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Kaisermania-Tickets: "Viele Ältere werden verzweifeln"

Meistgelesen: Alle Fans müssen ihre bisherigen Karten für das Dresdner Elbufer zurückgeben - und für die neuen deutlich mehr zahlen. Deswegen regt sich Unmut.

Von Henry Berndt
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Roland Kaiser stand im Sommer 2019 zum bislang letzten Mal am Dresdner Elbufer auf der Bühne.
Roland Kaiser stand im Sommer 2019 zum bislang letzten Mal am Dresdner Elbufer auf der Bühne. © kairospress

Dresden. Lange mussten die Fans von Roland Kaiser warten, bis nun endlich die neuen Termine für die Kaisermania 2022 bekannt gegeben wurden. Gleich sechs Konzerte wird ihr Idol im kommenden Sommer am Elbufer geben. Das sollte doch ein Grund zum Feiern sein!

Doch in die Vorfreude mischt sich bei vielen Anhängern Unmut. Der Grund: Die bisherigen Tickets verlieren ihre Gültigkeit - und die neuen sind mindestens 15 Euro teurer. "Ich finde, das ist ein Skandal", sagt Anja Köhler aus Dresden, die mit einer Gruppe Freundinnen seit vielen Jahren zu den Stammgästen bei der Kaisermania gehört. "Geschieht das alles, um höhere Ticketpreise durchzusetzen?", fragt sie. "Ist das wirklich im Sinne von Roland Kaiser, der in Dresden seine größte Fangemeinde hat, wie es immer heißt? Oder wollen sich der Veranstalter und Eventim hier bereichern?"

Wer ein Ticket für die Kaisermania 2022 kaufen will, zahlt dafür 84,90 Euro. Die Karten für das begehrteste Konzert am 30. Juli sind noch fünf Euro teurer. Zum Vergleich: Die Tickets für die ausgefallenen Kaisermania-Jahre 2020 und 2021 hatten nur 69,50 Euro gekostet.

"Es ist eine Frechheit!"

Es dauerte nicht lange, da breitete sich auf Facebook ein Sturm der Entrüstung aus. "Längste Zeit Kaiser-Fan gewesen! Nie mehr Roland Kaiser!", hieß es da. Eine junge Frau schrieb: "Es ist eine Frechheit! Wir haben die Tickets jetzt über zwei Jahre im Schrank liegen! Und nun muss ich nochmal mehr zahlen?"

Veranstalter Semmel Concerts erklärt die gestiegenen Preise mit Kostensteigerungen bei der Technik und Personalknappheit. Hinzu kämen zusätzliche Aufwendungen bei Security, Ticketorganisation und Hygienevorschriften.

Noch mehr als der Preis bringt die Anhänger jedoch die Abwicklung bei Kartenrückgabe und -neukauf in Rage. "Wir sind gerade im Urlaub und haben die Tickets nicht dabei", beklagt sich Anja Köhler. "Einen Tag vorher Bescheid zu geben, dass morgen der Verkauf startet, finde ich dreist. Da nützt mir auch kein Vorkaufsrecht."

Daniela Reyem aus Bautzen kann die Aufregung nicht verstehen und freut sich auf die nächste Kaisermania.
Daniela Reyem aus Bautzen kann die Aufregung nicht verstehen und freut sich auf die nächste Kaisermania. © privat

Ilka, genannt die "Ticket-Queen", betreibt auf Facebook seit Jahren eine Ticketbörse für die Kaisermania. "Dieses Mal haben sich die Veranstalter selbst übertroffen", sagt sie. Seit Bekanntgabe der Verkaufsbedingungen bekomme sie Hunderte Nachrichten und Anrufe von Fans, die zwischen Stornierungen und Gutscheincodes nicht mehr durchsehen.

"Vor allem viele Ältere werden an diesem Prozess verzweifeln", sagt die 43-Jährige, die selbst mehr als 30 Kaisermania-Karten über verschiedene Wege gekauft hatte und nun innerhalb von wenigen Stunden den Überblick verlor, für welche Karten gerade welche Rückzahlung auf ihrem Konto landete.

Ein Schnäppchen im Vergleich zu Robbie

"Am meisten ärgert mich, dass die Links mit den Gutscheincodes so lange auf sich warten lasten", sagt Ilka. Viele Fans seien deshalb gezwungen, ihre neuen Tickets zu kaufen, bevor sie die alten erstattet bekommen hätten. "Das kann sich sicher nicht jeder leisten."

Doch längst nicht alle Fans lassen sich von neuen Tickets und höheren Preisen die Kaiserlaune verderben. Viele berichten auch von einem gut strukturierten Ablauf, wie Daniela Reyem aus Bautzen, die im kommenden Jahr wieder bei zwei Konzerten dabei sein will. "Eventim und Semmel haben das Verfahren sehr gut erklärt", findet sie. "Man konnte sogar neue Daten auswählen."

Auch die Preiserhöhung halte sich ihrer Meinung nach im Rahmen. Gerade erst habe sie für einen Robbie-Williams-Stehplatz 200 Euro hingelegt. "Dagegen ist 84,50 Euro ja ein Schnapper."

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes war zu lesen, dass die Tickets 84,90 Euro plus Vorverkaufsgebühr kosten würden. Das ist nicht korrekt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.