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Kurz vorm Tod: Weißbauchigel in Dresden ausgesetzt

Wäre das Tier nicht zufällig in Coschütz entdeckt worden, hätte es keine Überlebenschance gehabt. Igel-Helfer warnen vor der Anschaffung als Haustier.

Afrikanische Weißbauchigel sind in unseren Breiten nicht überlebensfähig.
Afrikanische Weißbauchigel sind in unseren Breiten nicht überlebensfähig. © Igelhilfe Radebeul

Dresden. Sie haben ihn Jimmy Weißbauch getauft, doch der lustige Name sollte nicht täuschen. "Wer vermisst seinen Weißbauch-Igel", fragt die Igelhilfe Radebeul nun in einer Meldung auf Facebook. "Der kleine Mann ist wohl aus seinem Terrarium ausgebüxt."

Zufällig sei er am Wochenende in Dresden-Coschütz gefunden und zur Igelhilfe nach Radebeul gebracht worden. Der Aufruf enthält auch eine eindeutige Klarstellung: "Falls ihm jemand die Freiheit schenken wollte: ganz schlechte Idee. Die stachligen Afrikaner sind in unseren Breiten nicht überlebensfähig!"

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Leider sei es inzwischen längst kein Einzelfall mehr, dass Weißbauchigel hierzulande einfach ausgesetzt würden, sagt Renate Blume, Mitarbeiterin der Igelhilfe. Über die soziale Plattform Tiktok verbreiteten sich zunehmend Videos der putzigen Tierchen, sodass Jugendliche immer öfter ihre Eltern überzeugten, ihnen einen Weißbauchigel als Haustier zu schenken. Dabei werde jedoch unterschätzt, wie kostenintensiv und aufwendig die Haltung sei.

Der bei uns heimische Braunbrustigel ist leicht von seinem weißen Verwandter zu unterscheiden.
Der bei uns heimische Braunbrustigel ist leicht von seinem weißen Verwandter zu unterscheiden. © Arvid Müller

"Die Tiere brauchen jedoch, im Unterschied zu den bei uns bekannten Braunbrustigeln, rund um die Uhr Wärme." Deshalb dürften sie nur in Terrarien gehalten werden.

Der Weißbauchigel ist die am weitesten verbreitete Art des Afrikanischen Igels und lebt in den Savannen und felsigen Gebieten von Senegal im Westen bis Somalia im Osten.

Die Finder in Coschütz glaubten zunächst, einen hier heimischen Igel vor sich zu haben und wunderten sich, dass das Tier zusammengerollt verharrte. "Der Igel ist wohl in eine Art Schockstarre gefallen", sagt Renate Blume. "Vermutlich wäre er innerhalb von wenigen Stunden oder Tagen gestorben."

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Jimmy Weißbauch wird inzwischen von einer Mitarbeiterin der Igelhilfe versorgt.
Jimmy Weißbauch wird inzwischen von einer Mitarbeiterin der Igelhilfe versorgt. © Igelhilfe Radebeul

Jimmy Weißbauch werde inzwischen von einer Mitarbeiterin der Igelhilfe betreut, befinde sich auf dem Weg der Besserung und habe bereits wieder zugenommen.

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