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Die neuesten Erkenntnisse zum Stromausfall

Polizei und Energieversorger haben am Mittag neue Details zum großflächigen Stromausfall in und um Dresden bekannt gegeben. Das Wichtigste dazu.

Polizeisprecher Thomas Geithner hat am Dienstag über den aktuellen Ermittlungsstand zum Stromausfall informiert. Hier zeigt er Reste des gefundenen Ballons.
Polizeisprecher Thomas Geithner hat am Dienstag über den aktuellen Ermittlungsstand zum Stromausfall informiert. Hier zeigt er Reste des gefundenen Ballons. © dpa-Zentralbild/Sebastian Kahnert

Stromausfall in und um Dresden – das Wichtigste in Kürze:

  • Am Montagnachmittag ist in Dresden sowie den umliegenden Städten und Gemeinden für etwa 30 Minuten der Strom ausgefallen.
  • Die Feuerwehr musste Menschen in steckengebliebenen Aufzügen retten, Straßenbahnen blieben liegen, Unternehmen mussten die Produktion stoppen.
  • Noch am Montagabend hat die Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen. Es wird davon ausgegangen, dass ein metallbeschichteter Ballon den Kurzschluss im Umspannwerk Dresden Süd verursacht hat. Unklar ist, ob der Ballon gezielt dorthin gesteuert wurde.
  • Die Polizei kann eine Straftat nicht ausschließen, geht jedoch eher von einem Zufall beziehungsweise Fahrlässigkeit aus. Sie hat einen Zeugenaufruf veröffentlicht.
  • Sachsen-Energie schließt aktuell aus, für etwaige Schäden bei Stromkunden zu haften.

Die wichtigsten Eckpunkte der Pressekonferenz zum Nachlesen:

13.40 Uhr: Die Polizei hat nun ihren Zeugenaufruf veröffentlicht. Die Meldung im Wortlaut:

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Nachdem es gestern Nachmittag zu einem flächendeckenden Stromausfall im Großraum Dresden kam, untersucht die Dresdner Kriminalpolizei dessen Ursache mit Blick auf eine mögliche Straftat.

Aktuellen Erkenntnissen zufolge hat ein handelsüblicher Folienballon den Stromausfall ausgelöst. Gemeinsam mit den zuständigen Elektrotechnikern stellten Kriminalisten die Reste des Ballons in einem Umspannwerk im Dresdner Stadtteil Zschachwitz fest. Offensichtlich war der Ballon zwischen zwei stromführende Leiter geraten und hatte einen Kurzschluss ausgelöst, der dann zum Stromausfall führte. Die Untersuchungen der Kriminalpolizei dauern an.

Die Polizei fragt: Wer hat Wahrnehmungen im Zusammenhang mit dem Vorfall gemacht? Hinweise nimmt die Polizeidirektion Dresden unter der Rufnummer 0351/483 22 33 entgegen.

13.36 Uhr: Die Pressekonferenz ist beendet.

13.34 Uhr: Bei Sachsen-Energie halten sich die Schäden in Grenzen, sagt Netz-Geschäftsführer Steffen Heine. Was Schäden bei den Stromkunden angeht, so habe man noch keine Zahlen. Was die Haftung angeht, so komme es immer auf die Ursache an. Heine sagt aber, er sehe bei Sachsen-Energie kein Verschulden und keine Pflichtverletzung. "Den Schaden, den der Kunde hat, wird er bezahlen müssen. Das regelt die Rechtsverordnung."

Steffen Heine ist der Geschäftsführer von Sachsen-Netze. Man nehme den Stromausfall zum Anlass, das Umspannwerk Dresden Süd, aber auch andere Anlangen auf ihre Sicherheit zu überprüfen, sagte er am Dienstag.
Steffen Heine ist der Geschäftsführer von Sachsen-Netze. Man nehme den Stromausfall zum Anlass, das Umspannwerk Dresden Süd, aber auch andere Anlangen auf ihre Sicherheit zu überprüfen, sagte er am Dienstag. © dpa-Zentralbild/Sebastian Kahnert

13.28 Uhr: Jetzt informiert Feuerwehr-Chef Andreas Rümpel. Demnach sei das Notfallsystem am Montagnachmittag sofort hochgefahren worden. 19 Leute hätten Notrufe entgegengenommen. Zwischen 14 und 16 Uhr seien rund 270 Notrufe eingegangen. 24 Personen steckten laut Rümpel in Aufzügen fest. Viele hätten sich aber selbst befreien können, als der Strom wiederkam.

