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Hightech in Mockritz

Das Institut für Konstruktion und Verbundbauweisen zieht ins Mockritzer Gewerbegebiet. Doch zuvor gibt es noch viel Arbeit.

KVB-Geschäftsführer Markus Mütsch steht in einer der Produktionshallen am neuen Standort im Mockritzer Gewerbegebiet. Zurzeit sind am Gebäude noch einige Sanierungsmaßnahmen notwendig.
KVB-Geschäftsführer Markus Mütsch steht in einer der Produktionshallen am neuen Standort im Mockritzer Gewerbegebiet. Zurzeit sind am Gebäude noch einige Sanierungsmaßnahmen notwendig. © Dietmar Thomas

Mockritz. Es passiert etwas am und im Gebäude von ehemals Takata, später Joyson Systems im Mockritzer Gewerbegebiet. Das Forschungsinstitut KVB will im nächsten Jahr einziehen. KVB steht für Institut für Konstruktion und Verbundbauweisen. Zurzeit hat die gemeinnützige GmbH ihr Domizil im Gebäude von Cotesa im Döbelner Gewerbegebiet Am Fuchsloch.

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Weil die Firma wachsen will und dafür mehr Platz benötigt, hat der Gesellschafter des KVB das Gebäude im Mockritzer Gewerbegebiet gekauft und lässt es jetzt für die Zwecke des Unternehmens sanieren und optimieren – ein Technologiepark soll entstehen. Das künftige Domizil von KVB bietet dreimal so viel Platz wie der bisherige Standort.

Doch bis zum Einzug gibt es noch eine Menge Arbeit. Das Gebäude, das Mitte der 1990-er Jahre gebaut wurde, muss zum Teil saniert und die Räume den Erfordernissen von KVB angepasst werden. „Das Dach ist dicht, aber wir mussten die Dämmung darunter komplett herausnehmen. Sie war teilweise verfault“, so KVB-Geschäftsführer Markus Mütsch.

Grün sorgt für gutes Raumklima

Im Obergeschoss und im Erdgeschoss, in dem Bereich, in dem sich früher Labore befanden, entstehen Büroräume. Auch hier sind Trockenbauarbeiten notwendig. Außerdem wird ein zweiter Fluchtweg angebaut.

Ums Haus entstehen zurzeit Fundamente für Elemente, an denen Kletterpflanzen emporwachsen sollen. „Die grünen Wände sorgen dafür, dass sich die Fassade nicht so sehr aufheizt. Sie sind eine optische Aufwertung und sorgen für ein gutes Raumklima. „Auch hier gehen wir innovative Wege“ so Mütsch. Am Um- und Ausbau sind regionale Firmen, die ihren Sitz zwischen Dresden und Leipzig haben, beteiligt.

Nachdem das Bauanzeigeverfahren problemlos die Ämter passiert hatte, konnte mit den Arbeiten im Juli begonnen werden. „Allerdings werden wir unser Ziel, Ende des Jahres umzuziehen und im Januar 2022 mit der Produktion zu beginnen, nicht erreichen. Dafür gibt es viele Gründe. Dazu gehören bisher nicht entdeckte Mängel, unterbrochene Lieferketten für Material und das große Auftragsvolumen der einzelnen Handwerksbetriebe“, so Mütsch.

Geschäftsführer Markus Mütsch öffnet das Tor des neuen Firmensitzes von KVB im Mockritzer Gewerbegebiet.
Geschäftsführer Markus Mütsch öffnet das Tor des neuen Firmensitzes von KVB im Mockritzer Gewerbegebiet. © Dietmar Thomas

Umzug Anfang 2022 geplant

Er ist trotz der Verzögerungen zuversichtlich, dass KVB im ersten Quartal des nächsten Jahres seinen Sitz im Mockritzer Gewerbegebiet hat.

