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Wo Frauen jetzt noch entbinden können

Seit 1974 sind die meisten der Kinder im Altkreis Döbeln in Leisnig geboren worden. Jetzt hat die Station geschlossen. Und nun? Das fragen sich werdende Eltern.​

Nach 46 Jahren hat die Geburtsstation im Leisniger Krankenhaus geschlossen. Werdende Eltern können sich jetzt für eine der Kliniken im Umkreis oder auch die Entbindung in einem Geburtenhaus entscheiden. Ein solches gibt es in Freiberg.
Nach 46 Jahren hat die Geburtsstation im Leisniger Krankenhaus geschlossen. Werdende Eltern können sich jetzt für eine der Kliniken im Umkreis oder auch die Entbindung in einem Geburtenhaus entscheiden. Ein solches gibt es in Freiberg. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Wer in den nächsten Wochen ein Kind erwartet, der hat sich meist schon lange vorher damit beschäftigt, wo und wie es zur Welt kommen soll. Doch für einige dieser werdenden Eltern haben sich ihre Pläne mit der Nachricht der Helios-Klinik in Leisnig, die Geburtenstation mangels Fachpersonals nicht wieder zu öffnen, zerschlagen.

Auch Katja Eck musste erst einmal schlucken, als sie von der Schließung gehört hat. „Für den Raum Döbeln ist das katastrophal“, schätzt die Döbelner Hebamme ein, die zugleich Vorsitzende des Kreisverbandes Mittelsachsen des Sächsischen Hebammenverbandes ist. Die nächsten Geburtskliniken seien doch ein Stück weg und für werdende Mütter sei es zum Beispiel mehr als anstrengend, mit Wehen viele Kilometer bis zur nächsten Klinik gefahren zu werden.

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Die Entscheidung von Helios ist für Katja Eck ein Spiegelbild der deutschen Gesundheitspolitik. Für sie setzt sich die Tendenz fort, das zu schließen, was sich nicht rechnet. Das seien ihrer Einschätzung nach vor allem die kleinen Geburtskliniken im ländlichen Bereich.

Dabei erinnert sie an das Krankenhaus in Oschatz. Die dortige Colm-Klinik hat ihre Geburtshilfe 2015 geschlossen und dafür genauso wie Leisnig einen Mangel an Fachpersonal angegeben. Bis dahin sind auch in Oschatz einige Mädchen und Jungen aus dem Raum Döbeln zur Welt gekommen.

Nachdem Leisnig als Geburtsklinik wegfällt, gibt es noch einige andere Standorte zum Entbinden. Doch diese sind einige Kilometer weit weg.
Nachdem Leisnig als Geburtsklinik wegfällt, gibt es noch einige andere Standorte zum Entbinden. Doch diese sind einige Kilometer weit weg. © SZ Grafik

In welchen Kliniken der Region Nachwuchs weiterhin willkommen ist, hat Sächsische.de einmal zusammengetragen, wobei kein Anspruch auf Vollständigkeit besteht:

In Grimma

In den Muldentalkliniken in Grimma gibt es einen der wenigen sogenannten hebammengeführten Kreißsäle in Sachsen und darüber hinaus. Dort organisieren zehn freiberufliche Hebammen in Zusammenarbeit mit an der Klinik angestellten Ärzten und Pflegepersonal den Betrieb.

Im vergangenen Jahr haben bereits Frauen aus der Region Döbeln in Grimma entbunden. „Vereinzelt erreichten uns in den vergangenen Tagen auch schon Geburtsanmeldungen aus Leisnig“, so Kliniksprecherin Beatrix Hundt.

In Grimma werden im Jahresschnitt etwa 200 Kinder geboren. Die Kapazität für weitere Entbindungen ist Beatrix Hundt zufolge vorhanden: „Wir verfügen in beiden Häusern über ein großes Team an geburtshilflichem Fachpersonal.“

Auch das Krankenhaus in Wurzen gehört zu den Muldentalkliniken.

Entfernung: 41 km* (32 Minuten)** Kontakt: Tel. 03437 93784402

In Freiberg

Im Kreiskrankenhaus in Freiberg sind im vergangenen Jahr 674 Mädchen und Jungen – davon 14 Zwillingspärchen – zur Welt gekommen, darunter auch einige aus der Region Döbeln. In Zukunft dürfen es gern mehr werden. „Die Kapazität dafür haben wir“, versichert Marketingbeauftragte Ulrike Träger. Personell sei das abgesichert.