Rümpel sagt: "Ich hoffe, das war ein Weckruf für alle." Unternehmen müssten jetzt genau schauen, wie ihre Anlagen reagiert haben.

13.24 Uhr: Die Ballonreste werden laut Polizei jetzt auf Fingerabdrücke und DNA untersucht. Die Möglichkeiten seien aber begrenzt, so Sprecher Thomas Geithner. Er kündigt einen Zeugenaufruf an. Ein generelles Verbot für Ballons ginge nach Ansicht des Sprechers aber zu weit. "Eigentlich reicht gesunder Menschenverstand."

13.18 Uhr: Eine Störung dieser Größenordnung habe es bei Sachsen-Energie noch nicht gegeben, sagt Steffen Heine, Geschäftsführer von Sachsen-Netze. Es sei Zufall gewesen, dass der Ballon ausgerechnet an einer neuralgischen Stelle landete.

Bei der Pressekonferenz fragt ein Journalist, ob nach dem Vorfall noch einmal neu über die Sicherheit von Umspannwerken dieser Größe nachgedacht werden müsse. Heine erklärt, dass die Anlage im Jahr 2010 erneuert wurde und dem Stand der Technik entspreche. Weltweit seien vergleichbare Anlagen im Einsatz. Jedoch räumt Heine ein, dass die massive Störung im Nachgang analysiert und bewertet werden müsse. Es sei bereits jetzt angedacht, die Videoüberwachung der betroffenen und anderer Anlagen auszuweiten.

13.10 Uhr: Thomas Geithner, Sprecher der Dresdner Polizeidirektion, teilt jetzt erste Ergebnisse der Ermittlungen am Umspannwerk mit. Demnach sei ein mit Aluminium beschichteter Ballon an einer sensiblen Stelle gelandet. Es handele sich um keinen besonderen, sondern um einen handelsüblichen Ballon. "Wie man diese Ballons von Jahrmärkten, Feiern oder Kinderfesten kennt", so Geithner.

Ob es sich tatsächlich um eine vorsätzliche Tat handelt, sei nicht auszuschließen. "Allerdings fehlt uns ein wenig die Fantasie, wie man einen solchen Ballon gezielt in das Umspannwerk steuern kann", so Geithner. Zudem würde bisher ein Bekennerschreiben noch eine entsprechende Mitteilung fehlen. "Üblicherweise brüsten sich Täter mit einer solchen Aktion", so Geithner.

Polizei, Feuerwehr und Sachsen-Energie haben am Dienstagmittag weitere Details zum großen Stromausfall am Montag bekanntgegeben.
Polizei, Feuerwehr und Sachsen-Energie haben am Dienstagmittag weitere Details zum großen Stromausfall am Montag bekanntgegeben. © dpa-Zentralbild

13.05 Uhr: Der Notruf ging kurz nach dem Ereignis bei der Polizei ein - um 14 Uhr. "Wir waren auch selbst betroffen", so Polizeisprecher Thomas Geithner. Ein Stromausfall sei in der Regel kein Ereignis, das Ermittlungen in der jetzt laufenden Form nach sich ziehe. Schnell sei man am Montag aber dazu gekommen, den Vorfall als "ungewöhnlich" einzustufen. Die Polizei habe im Kontext der bevorstehenden Bundestagswahl, eines laufenden Extremismus-Prozesses in der Stadt und Demos am Abend im Zusammenhang mit dem Besuch von AfD-Mann Höcke sich für die Einrichtung eines Führungsstabs entschieden.

12.57 Uhr: Der Energieversorger Sachsen-Energie, Polizei sowie Feuerwehr haben für 13 Uhr eine Pressekonferenz in Dresden angekündigt. Man wolle über den aktuellen Kenntnisstand berichten. Sächsische.de wird hier über die wichtigsten Informationen berichten.

So haben wir bisher über den Stromausfall berichtet:

Nach dem flächendeckenden Stromausfall in Dresden und Umgebung am Montagnachmittag hat die Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen. Auf dem Gelände des Umspannwerkes, das kurz vor 14 Uhr den Dienst versagte, sind am Abend verdächtige Objekte gefunden worden.