Der Gesellschafter investiert etwa ein bis zwei Millionen Euro in das Projekt. Allerdings ist das Geld nicht nur für den Umbau, sondern auch für die Erweiterung des Maschinenparks gedacht. Zurzeit arbeiten beim KVB 20 Mitarbeiter, die meisten sind Ingenieure.

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Das Institut für Konstruktion und Verbundbauwesen will nicht nur in der Fläche, sondern auch personell wachsen, mehr Ingenieure einstellen. Wichtig ist dem Geschäftsführer, dass die neuen Mitarbeiter zunehmend aus dem Umland kommen, da diese sich mit der Region verbunden fühlen und hoffentlich auch bleiben werden. „Zurzeit suchen wir einen neuen Werkstattleiter, aber das muss passen“, so Mütsch.

Fachleute aus der Region gesucht

Um neue Fachleute für das KVB auszubilden, gibt es eine Zusammenarbeit mit der Berufsakademie Riesa. Hier können die künftigen Ingenieure die Grundlagen und beim KVB die Praxis lernen. Diese Zusammenarbeit will das Institut weiter ausbauen. Und da hat es einiges zu bieten. Denn es wird vorwiegend geforscht und entwickelt.

„Wenn ein Teil in Serie produziert wird, ist das Spannendste für die Ingenieure vorbei. Wir bieten dagegen viele Technologien und einen großen Bastelkeller an“, sagte Mütsch. Es werden Bauteile für verschiedene Branchen entwickelt. Den Schwerpunkt bildet der Maschinenbau. Es wird aber auch für die Luftfahrt, die Schifffahrt oder an der Weiterentwicklung von Sportgeräten geforscht. „Was wir zu bieten haben, ist für junge Leute hochinteressant“, so der Geschäftsführer.

Gearbeitet wird vorrangig mit Glas- und Kohlefaserverbundwerkstoffen. Diese werden für die Herstellung von Bauteilen für Maschinen, Rohre, Ringe oder für Gehäuse von Pumpen und Motoren verwendet.

Entwicklung von Wasserstoffdruckbehältern

„Eines unserer neueren Themen ist die Forschung und Entwicklung von Wasserstoffdruckbehältern. Wasserstoff ist das große Zukunftsthema und wir entwickeln Leichtbaubehälter, in denen er gelagert werden kann“, sagt Markus Mütsch.

Das KVB arbeitet an verschiedenen Forschungsprojekten. Dazu gehört auch, wie die leichten, sehr harten und fast unzerstörbaren Verbundwerkstoffe recycelt werden können.

Die Forschungsaufträge stammen entweder von staatlichen Stellen oder aus der Wirtschaft. Der Partner aus der Industrie kommt zu KVB, weil er ein Problem mit seinem Produkt hat beziehungsweise unzufrieden damit ist. Dann ist das ein Entwicklungsprojekt, welches vom Auftraggeber bezahlt wird oder es kann ein gemeinsames Forschungsprojekt über zwei bis drei Jahre werden, welches von einem anerkannten Forschungsträger und damit von der öffentlichen Hand finanziert wird.

„Oft finden wir eine Lösung oder es war eben nur Forschung“, sagte der Geschäftsführer. Seine Kunden findet er auf Messen, in verschiedenen Verbänden oder im Internet.

Leichtbau aus Faserverbundwerkstoffen weiter pushen

Die KVB gGmbH ist erst seit 2015 in Döbeln. 2017 wurde aus der KVB gGmbH die LiCoMo GmbH quasi als Start-up ausgegründet. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern will Mütsch das Thema Leichtbau aus Faserverbundwerkstoffen in der Region weiter pushen.

Was in Mochau beziehungsweise künftig in Mockritz hergestellt wird, sei absolutes Hightech. Zielstellung ist es, Bauteile serienreif zu entwickeln, welche dann in der LiCoMo GmbH, deren Geschäftsführer ebenfalls Markus Mütsch ist, herzustellen und zu vermarkten. „Da haben wir aber noch Luft nach oben.“

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