Sicher dürften sich auch die Eltern fühlen. Sollte es Komplikationen geben, seien Fachärzte in der angeschlossenen Kinderklinik rund um die Uhr für die Neugeborenen da.

Entfernung: 35 km* (35 Minuten) ** Kontakt: Tel. 03731 772641

Das Kreiskrankenhaus Freiberg ist eine weitere Möglichkeit zur Entbindung in Mittelsachsen.
Das Kreiskrankenhaus Freiberg ist eine weitere Möglichkeit zur Entbindung in Mittelsachsen. © Krankenhaus Freiberg

In Meißen

Meißen können Kinder in den Elblandkliniken zur Welt kommen. Es gibt zur Geburtsklinik auch eine Kinderklinik, sodass bei möglichen Komplikationen schnell Fachärzte zur Stelle sind. „Weiter Patientinnen können aufgenommen werden“, sagte Sylvia Dirschel von der Unternehmensorganisation und -kommunikation der Elblandkliniken.

Entfernung: 40 km* (39 Minuten)** Kontakt: Tel. 03521 7432623

In Mittweida

Das Team der Geburtshilfe des vom Landkreis betriebenen Krankenhauses in Mittweida hat bereits gespürt, dass in Leisnig keine Kinder mehr geboren werden können. Laut Sprecherin Ines Schreiber seien schon Mütter aus dem Raum Leisnig zur Entbindung in Mittweida gewesen, weitere Anfragen seien eingegangen.

Das darf gern so weitergehen, versichert Geschäftsführer Florian Claus. „Wir sehen uns da schon in der Verantwortung und wollen ,Medizin für Mittelsachsen‘ nicht nur als Slogan führen, sondern auch tatsächlich praktizieren.“

Werdende Eltern finden in Mittweida drei Kreißsäle vor, eine Kinderklinik mit perinatalem Schwerpunkt ist angeschlossen. Die Mittweidaer Geburtshelfer kooperieren mit der Klinik in Chemnitz. Dorthin gelangen die Neugeborenen mit einem speziellen Fahrzeug – einem Babyintensivtransportwagen. Rund 500 Kinder sind 2020 in Mittweida zur Welt gekommen.

Entfernung: 26 km* ( 30 Minuten)** Kontakt: Tel. 03727 991121

In Riesa

Die Elblandkliniken sind ebenfalls Betreiber des Krankenhauses in Riesa. Auch dort gibt es neben der Geburtenstation eine Kinderklinik, in der laut Kliniksprecherin Sylvia Dirschel Kapazität besteht, Familien aus dem Raum Döbeln bei der Geburt zu begleiten.

Entfernung: 30 km* (34 Minuten)** Kontakt: Tel. 03525 753710

In Schkeuditz

Seit 4. Januar arbeiten die Helios-Kliniken Leisnig und Schkeuditz als „Netzwerk Geburtshilfe“ zusammen, eine Kooperation besteht nach Angaben von Marketingchef Stefan Möslein aber schon länger. Helios in Leisnig bietet werdenden Müttern an, dass diese in Schkeuditz entbinden. Mit einem wahrscheinlich ab Ende Januar eingerichteten „Storchentaxi“ werden sie von daheim nach Schkeuditz und wieder nach Hause chauffiert.

In Schkeuditz gibt es drei, erst 2018 renovierte Kreißsäle, wo bislang im Jahr zwischen 500 und 600 Kinder zur Welt gekommen sind. Auch eine Intensivschwangerenberatung wird Möslein zufolge angeboten. „Die ist besonders bei immer häufiger auftretendem Schwangerschaftsdiabetes wichtig“, so der Kliniksprecher.

Entfernung: 83 km* (57 Minuten)** Kontakt: Tel. 034204 808560

In Wurzen

Das Krankenhaus in Wurzen gehört zu den Muldentalklinken. Die geburtshilfliche Abteilung ist eine mit perinatalem Schwerpunkt. „Wir verfügen hier über die Kompetenz und die Erfahrung der Betreuung von Risikoschwangerschaften und kranken Neugeborenen“, so Sprecherin Beatrix Hundt. Ständig sei ein Kinderarzt beziehungsweise Neonatologe (Neugeborenen-Spezialist) vor Ort.

Entfernung: 53 km* (44 Minuten)** Kontakt: Tel. 03437 93783402

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