Wie der Betreiber Sachsen-Energie am späten Montagabend mitteilte, soll es sich um die verschmorten Reste eines metallbeschichteten Ballons handeln. Dieser wird für den Defekt des Werkes verantwortlich gemacht. Der Ballon soll an eine neuralgische Stelle des Einspeise-Umspannwerks gelangt sein.

Die Kriminalpolizei hat am Montagabend die Ermittlungen zum Stromausfall in Dresden aufgenommen.
Die Kriminalpolizei hat am Montagabend die Ermittlungen zum Stromausfall in Dresden aufgenommen. © SachsenNetze

Die Beamten versuchten jetzt herauszufinden, ob das Flugobjekt versehentlich dort landete oder gezielt dahin gesteuert wurde. Die Auswertungen der Untersuchungen dauerten noch an.

Die gefundenen Überreste des Ballons
Die gefundenen Überreste des Ballons © SachsenNetze

"Es gab eine größere Störung im Hochspannungs-, Mittelspannungs- und Niederspannungsnetz", hatte eine Sprecherin von Sachsen-Energie zuvor am Nachmittag erklärt. Demnach ereignete sich im Umspannwerk Dresden Süd um 13.53 Uhr eine technische Störung, deren Ursache noch untersucht wird. Betroffen waren zunächst das Umspannwerk Altenberg, Ulberndorf, Leupoldishain, Heidenau, Dresden-Süd Stadt und Land, die DB Energie und Pirna-Copitz.

Beim Versuche der Wiederaufnahme habe es einen zweiten Ausfall gegeben, der das komplette Stadtgebiet erfasste sowie die Umspannwerke Radeberg, Radebeul, Radeburg, Weixdorf, Großröhrsdorf, Freital, Nossen und Döhlen traf. "Davon betroffen waren vorübergehend 300.000 Haushalte im gesamten Versorgungsgebiet."

Die Versorgung sei schnell wieder aufgebaut worden, so die Sprecherin weiter. "Seit 15 Uhr sind 95 Prozent der Kundinnen und Kunden wieder versorgt; seit 16 Uhr ist das Umspannwerk Tolkewitz wieder am Netz."

Über 300.000 Haushalte ohne Strom

Insgesamt 270 Notrufe seien aus Dresden, dem Raum Meißen sowie Sächsische Schweiz/Osterzgebirge eingegangen, teilte die Feuerwehr am Abend mit. Das entspreche etwa dem 10- bis 15-fachen gegenüber einem normalen Tag. Im Zusammenhang mit dem Stromausfall kam es innerhalb der Landeshauptstadt Dresden zu 34 Einsätzen von Feuerwehr und Rettungsdienst. In 24 Fällen wurden die Einsatzkräfte alarmiert, weil Personen in Aufzügen steckengeblieben waren.

Der erste Notruf ging 14.01 Uhr ein. Er kam von einem Wohnhochhaus am Albert-Wolf-Platz. Bei einem Großteil der Einsätze hätten sich die Personen von selbst befreien können, da der Strom mittlerweile wieder vorhanden war, so die Feuerwehr weit. Weiterhin sei es zu vier Fehlalarmen durch automatische Brandmeldeanlagen gekommen. Im Georg-Arnold-Bad kam es zu einer Überflutung durch Abwasser, weil die Hebeanlage durch den Stromausfall nicht mehr funktionierte. Der Rettungsdienst wurde einige Male zu Patienten gerufen, bei denen die Heimbeatmungsgeräte durch den Stromausfall nur für eine begrenzte Zeit noch funktionierten.

Züge konnten fahren, Straßenbahnen nicht

Nicht eine Abfahrt ist mehr auf den Anzeigetafeln im Hauptbahnhof und im Neustädter Bahnhof aufgelistet worden, als es dunkel wurde. Auch in den Geschäften ging nichts mehr. Immerhin blieben die Züge nicht auf offener Strecke stehen, sie konnten in die Bahnhöfe fahren. „Die Züge konnten fahren, da wir unser eigenes Stromsystem haben“, sagte eine Bahn-Sprecherin der SZ. Der Fahrplan sei daher nicht durcheinandergewirbelt worden.

Die Dresdner Verkehrsbetriebe konnten gegen 14.30 Uhr endlich Entwarnung geben. "Es rollt ganz langsam wieder an." Ganz langsam auch deshalb, weil viele Ampeln noch ausgefallen waren. Unter anderem auf dem Pirnaischen Platz.

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