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Dresdner Startup macht Handyspielern Beine

Mithilfe des Bewegungssensors wollte die Gruppe die Fitnessbranche revolutionieren. Dann landeten sie bei den Spielen.

Wenn spielen fit macht: Etienne Petermann von Evomo demonstriert seine
Sprungkraft und sammelt dabei Punkte.
Wenn spielen fit macht: Etienne Petermann von Evomo demonstriert seine Sprungkraft und sammelt dabei Punkte. © Sven Ellger

Dresden. Die Katze hat Hunger. Pausenlos rennt sie die Straße entlang und versucht links und rechts Fische und andere Köstlichkeiten einzusammeln. Mülltonnen muss sie dabei aber ausweichen. Manchmal muss sie auch springen oder sich ducken, sonst holt sie sich schnell eine Beule und das Spiel ist vorbei.

„Trashy Cat“ sieht aus wie eines dieser Jump-and-Run-Spiele aus den frühen 90er-Jahren, und ist doch, glaubt man seinen Entwicklern, „die größte Innovation bei Handyspielen in diesem Jahr“. So ist es zumindest auf der Website von Evomo zu lesen, einem Dresdner Startup-Unternehmen, das gerade durchstarten will.

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Die Besonderheit an ihrem Spiel ist allerdings nicht die recht simple Grafik und schon gar nicht die Geschichte einer rennenden Katze. „Trashy Cat“ gibt es bereits in unzähligen Varianten im Internet. Bislang konnte allerdings keine dieser Variante mit dem eigenen Körper gesteuert werden. Und genau hier kommen die Jungs von Evomo ins Spiel, die eine Möglichkeit entwickelt haben, mithilfe der Sensortechnik eines gewöhnlichen Smartphones komplexe Bewegungsmuster zu erkennen.

"Trashy Cat" gehört zu den ersten Handyspielen, die Evomo mit seiner Technik ausgestattet hat.
"Trashy Cat" gehört zu den ersten Handyspielen, die Evomo mit seiner Technik ausgestattet hat. © Sven Ellger

Springt der Handynutzer hoch, springt auch die Katze auf seinem Display. Duckt er sich, duckt sich auch die Katze. Auf diese Weise soll sich der Spieler selbst als Teil des Spiels fühlen, so die Idee. „Wir verbinden damit das Grundbedürfnis, unterhalten zu werden, mit körperlicher Bewegung“, sagt Hermann Schreiter, einer der vier Gründer von Evomo.

Gestartet haben sie ihr Projekt vor knapp zwei Jahren, verfolgten anfangs aber einen ganz anderen Plan. Zwei junge Sportwissenschaftler suchten nach einem Weg, wie Fitnessübungen automatisch gezählt werden könnten: Liegestütze, Hock-Streck-Sprünge, Kniebeuge. Das „Gehirn“ der Gruppe, Jakob Wowy, entwickelte daraufhin einen Algorithmus, der mithilfe eines Handys 20 verschiedene Bewegungen erkennen kann. Die Genauigkeit lag dabei zuletzt bei stolzen 92 Prozent.

Die Entwickler träumten davon, damit die Fitnessbranche revolutionieren zu können. Bald würde kein Unternehmen an ihrer Technik vorbeikommen, so glaubten sie. Die Welt lag ihnen zu Füßen.

Ein neuer Plan musste her

Allein, so einfach war es dann doch nicht. „Es ist viel schwerer, als gedacht, in den Markt reinzukommen“, sagt Richard Schütze. Die Hemmungen seien groß, sich auf grundlegend neue Dinge einzulassen. Was, wenn die neue Technik sich doch nicht durchsetzt? Sicherheit vor Innovation. „Wir sind uns aber sicher, dass die Zeit dafür noch kommen wird“, sagt Schütze. Fest stand jedoch: Um voranzukommen, brauchte Evomo einen neuen Plan. Die Jungs schüttelten sich kurz, schauten sich ihren Algorithmus an – und landeten nun bei den Handyspielen.

Bis auf weiteres sieht sich das Startup, für das in schicken Büroräumen hinter dem Hauptbahnhof inzwischen acht Leute arbeiten, als Spieleentwickler. Schon am 15. Dezember wollen sie nach einem turbulenten Jahr ihre erste App auf den Markt bringen. Die drei Spiele darin werden alle mit vollem Körpereinsatz gespielt. Unter anderem dabei: "Trashy Cat".

Die App selbst wird kostenlos sein, allerdings solle es die Möglichkeit für In-App-Käufe geben. Auch Werbung ist ein Thema, denn von irgendwas müssen ja mittel- und langfristig auch technikbegeisterte junge Leute leben. „Wir sind schon sehr euphorisch, aber bis zum Release gibt es noch Tausende Kleinigkeiten zu klären“, sagt Hermann Schreiter. Unter anderem gibt es noch Abstimmungsbedarf zum Namen der App, die zunächst nur iPhone-Nutzern vorbehalten sein wird.

„Wir haben uns für einen sanften Einstieg entschieden und planen, im Laufe des kommenden Jahres auch eine Version für Android-Nutzer herauszubringen“, sagt Richard Schütze. Diesmal soll sie keiner aufhalten.

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