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Lio aus Hartha braucht dringend Hilfe

Lio hat eine lebensbedrohliche Krankheit. Seit mehr als 100 Tagen ist er in der Uni-Klinik Leipzig. Seine Eltern stehen vor einer besonderen Herausforderung.

Von Sylvia Jentzsch
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Mutter Doreen Zschoche mit ihrem Sohn Lio. Er hat vor Weihnachten eine Stammzellspende erhalten.
Mutter Doreen Zschoche mit ihrem Sohn Lio. Er hat vor Weihnachten eine Stammzellspende erhalten. © privat

Hartha. Es gibt Tage, an denen wissen Doreen Zschoche und René Wießner nicht, wie es weitergehen soll. Ihr fünfjähriger Sohn Lio liegt seit Oktober im Krankenhaus – zuerst zehn Tage in Leisnig und seitdem in der Uniklinik in Leipzig. Er leidet an einer lebensbedrohlichen Krankheit.

Dabei handelt es sich um das Myelodysplastische Syndrom (MDS), eine Erkrankung des Knochenmarks. Das bildet dann weder rote noch weiße Blutkörper noch Blutplättchen. Nicht nur die Krankheit von Lio macht den Eltern große Sorgen.

Lio hat kurz vor Weihnachten eine Stammzelltransplantation bekommen. Die soll dafür sorgen, dass das Knochenmark wieder gesunde Zellen bildet.

Die Eltern des Fünfjährigen und seine zwei Geschwister im Alter von neun und 13 Jahren bangen jeden Tag, dass Lio die Spende gut annimmt und er bald wieder nach Hause kommen kann.

Wohnung komplett umkrempeln

Doch auch wenn sie diesen Tag herbeisehnen, so ist bis dahin noch viel zu tun. „Der Transplantationsarzt hat uns darüber informiert, wie wir die Rückkehr unseres Sohnes vorbereiten müssen. Und das ist nicht ohne“, sagte Doreen Zschoche.

So muss zum Beispiel das komplette Kinderzimmer auf den Kopf gestellt werden, damit es weitestgehend steril ist. Das trifft auch auf die anderen Zimmer zu, die künftig von Lio genutzt werden sollen. Das bedeutet, dass von der Tapete über die Auslegware alles entfernt und erneuert werden muss.

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Der Fünfjährige braucht neue Kinderzimmermöbel, eine neue Matratze, abwaschbares Spielzeug und vieles mehr. Auch die Ernährung müsse künftig komplett geändert, alles möglichst frisch gekocht werden.

„All das geht über unsere finanziellen Möglichkeiten hinaus“, sagte die Mutter. Sie selbst ist Rettungssanitäterin und zurzeit krankgeschrieben, da sie erschöpft, nervlich am Ende ist. Vater René wurde von der Arbeit freigestellt. „Wir sind froh, dass wir von seinem Arbeitgeber der SPL Döbeln solch eine Unterstützung erhalten und sind sehr dankbar dafür“, sagte Doreen Zschoche.

Jeder Tag ist eine Herausforderung

Den Eltern ist es wichtig, dass sie ihren kleinen Floh jeden Tag im Uniklinikum besuchen, ihm Mut machen. „Zuerst sind wir täglich von Hartha nach Leipzig gefahren. Eine Woche ich, die andere der Vater“, so Doreen Zschoche.

Das Spritgeld dafür habe die Haushaltskasse der fünfköpfigen Familie ganz schön belastet.

„Weil wir im Dezember nicht mehr weiterwussten, uns keine Behörde weiterhelfen wollte oder konnte, hat mein Lebenspartner eine Fundraising-Aktion für unsere Familie ins Leben gerufen. Zuerst ist es mir schwergefallen, andere Leute um Geld zu bitten. Doch wir hatten einfach keine Alternative“, so Doreen Zschoche.

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Dann sind die Eltern von Lio von der Resonanz überwältigt gewesen. Innerhalb von nicht einmal 24 Stunden seien 7.000 Euro zusammengekommen. Teilweise seien die Spender bekannt gewesen, aber viele kennen wir nicht. „Es ist schon erstaunlich, dass uns fremde Leute so unterstützen. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagte die Harthaerin. Es sind immerhin schon mehr als 330 Spender.

Spendenaktion initiiert

Doch wegen der nun neuen Herausforderungen benötigt die Familie mehr Geld, als zuvor angenommen. „Wir sprechen da von etwa 25.000 Euro“, sagte Doreen Zschoche. „Jede noch so kleine Spende hilft.“

Die Familie habe sich vorgenommen, nur so viel Geld von den Spenden zu verwenden, wie notwendig ist. Bleibt unterm Strich noch etwas übrig, soll das Geld an das Kinderhospiz Bärenherz in Leipzig und die MDS-Forschung weitergereicht werden.

Die Familie ist Kummer gewohnt. Erst erkrankte der jetzt neunjährige Sohn mit elf Monaten an einem Kawasaki-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine Herzkrankheit. „Schon damals haben wir gedacht, dass wir an einem Tiefpunkt sind. Dass es noch schlimmer geht, erleben wir nun. Wir kämpfen das zweite Mal um das Leben eines unserer Kinder und das zwingt uns manchmal in die Knie“, sagte Doreen Zschoche. Gut sei es, dass die Eltern, Bekannte und Freunde hinter ihnen stehen würden.

Die beiden anderen Kinder hätten zwar viel Verständnis für die Einschränkungen, die Lios Krankheit mit sich bringt, doch die Eltern wollen nicht, dass sie sich vernachlässigt fühlen.

Seit Lio im Leipziger Uniklinikum liegt, dürfen die beiden „Großen“ nicht in die Schule gehen. „Es ist einfach zu gefährlich. Sie könnten dort neben Corona auch andere Keime auflesen, die dann Lio gefährden können“, erklärte die Mutter.