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Bahnbau mit Verspätung in Dresden

Der Schienenersatzverkehr am S-Bahn-Punkt Plauen sollte sich eigentlich längst erledigt haben. Doch er bleibt noch länger. Eine Belastung für die Anwohner.

Hier am Schwerterhaus nahe der Würzburger Straße ist noch das alte Gleis zu sehen, daneben entsteht ein provisorisches.
Hier am Schwerterhaus nahe der Würzburger Straße ist noch das alte Gleis zu sehen, daneben entsteht ein provisorisches. © PR/DB AG/Ralf Richter

Dresden. Eigentlich sollten schon längst wieder durchgängig Züge fahren zwischen dem Dresdner Hauptbahnhof und Freital-Potschappel. Ein neues Bahngleis sollte fertig sein, der Schienenersatzverkehr nicht mehr nötig und die Bauarbeiten auf dem rund 1,5 Kilometer langen Stück Bahnstrecke parallel zur Weißeritz in Plauen genau nach Plan vorangehen. Doch daraus wurde nichts. Wer dort als S-Bahn-Kunde oder auf einer Regionalbahnstrecke Richtung Westen unterwegs ist, muss mit Behinderungen rechnen. Immer wieder müssen Busse die Züge ersetzen - und das noch mehr als zwei Monate lang.

Schienenersatzverkehr muss länger fahren

Am 2. Mai war das Ende des Provisoriums mit dem Schienenersatzverkehr geplant. Projektleiter Ralf Richter von der Bahn-Tochter DB Netz ist die Zeitverschiebung unangenehm. "Wir wussten, dass Fels ansteht", erklärt er die Verzögerung, die zustande gekommen ist, weil große Metallwände nicht so zügig wie geplant in den Boden gerammt werden konnten. Die Baufirma musste das schließlich ganz aufgeben, jetzt werden mächtige Doppel-T-Träger in vorgebohrte Erdlöcher gesetzt, dann die Löcher geschlossen und zwischen den Trägern stabile Kanthölzer eingesetzt. Die Arbeiten sind nötig für eine Gleistrasse, die gebaut werden muss, damit die alten Schienen entfernt werden können, der Zugverkehr aber trotzdem rollt.

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Das ist Teil eines Mammutprojekts, das rund 32 Millionen Euro kostet und Ende 2022 erledigt sein soll. "Wir sind zwei Monate in Verzug, haben aber einen Puffer im Zeitplan und wollen das wieder aufholen", sagt Richter. Die pünktliche Fertigstellung sei nicht in Gefahr.

Neben der alten Trasse auf der rechten Seite ist die in den Boden eingerammte Stützwand zu sehen, die zu viel Zeit gekostet hat.
Neben der alten Trasse auf der rechten Seite ist die in den Boden eingerammte Stützwand zu sehen, die zu viel Zeit gekostet hat. © PR/DB AG/Jörn Daberkow

Drei neue Brücken und ein neuer Haltepunkt

Im Mittelpunkt der Arbeiten stehen drei Brücken und der Haltepunkt Plauen an der Bienertmühle. Die Brücken führen über die Würzburger Straße, die Bienertstraße und direkt am Haltepunkt Plauen über die Straße Altplauen. Bevor sie erneuert werden können, müssen Hilfsbrücken eingesetzt werden, doch so weit ist es noch nicht. Im Moment laufen dafür die Vorbereitungen.

Parallel dazu werden die Schienen zehn Meter in Richtung Weißeritz verschoben. Sie verlaufen zu dicht an der ehemaligen Brotfabrik, die an die Straße "Altplauen" und den Bahndamm grenzt. Damit das klappt, die Züge aber fahren können, wird jederzeit ein funktionsfähiges Gleis gebraucht.

Und für eben dieses Gleis entsteht zurzeit ein extra Bahndamm, der mit in der Erde versenkten Wänden gesichert werden muss. "Wir hatten sehr große Probleme mit dem Baugrund, der Fels ist sehr fest", erklärt Richter. Die Bauweise der Wände musste deshalb geändert werden, alles andere hätte zu noch mehr Bauverzug geführt.

Der Haltepunkt Plauen soll künftig freundlicher werden, einen Lift bekommen und dann dem Bahn-Standard entsprechen, wie ihn die Dresdner zum Beispiel vom Haltepunkt Strehlen kennen.

Belastung für die Anwohner

Für die Anwohner, die etwa an der Zwickauer Straße wohnen, sind die Bauarbeiten eine Extrabelastung, vor allem in der Pandemie-Zeit mit Homeoffice und Homeschooling, weiß der Projektleiter. "Die Rottenwarnanlage macht größten Lärm", räumt er ein. Diese Anlage warnt die Arbeiter mit lauten Huptönen, wenn ein Zug kommt. "Der Bau funktioniert nicht mit einer durchgehend festen Absperrung", bedauert Richter.

Zusätzlichen Lärm machen Bagger und Rammgeräte. "Wenn ich einen Verbau einramme ist das mit einer gewissen Grundlast an Lärm verbunden", erklärt der Projektleiter in bestem Bauplaner-Deutsch. Deshalb würden möglichst lärmarme Maschinen eingesetzt.

Vorerst hat die Bahn einen neuen Fahrplan aufgelegt. Darin steht, dass die Züge unter anderem am jetzt kommenden und dem letzten Mai-Wochenende durch Busse ersetzt werden. Zu den weiteren Zeiten, zu denen nur Busse fahren, gehören fast komplett die ersten drei Juni-Wochen und die ersten zwei Wochen im Juli. Danach soll das Interimsgleis fertig sein.

Die Bauarbeiten nehmen erst dann so richtig Fahrt auf, denn dann können Behelfsbrücken eingesetzt und die geplanten Gleisverschiebungen umgesetzt werden. Wichtig dabei für die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB): Die Brücke in Altplauen wird so vorbereitet, dass darunter künftig auch Straßenbahnen durchfahren könnten. Sie bleibt so hoch, wie sie jetzt ist. Das soll genug sein für die Dresdner Straßenbahnen. Die DVB haben Pläne in der Schublade für einen neuen Endpunkt in Plauen zwischen dem Haltepunkt und der Weißeritz. Der S-Bahn-Haltepunkt würde damit dann ein Umstiegsplatz mit Straßenbahnanschluss. So, wie es viele andere Haltepunkte schon sind - zum Beispiel in der Neustadt, in Strehlen und in Dobritz.

Anwohner oder andere Betroffene können sich mit Fragen zu den Bauarbeiten an die Mailadresse [email protected] wenden.

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