merken
PLUS Döbeln

Werden Waschbären zur Plage?

Die Tiere breiten sich in Roßwein offenbar immer mehr aus. Jetzt wollen die Tierschützer handeln.

Waschbären breiten sich in Roßwein immer mehr aus. Einer Anwohnerin der Bahndammstraße gelang dieser Schnappschuss. In der Nähe des Bahndamms hatten es sich die possierlichen Tiere auf einem Baum gemütlich gemacht.
Waschbären breiten sich in Roßwein immer mehr aus. Einer Anwohnerin der Bahndammstraße gelang dieser Schnappschuss. In der Nähe des Bahndamms hatten es sich die possierlichen Tiere auf einem Baum gemütlich gemacht. © privat

Roßwein. In diesem Jahr ist es besonders schlimm. Das sagt Michaela Filla von der Roßweiner Katzeninitiative. Sie kann den Waschbären mittlerweile nichts Gutes mehr abgewinnen.

„Die Tiere verwüsten unsere Katzenunterkünfte. Eine davon mussten wir schon komplett schließen“, sagt die Roßweinerin. Michaela Filla kümmert sich mit einigen anderen Tierfreunden um die streunenden Katzen in der Stadt.

Anzeige
Kompakt, regional und sicher
Kompakt, regional und sicher

Die Fachmesse "all about automation" findet am 23. und 24. September 2020 in Chemnitz statt - mit einem umfassenden Hygienekonzept.

Dafür gibt es mehrere Futterstellen. „Die am Silo ist zuletzt von den Waschbären derart in Beschlag genommen und verwüstet worden, dass wir das Domizil verschließen mussten“, sagt Michaela Filla.

Immer wieder müssen sie und ihre Mitstreiter zudem feststellen, dass die von ihnen betreuten Katzen Bisswunden haben. Katzen untereinander würden sich schon auch hin und wieder bekämpfen. Derartige Wunden würden sie sich aber nicht zufügen, ist sich Michaela Filla sicher.

Mehr Aufwand für Tierschützer

Inzwischen hätten sich die Waschbären zu einer regelrechten Plage entwickelt. „Die Versorgung der Streuner kostet uns deshalb wesentlich mehr Zeit“, sagt sie. Um nicht noch mehr Waschbären anzulocken, würden die Tierschützer das Futter mittlerweile abends wegräumen, wenn die Katzen gefressen haben. „Eine Helferin ist von einem Waschbären schon angefaucht worden. Da kann einem schon Angst werden“, so die Tierschützerin.

Ein weiteres Problem sei, dass es immer schwieriger werde, die Streunerkatzen zum Kastrieren einzufangen. Das machen die Mitglieder der Katzeninitiative hin und wieder, um die unkontrollierte Ausbreitung der Streunerkatzen einzudämmen.

Aufgefallen ist Michaela Filla auch, dass unter ihren Streunerkatzen mehrere trächtig waren, sie aber bislang nur zwei Welpen zu Gesicht bekommen haben. „Die Katzenkinder haben sich die Waschbären geholt“, ist sich Michaela Filla sicher.

Roßweiner, die am Waldrand wohnen, hätten ihr erzählt, dass die Waschbären sogar nachts durchs Fenster ins Haus geklettert seien. Auch an der Bahndammstraße sollen Waschbären schon über den Balkon im Parterre in eine Wohnung eingedrungen sein. Auf einem Grundstück im Wohngebiet Wanne haben die Tiere den Garten verwüstet.

Bedrohung für einheimische Tiere

„Tierschutz hin und her, die Waschbären sind eine invasive Art, die unsere einheimische Tierwelt bedroht“, sagt Michaela Filla. Auch der Vogelwelt würden die Tiere arg zusetzen, etwa die Gelege ausräumen. „Da müssen wir uns nicht wundern, wenn es immer weniger Vögel werden.“

Laut Sächsischem Jagdgesetz dürfen Waschbären ganzjährig gefangen werden – auf umfriedeten Grundstücken auch von Privatpersonen, die keine Jäger sind. Lediglich von April bis Juni stehen die Elterntiere unter Schutz.

Getötet werden dürfen die Waschbären aber nur von Personen, die über einen entsprechenden Nachweis verfügen. Das sind in der Regel Jäger oder Tierärzte. Lebend gefangene Waschbären an anderer Stelle auszusetzen, ist verboten.

Michaela Filla hofft, dass sie Unterstützung durch den zuständigen Jäger bekommt. Sie will in den nächsten Tagen den Kontakt suchen. „Wir werden damit beginnen, Fallen aufzustellen, um die Waschbären einzufangen“, sagte sie.

Streunerkatzen sollen sozialisiert werden

Gleichzeitig arbeiten die Mitglieder der Katzeninitiative derzeit daran, jüngere Streunerkatzen einzufangen, um sie zu sozialisieren. Dann könnten sie später vermittelt werden. Dieses Vorhaben erfordere aber viel Zeit und Geduld. „Je jünger die Katzen sind, umso größer sind die Aussichten auf Erfolg“, sagt Michaela Filla. Es sei aber auch schon gelungen, ältere Katzen gut zu integrieren.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln