sich da einlassen wird. Denn als Schülerin jobbte sie in den Ferien in Bäckereien, auch das obligatorische Praktikum absolvierte sie in einer Bäckerei. So hat sie Handwerksbetriebe in Geising, Altenberg und Schlottwitz kennengelernt. Dass sie sich letztlich für die Bäckerei in Schlottwitz beworben hat, lag am Arbeitsweg. Denn der ist ziemlich kurz. Gerademal fünf Minuten braucht die  junge Frau von ihrer Wohnungstür bis zur Backstube an der Müglitztalstraße.

Da auch angehende Bäcker zeitig mit der Arbeit anfangen, ist das ein Vorteil, sagt Michelle Pöhlmann. Denn 16-Jährige dürfen bereits ab 5 Uhr eingesetzt werden, 17-Jährige ab 4 Uhr. Wer auf Bus und Bahn angewiesen ist, hat da ein Problem, sagt sie. Sie hatte das nicht. Auch an das zeitige Aufstehen hat sie sich gewöhnt. Nur manchmal falle es schwer. "Da würde ich gern liegen bleiben", gesteht sie und lächelt. Doch letztlich stand sie immer pünktlich in der Backstube.

Anja Tannenbaum-Degenkolbe sorgte mit ihren Meistern dafür, dass die junge Frau vielseitig ausgebildet wurde, nicht nur im Brot- und Brötchenbacken, sondern auch in der Feinkonditorei. Dass sie hier mehr gelernt hat als mancher Mitschüler, ist Michelle Pöhlmann bereits in der Berufsschule aufgefallen. Denn dort hatten andere so ihre Probleme. "Wer in einer Großbäckerei lernt, dem fallen handwerkliche Arbeiten nicht so leicht." Zu sehen war das beim Teigausrollen und beim Hörnchenwickeln. "Hier hat sich gezeigt, dass bei diesen Arbeiten in den Großbäckereien Maschinen zum Einsatz kommen. In Schlottwitz gehört das zur handwerklichen Ausbildung."

Im November geht es zum Bundeswettbewerb

Nach dem Sieg im Landeswettbewerb schaut Michelle Pöhlmann nun auf den nächsten Wettbewerb. Denn der Sieg in Dresden bescherte ihr die Teilnahme am Bundeswettbewerb, der von 14. bis zum 17. November an der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim stattfindet. Prognosen zum dortigen Abschneiden möchte sie nicht wagen. "Mein Ziel ist es, einen Tisch auszustatten, mit dem ich wieder zufrieden bin", sagt sie. In Dresden sei ihr das gelungen. 

Dort kreierte sie unter anderem ein goldbraunes Flechtgebäck, bunte Puddingbrezeln und eine Baumstammtorte mit Himbeer-Pistazien-Creme. Damit holte sie den Sieg. Und darüber freute sich auch ihr Team in Schlottwitz. Dem ist es vor 14 Jahren schon einmal gelungen, Sachsens besten Bäckerlehrling auszubilden. Damals holte Julia Kunze, jetzt Fraulob, den Sieg. Inzwischen ist sie Bäckermeisterin. Sie arbeitet weiterhin in der Schlottwitzer Bäckerei von Anja Tannenbaum-Degenkolbe. Der Familienbetrieb wurde übrigens schon zweimal von der Handwerkskammer als vorbildlicher Ausbildungsbetrieb geehrt.

Michelle Pöhlmann hat schon Pläne für die Zukunft. Sie möchte Bäckerin bleiben, sich aber beruflich weiterentwickeln. Auch sie möchte Bäckermeisterin werden. Und in zwanzig, dreißig Jahren würde sie gern ihre eigene Bäckerei führen.

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