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Neue Pläne für Traditionsbetrieb

Seit über 25 Jahren stellt das Unternehmen GMT in Reinhardtsgrimma Gerätetechnik her. Die neuen Eigentümer wollen die Firma nicht nur bekannter machen.

Die Brüder Lars Degenkolb und Sören Degenkolb (rechts) haben die Firma Geräte- und Metalltechnik in Reinhardtsgrimma übernommen.
Die Brüder Lars Degenkolb und Sören Degenkolb (rechts) haben die Firma Geräte- und Metalltechnik in Reinhardtsgrimma übernommen. © Egbert Kamprath

Das ist mutig. Mitten in der Corona-Pandemie haben Lars und Sören Degenkolb die Leitung im Dreh- und Frästeilehersteller GMT in Reinhardtsgrimma übernommen. Damit haben sich die Brüder einen Wunsch erfüllt. Denn schon seit Längerem waren die gebürtigen Sebnitzer, die in Bad Schandau aufgewachsen sind und nun mit ihren Familien in Dresden wohnen, auf der Suche nach einer eigenen Firma. "Wir wollten auf eigenen Füßen stehen", sagt der 45-jährige Lars Degenkolb. Dass dieser Schritt mitten in die Corona-Pandemie geschafft wird, konnte keiner vorhersehen.

Der erste Versuch, eine Firma zu übernehmen, führte 2012 nicht zum gewünschten Erfolg. Nun sind die beiden Produktionstechnik-Ingenieure in Reinhardtsgrimma fündig geworden. Hier hat es gepasst. Ganz unbekannt sei ihnen die Region nicht, sagt Lars Degenkolb. Er und sein 38-jähriger Bruder Sören haben bereits in der Firma Söhner gearbeitet. "Wir kennen den Menschenschlag im Gebirge. Deshalb ist es uns leichtgefallen, uns für dieses Unternehmen zu entscheiden."

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Bis Ende 2020 hieß die Firma Geräte- und Metalltechnik Reinhardtsgrimma. So steht es noch auf dem Schild vor der Produktionsstätte. Inzwischen firmiert das Unternehmen unter dem Namen Geräte- und Materialtechnik Glashütte.
Bis Ende 2020 hieß die Firma Geräte- und Metalltechnik Reinhardtsgrimma. So steht es noch auf dem Schild vor der Produktionsstätte. Inzwischen firmiert das Unternehmen unter dem Namen Geräte- und Materialtechnik Glashütte. © Foto: Egbert Kamprath
Mitarbeiter Bernd Ullrich steht an einer der ersten CNC-Maschinen, die nach der Wende ins Müglitztal kamen. Damals war die Firma noch in Glashütte tätig. Sie entstand als sogenannte Ausgründung. Später zog das Unternehmen nach Reinhardtsgrimma.
Mitarbeiter Bernd Ullrich steht an einer der ersten CNC-Maschinen, die nach der Wende ins Müglitztal kamen. Damals war die Firma noch in Glashütte tätig. Sie entstand als sogenannte Ausgründung. Später zog das Unternehmen nach Reinhardtsgrimma. © Foto: Egbert Kamprath
Karl Seidel ist der jüngste Facharbeiter im Team. Der 20-Jährige hat vor wenigen Tagen seine Lehre als Werkzeugmechaniker erfolgreich abgeschlossen. "Hier finde ich täglich neue Herausforderungen." Der gebürtige Oelsaer, der jetzt in Bannewitz wohnt, lobt die familiäre Atmosphäre in der Firma.
Karl Seidel ist der jüngste Facharbeiter im Team. Der 20-Jährige hat vor wenigen Tagen seine Lehre als Werkzeugmechaniker erfolgreich abgeschlossen. "Hier finde ich täglich neue Herausforderungen." Der gebürtige Oelsaer, der jetzt in Bannewitz wohnt, lobt die familiäre Atmosphäre in der Firma. © Foto: Egbert Kamprath

Den ersten Kontakt zur Firma nahmen die Brüder im März 2019 auf. Damals wurde diese von vier Gesellschaftern geführt, von denen einer in den Ruhestand gehen wollte, erzählt Lars Degenkolb. Die Alteigentümer suchten einen Käufer. Die Degenkolbs waren bereit. Doch bis zum Kauf sollte es noch ein weiter Weg werden. Es folgten unzählige Korrespondenzen, Anträge und Gespräche mit Banken und Behörden.

Ende 2020 war es geschafft, der Kaufvertrag konnte unterschrieben werden. Die Brüder waren zufrieden: "Wir denken, dass wir eine solide Finanzierung auf die Beine gestellt haben. Die Banken haben uns signalisiert, dass wir auch einen Spielraum für Neuinvestitionen haben", sagt Lars Degenkolb, der die kaufmännischen Geschäfte führt. Das sei wichtig. "Wir wollen nicht nur verwalten, sondern auch gestalten."

Unternehmen soll weiterentwickelt werden

Was die Firma herstellt, dürften bisher nur ganz wenige wissen. Denn das Unternehmen trat kaum öffentlich in Erscheinung. Das war Teil der Firmenphilosophie. Die bisherigen Unternehmer vertrauten auf die Qualität ihrer Produkte und auf Empfehlungen. So hofften sie, zu neuen Kunden zu gelangen. Das reichte. Lars und Sören Degenkolb wollen aber mehr. Die Brüder möchten das Unternehmen, dass mit ihnen zusammen 15 Mitarbeiter beschäftigt, weiterentwickeln.

