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Dresdner Stadtfest: „Das war ein guter Wurf“

Nervenkitzel, Hits und Hoffnungen. Wie das erste Stadtfest in Corona-Zeiten Emotionen und viel gute Laune freisetzt. Eine Bilanz.

Dresden leuchtet: Um 22 Uhr startet das traditionelle Feuerwerk zum Abschluss des Stadtfestes.
Dresden leuchtet: Um 22 Uhr startet das traditionelle Feuerwerk zum Abschluss des Stadtfestes. © Sven Ellger (Symbolbild)

Dresden. Um neun am Abend kommen die Emotionen hoch, es brennt die Luft: „Hallo Dresden!“ rufen „Gestört aber GeiL“ von der Bühne am Theaterplatz in die Massen. Und die 4.999 Partygäste auf dem 3G-Areal brüllen zurück: „HIER!!!“ Wer es nicht geschafft hat, rechtzeitig aufs umzäunte Festgelände vor der Semperoper zu kommen, drängt sich entlang der Absperrung. Und das sind viele! Aus den Boxen kracht es, auf der Bühne Feuerwerk. Die beiden DJs bringen die Menge zum Tanzen, der Platz bebt. Freude über die Rückkehr der Unbeschwertheit bricht sich endgültig Bahn. Es war wohl einer der emotionalsten Momente des diesjährigen Dresdner Stadtfestes. Wenn auch nicht der einzige.

Auch in dieser Nacht zum Sonntag wird es noch weitergehen. Lange Schlangen stehen zu dem Zeitpunkt am Einlass auch zum Volksfestgelände. Von Weitem sind schon die Schreie derer zu hören, die den ultimativen Kick zwischen Himmel und Hölle suchen. Nervenkitzel pur beim nahezu freien Fall aus zig Metern Höhe oder beim Überschlag. Schleudergang bis der Arzt kommt. An den Schießständen wird derweil konzentriert geballert. Um 23 Uhr wird der Ausschank schließen, werden die Händler ihre Stände einräumen. Bis dahin ist noch ein bisschen Zeit. Und wem das nicht reicht, der kann immer noch woanders weiterfeiern. Bis weit nach eins wird es etwa am sogenannten „Assi-Eck“ in der Neustadt kein Durchkommen für Autos geben, die Straßen sind proppenvoll. Rückstau.

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Die Menge tanzt, der Platz bebt: „Gestört aber GeiL“ als Haupt-Act am Samstagabend.
Die Menge tanzt, der Platz bebt: „Gestört aber GeiL“ als Haupt-Act am Samstagabend. © Sven Ellger

Immenser Aufwand

Am nächsten Tag werden die Stadtfestmacher um Chef Frank Schröder gut gelaunt auf einer Pressekonferenz sitzen und Bilanz dieser ersten Ausgabe in Corona-Zeiten ziehen, und sie wird positiv ausfallen: „Wir sitzen hier mit zufriedenen Gesichtern“, sagt Frank Schröder am Sonntag. Rund 350.000 Dresdner und Gäste haben am Wochenende entspannt und fröhlich gefeiert, nicht ganz so viele wie bei der letzten Ausgabe 2019 – aber wer hat das schon erwartet? „Wir sind mit vielen Händlern, Gastronomen, Künstlern und Partnern ins Gespräch gekommen, sie geben uns positives Feedback. So können wir sagen: Das war ein gelungenes Fest!“

Cornelia Woigk, Chefin von Easyevent Dresden, wird diese Ansicht teilen. Sie ist unterwegs und froh, dass das Markttreiben endlich wieder möglich ist. Mit drei historischen Citroen-Kastenwagen sind sie und ihre Mitarbeiter eigentlich eher auf kleinen Festivitäten unterwegs. Aber: Auch wenn die rollende Gastronomie das zweite Standbein der Familie ist – laufende Kosten und Anschaffungen wollen bezahlt sein: „Corona ist noch nicht vorbei, doch wir hoffen das Beste!“

Ähnlich positiv sind auch Katarina und Mariusz eingestellt. Am Theaterplatz verkaufen sie polnische Piroggen. „Die sind handgemacht und bio, ohne irgendwelche Zusätze!“, sagt Katarina. Sie ist aus Katowice mit ihrem Mann nach Dresden gekommen. Es ist ihr erstes Fest seit Corona, auf dem sie ihr Nationalgericht wieder verkaufen können. Bei den Besuchern kommen die traditionellen, gefüllten Teigtaschen bestens an. „Wir sind mit unserem Umsatz sehr zufrieden und finden das Fest hier besonders schön!“, sagt Katarina.

An der Carolabrücke werden währenddessen 7.000 quietschgelbe Plastikenten zu Wasser gelassen. Der Entencup des Lions Clubs geht in die 13. Runde. Besucher konnten zuvor Spielzeugpatenschaften für je 5 Euro kaufen. Der Erlös geht an den Prohliser Verein Musaik – Grenzenlos Musizieren. Spaß ist eine sinnvolle Sache.

„Mit dem Umsatz sehr zufrieden“: Katarina und Mariusz aus Polen in ihrer Piroggen-Küche.
„Mit dem Umsatz sehr zufrieden“: Katarina und Mariusz aus Polen in ihrer Piroggen-Küche. © Sven Ellger

Doch aus Sicht der Veranstalter und des Publikums gibt es noch deutlich mehr Positives. Die Blaulichtmeile etwa, auf der sich Polizei, Feuerwehr, THW und Rettungsdienste präsentieren, ist voll. Alle Generationen, aber vor allem Familien kommen. Auch die Führungen durch den Landtag, die im Halbstundentakt starten, sind komplett ausgebucht. Zudem bieten DRK und Bundeswehr Corona-Schutzimpfungen an. Bis Sonntagnachmittag verabreichen sie rund 500 Impfungen. „Wir mussten die personellen Kapazitäten dort aufstocken und am Ende drei Impfärzte einsetzen“, sagt Frank Schröder.

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Generell bringt dieses Stadtfest immensen Aufwand mit sich. „Wir brauchen allein für die Kontrolle der Hygienemaßnahmen 100 Helfer mehr“, sagt Schröder. Zudem müssen Absperrungen mit einer Gesamtlänge von fünf Kilometern wieder abgebaut werden.

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Aus Sicht der Veranstalter ist das genehmigte Hygiene-Konzept aufgegangen. „An den Zugängen zum Theaterplatz und dem Volksfestgelände hat der Ordnungsdienst per App kontrolliert, wie viele Besucher das 3G-Areal betreten und wieder verlassen.“ Dort waren 4.999 Gäste zugelassen, zum Teil bildeten sich Warteschlangen. „Es gab aber aus Sicht der Ordnungskräfte zu keiner Zeit einen wirklich kritischen Moment“, so Rodney Aust, der im Veranstalterteam für das Künstlermanagement zuständig ist, am Sonntag. Und dann sagt er noch etwas: „Ich hoffe, das Stadtfest war für alle, die Kultur lieben, ein positives Startsignal – auch mit Blick auf die Weihnachtsmärkte.“ Er wirkt zufrieden: „Das war ein guter Wurf!“ Eine Vermutung, die sich am Abend bestätigen wird: Da nämlich heizt DJ Purple Disco Machine der Menge noch einmal ein. Dann das Feuerwerk - die Menschen halten kurz den Atem an: Helles Leuchten und danach: Weiterfeiern - als wärs auf keinen Fall das letzte Mal. Der Theaterplatz ist in dieser Nacht der beste Club der Welt.

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