merken
PLUS Dresden

Dresden: Auch Müllgebühren sollen steigen

Die Stadt will die Dresdner mit der Preisschraube disziplinieren. Wer seinen Abfall falsch entsorgt, muss künftig draufzahlen.

Die Abfallentsorgung wird teurer, auch um die Dresdner zu disziplinieren.
Die Abfallentsorgung wird teurer, auch um die Dresdner zu disziplinieren. © Christian Juppe

Dresden. Es ist der Spätsommer der Gebührensteigerungen in Dresden. Nach dem Parken und dem Abwasser soll nun auch die Abfallentsorgung teurer werden.

Das kündigte Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) jetzt an. Wer allerdings gut sortiert und Müll vermeidet, kann sogar Geld sparen. 

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Wie ist die Abfall-Situation in Dresden?

Jeder Dresdner produziert im Durchschnitt 136 Kilo Abfall im Jahr. Der bundesweite Durchschnitt sei höher, sagt Thomas Kügler, Abteilungsleiter im Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft.

Auch die Trennung des Mülls nach Glas, Bio, Verpackungen, Papier, Schadstoffen und Restmüll funktioniere weitestgehend.

In Dresden gibt es derzeit rund 55.000 sogenannte Anschlussobjekte vom Eigenheim bis zur Plattenbau-Siedlung. Es sind etwa 100.000 Rest- und Bioabfallbehälter im Umlauf, dazu 37.000 Blaue Tonnen für Papier. Insgesamt fallen pro Jahr rund 170.000 Tonnen Müll und Wertstoffe in Dresden an.

Um diese zu entsorgen, werden die Tonnen für Rest- und Bioabfall jährlich insgesamt 2,8 Millionen Mal geleert, das Schadstoffmobil tourt zwei Mal im Jahr durch die Stadt, es werden etwa 5.000 Mal Sperrmüll und Elektrogeräte abgeholt und dazu acht Wertstoffhöfe betrieben.

Wo gibt es Probleme bei der Entsorgung?

Bei der Müll-Trennung stehe Dresden im Bundesvergleich ganz gut da, sagt Kügler. "Aber es gibt noch Reserven." Denn Dresdens Restmüll bestehe nur zu gut zehn Prozent aus tatsächlichem Restabfall. Ein Drittel des Mülls, der in der schwarzen Tonne landet, bestehe aus Bio- und Grünabfällen, die eigentlich in die Biotonne gehören, gut 18 Prozent seien Kunst- und Verbundstoffe, die in die gelbe Tonne sollen, gut neun Prozent machen Papier und Pappe aus, die für die die Blaue Tonne vorgesehen sind. Dazu kommt noch Glas, Metalle, Bauschutt und Problemabfall, die ebenfalls sortiert werden müssten. 

Da die Entsorgung des Restmülls besonders teuer ist und unnötig hohe Mengen anfallen, müssen nun die Preise erhöht werden, so Kügler. Denn die Abfallwirtschaft der Stadt müsse kostendeckend arbeiten.

Dazu kommt, dass durch die dichtere Bebauung, vor allem in der Innenstadt, Platz für Abfallbehälter fehle. Auch illegale Sperrmüllentsorgung, der Rückzug der privaten Altpapiersammler und die vielen Tonnen, beispielsweise an Pflegeheimen, bedeuten mehr Aufwand und Kosten. Wird anderer Müll in Biotonnen geschmissen, müssen diese als Restmüll gesondert abgeholt und damit teurer entsorgt werden. 

Wie viel Geld fehlt und weshalb?

Die Kosten der Abholung sind sogar günstiger geworden, weil die Stadtreinigung wieder komplett städtisch ist und die privaten Anteile zurückgekauft wurden. Das spart im Jahr rund 2,2 Millionen Euro, weil keine Gewinnanteile mehr ausgeschüttet werden müssen. Demgegenüber sind aber die Kosten der Entsorgung um 5,2 Millionen Euro im Jahr gestiegen. 

Die Sammlung des Altpapiers ist ebenfalls günstiger geworden, um etwa 100.000 Euro. Dafür sind aber die Erlöse für das Papier um 900.000 Euro zurückgegangen. "Es gab einen richtigen Preisverfall beim Altpapier", sagt Ida Kremer, Finanz-Chefin des Abfallamtes. 2018 gab es noch 114 Euro pro Tonne, in diesem Jahr liegt der Preis durchschnittlich bei gut 30 Euro, der Tiefpunkt war im März mit 13,84 Euro pro Tonne. Insgesamt fehlen also 3,8 Millionen Euro. 

Wie viel müssen die Dresdner draufzahlen?

Wenn der Stadtrat zustimmt, werden die Müllgebühren im Durchschnitt um 5,4 Prozent steigen. Was das für jeden Dresdner Haushalt bedeutet, könne nicht beziffert werden, sagt Kügler. "Es gibt keinen Standard-Haushalt". Die Kosten seien sehr unterschiedlich, weil die Bedürfnisse von Industrie, Eigenheimbesitzern und Mietern in großen Wohngebäuden sehr unterschiedlich sind.

Belohnt werden diejenigen, die den Müll nur alle zwei Wochen abholen lassen. Sie sparen zwischen 33 Cent und 39 Euro pro Monat, je nach Größe der Tonne. Wird der Abfall jede Woche von der Müllabfuhr geholt, fallen zwischen 2,21 und gut 40 Euro pro Monat und Tonne mehr an. Jede weitere Leerung kosten zwischen 7,23 und 80,55 Euro, je nach Tonnen-Größe. Der Müll kann bis zu drei Mal pro Woche abgeholt werden.

Welche zusätzlichen Gebühren fallen an?

Ab 2021 gilt der Zwei-Wochen-Turnus als Standard. Häufigeres Leeren kostet zusätzlich. Für vermüllte Wertstoffbehälter werden bis zu 80,55 Euro zusätzlich berechnet. Diese werden dann als Restabfall entsorgt. Auch für Grünabfälle und sogenannte Nebenablagerungen erhöht sich die Gebühr leicht. 

Die Gebühr pro Sperrmüll-Abholung steigt um zwei auf 25 Euro, dafür können bis zu vier Kubikmeter an die Straße gestellt werden, also die doppelte Menge wie bisher. Für Haushaltsgroßgeräte steigt die Gebühr ebenfalls auf 25 Euro. Neu ist eine Expressabholung für Sperrmüll und Haushaltsgroßgeräte. Für 72 Euro werden diese innerhalb von drei Tagen abgeholt. Kremer sagt, die neuen Gebühren seien gerechter, da diejenigen mehr bezahlen, die Extra-Wünsche haben. Unter dem Strich werden aber die meisten Dresdner mehr bezahlen als bisher und nur wenige günstiger kommen.

Weiterführende Artikel

Illegaler Sperrmüll treibt Nebenkosten in Dresden hoch

Illegaler Sperrmüll treibt Nebenkosten in Dresden hoch

In Gorbitz landen Möbel und Elektrogeräte auf dem Müllplatz. Bezahlen müssen dafür die Mieter - und die sind sauer.

Ungelöst bleibt das Problem der illegalen Sperrmüll-Entsorgung. "Es gibt einen Abfall-Tourismus", sagt Kügler. "Die Verursacher zu ermitteln, ist aber sehr schwierig.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden