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Kokosmatten für Wagen Nummer 1

Die Mitglieder des Traditionsvereins lieben Originalität. Nicht nur deshalb wollen sie sich vom alten Teppichbelag trennen.

Geht es nach den Vorstellungen der Mitglieder des Traditionsvereins Döbelner Pferdebahn, soll der 13 Jahre alte Teppichboden gegen einen neuen Belag aus Kokos ausgetauscht werden. Vereinsvorsitzender Jörg Lippert zeigt, dass das dringend notwendig ist.
Geht es nach den Vorstellungen der Mitglieder des Traditionsvereins Döbelner Pferdebahn, soll der 13 Jahre alte Teppichboden gegen einen neuen Belag aus Kokos ausgetauscht werden. Vereinsvorsitzender Jörg Lippert zeigt, dass das dringend notwendig ist. © Dietmar Thomas

Döbeln. Es ist nicht nur in der guten Stube so. Ist der alte Teppichboden abgenutzt, muss er ersetzt werden. Auch im über einhundert Jahre alten Wagen Nr. 1 der Döbelner Pferdebahn liegt ein Teppich, um den Holzfußboden zu schützen.

Der wurde im Jahr 2007 ausgewechselt. „Um diesen zu schonen, haben wir damals sowohl im Wagen als auch auf den beiden Plattformen Auslegware verlegt. Nachdem jährlich fast 2.000 Fahrgäste mit der Bahn befördert wurden, ist der Belag nun einfach hinüber. Er passt nicht mehr ins Bild“, sagte der Vorsitzende des Traditionsvereins Döbelner Pferdebahn Jörg Lippert. Als Sachverständiger für Oldtimer geht es ihm nicht nur darum, dass der textile Belag gegen einen neuen ausgetauscht wird, sondern es soll wieder ein Stück mehr Originalität geschaffen werden.

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Aus der Sicht von Lippert ist es deshalb sinnvoll, dass der Wagen mit Kokosmatten ausgelegt wird, so wie früher. „Die Fasern sind extrem robust. Deshalb werden die Matten aus Kokos immer dort verlegt, wo viel Publikumsverkehr ist. Die Kokosfasern halten sowohl Regenwasser als auch Dreck stand. Sie haben eine lange Haltbarkeit“, sagte Lippert.

5.000 Euro weniger eingenommen

Er habe die einzige Kokosweberei in Sachsen besucht und sich davon überzeugt, dass es für den Belag im Wagen Nr. 1 nur eine Lösung geben kann. Die Kokosweberei Hilger befindet sich in Olbersdorf in der Oberlausitz.

„Damit entsprechen wir zwei unserer Forderungen: Die Kokosmatten gehören zum Original und sie sind regional sächsisch hergestellt“, sagte der Vereinsvorsitzende. Die rötlich eingefärbten Matten, die nahezu der Originalfarbe entsprechen, müssten für den Wagen hergestellt werden, denn er hat spezielle Maße und wird eingesäumt. Dem Verein liegt ein Angebot der sächsischen Firma in Höhe von 700 Euro vor. „Das ist für uns eine Menge Geld. Denn wir haben wegen der coronabedingt ausgefallenen Fahrten weniger Einnahmen als in den vergangenen Jahren“, so Lippert. Das Geld, mindestens 5.000 Euro, haben wir verloren“, so der Vereinsvorsitzende im Oktober gegenüber Sächsische.de.

Einen Ausgleich für Vereine gibt es vom Staat nicht, auch wenn diese Immobilien unterhalten. „Wir haben laufende Kosten unter anderem für Strom, Gas und Wasser. Außerdem müssen die Kreditraten gezahlt werden, die für die Sanierung des Pferdebahnmuseums fällig werden. Der Ausfall der Einnahmen trifft uns hart“, sagte Lippert. Den Kopf in den Sand stecken wollen er und die Vereinsmitglieder nicht.

Straßenbahnwagen aus dem Jahr 1894

Es soll auch keine Zwischenlösung in Bezug auf den neuen Belag des Wagens geben. Wenn, dann soll es gleich richtig gemacht werden. Deshalb würde sich der Vereinsvorsitzende freuen, wenn sich für das Projekt ein oder mehrere Sponsoren finden.

„Bei unserem Wagen Nr. 1 handelt es sich um einen restaurierten originalen Straßenbahnwagen aus dem Jahr 1894. „Die Erhaltung dieses einmaligen technischen Denkmals liegt unserem Verein sehr am Herzen“, so Jörg Lippert.

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Mit Nichts als einer Idee setzten sich am 11. Januar 2002 engagierte Döbelner Freunde der Pferdebahn an einen Tisch und beschlossen: Die Bahn soll wieder fahren. Aber die Vereinsmitglieder hatten weder Geld, noch Wagen oder Gleise, kein Pferd und keinen Kutscher. Nur fünf Jahre später ist aus der Idee Realität geworden. Am 9. Juli 2007 wurde die Wiedereröffnung der Pferdebahn gefeiert.

Unterstützer finden den Kontakt unter: www.doebelner-pferdebahn.de

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