Dazu möchten die Jungunternehmer neue Auftraggeber akquirieren. Bisher sind fast alle Partner in der Region tätig. Rund 75 Prozent der Kunden und Lieferanten arbeiten in Sachsen, einige wenige in Berlin und Brandenburg. Es gibt einen großen Kunden aus Baden-Württemberg. Um sich bekannter zu machen, arbeiten die Degenkolbs an einer Unternehmenspräsentation, die elektronisch verschickt werden soll. Auch die Homepage soll überarbeitet werden. Dazu wird in die EDV investiert. Ab dem kommenden Jahr soll der Maschinenpark nach und nach erneuert werden. "Wenn alles so läuft, wie wir uns das vorstellen, möchten wir auch erweitern", sagt Lars Degenkolb.

Von Vorteil für die Pläne der beiden Geschäftsführer ist die Ausrichtung der Firma. Denn zu den Abnehmern gehören nicht nur Glashütter Uhrenfirmen, sondern auch Unternehmen, die Automatisierungs-, Medizin-, Sensor-, Bahn-, und Halbleitertechnik herstellen sowie Produzenten von Verpackungsmaschinen und Forschungseinrichtungen. "Diese Breite wollen wir beibehalten und ausbauen", sagt Sören Degenkolb, der sich um die technische Betriebsführung kümmert.

Firma stellt über 1.000 Produkte her

GMT fertigt komplizierte Fräs- und Drehteile, aber auch Baugruppen und Vorrichtungen, - zurzeit werden über 1.000 Produkte als Einzelteile oder in Kleinserien hergestellt. Im Hauptgeschäft werden Stückzahlen von einem bis 100 Stück produziert, GMT kann aber auch Produkte in Serien bis zu 20.000 Stück herstellen. Verarbeitet werden rostfreie Edelstähle, Aluminium-Legierungen, Kupfer, Messing, Bronze und Titan-Legierungen. Partnerunternehmen übernehmen Pulverbeschichten, Galvanik- und Härteprozesse.

Um weiter zu wachsen, sucht der Gerätetechnikhersteller neue Mitarbeiter, vornehmlich Werkzeug- und Industriemechaniker sowie Zerspannungstechniker. "Diese zu finden, wird wohl eine der größten Herausforderung sein", meint Lars Degenkolb. Aber vielleicht sei die Pandemie auch eine Chance für Firma. Auch künftig werde man Lehrlinge ausbilden, verspricht der Unternehmer. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen in der Regel zwei Lehrlinge, zurzeit hat es nur einen.

Die Degenkolbs wollen aber auch an kleineren Stellschrauben drehen. So soll das äußere Erscheinungsbild der Firma verbessert werden. Hier gebe es noch einige Reserven. "In der Vergangenheit ist viel liegen geblieben", sagt Lars Degenkolb. So soll der Zaun erneuert werden. Auch ein neuer Anstrich der Halle ist geplant.

Größerer Gestaltungsspielraum

Bisher haben die Degenkolbs ihre Entscheidung nicht bereut. Obwohl ihn die Umsatz- und Absatzzahlen auch schon mal nach dem Feierabend beschäftigen, sei er zufriedener, sagt Lars Degenkolb. "Im Moment überwiegt die Freude. Wir können jetzt viel mehr gestalten. Zehn- und Elfstunden-Tage sind jetzt zwar die Regel, aber sie fühlen sich nicht so anstrengend an wie früher".

Ähnlich geht es seinem Bruder Sören. "Wir machen das hier federführend für die Mitarbeiter und deren Familien." Das sei ein gutes Gefühl und das treibt an. "Wir haben hier motivierte Mitarbeiter - da macht das doppelt so viel Spaß", pflichtet ihm sein Bruder bei. Zugute kommt beiden, dass sie schon immer ein gutes Verhältnis zueinander hatten. "Wir kennen uns ja schon unser ganzes Leben", sagt Lars Degenkolb.

Ursprung in der Uhrenindustrie

  • Das Unternehmen Geräte- und Metalltechnik (GMT) hat sich 1994 aus der Glashütter Uhrenbetrieb GmbH - ein Rechtsnachfolger aller früheren Unternehmen der Glashütter Uhrenindustrie - herausgegründet.
  • Begonnen hat das Unternehmen als Hersteller von Feinwerktechnik.
  • 2002 ist das Unternehmen nach Reinhardtsgrimma umgezogen, um hier die Fertigungshalle der Firma Knorr Präzisionsteile, die nach Reinholdshain umgezogen war, weiterzunutzen.
  • 2008 wurde die Halle bei laufenden Betrieb um einen Anbau erweitert.
  • Seit Anfang Januar 2021 firmiert das Unternehmen unter dem Namen Geräte- und Materialtechnik Glashütte (GMT). "Damit wollen wir eine Brücke zur Vergangenheit bauen. Wir sind in Glashütte entstanden", sagt Sören Degenkolb. (GMZ).

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