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Neustädter Markt zum Denkmal erklärt

Das Areal um den Goldenen Reiter in Dresden steht nun unter Schutz. Woher der Vorschlag kam, warum die Denkmalpfleger so entschieden und welche Folgen das hat.

Der Neustädter Markt in Dresden ist unter Denkmalschutz gestellt worden. Mit dieser neuen Situation muss die Umgestaltung des Platzes nun geplant werden.
Der Neustädter Markt in Dresden ist unter Denkmalschutz gestellt worden. Mit dieser neuen Situation muss die Umgestaltung des Platzes nun geplant werden. © Archiv: René Meinig

Dresden. Der Goldene Reiter ist schon ein Denkmal. Nun hat das Landesamt für Denkmalpflege auch den Neustädter Markt unter Schutz gestellt.

Der Markt sei wegen seiner ortsgeschichtlichen, städtebaulichen, gartengeschichtlichen und gartenkünstlerischen Bedeutung zum 31. März dieses Jahres in die Kulturdenkmal-Liste aufgenommen worden, teilte die Behörde am Montag mit.

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Der geschützte Bereich umfasst die gesamte Platz- und Straßenanlage mit den DDR-Plattenbauten, den Grünanlagen, Kleinarchitekturen und dem Mobiliar. Der Goldene Reiter, aber auch die zwei Nymphenbrunnen, die beiden Fahnenmasten sowie die acht barocken Figuren, die zwei Vasen und die Platanenallee auf der Hauptstraße sind bereits unter Schutz gestellt worden.

Denkmalschutz hat Auswirkungen auf Baupläne

Wie kam es zu der Entscheidung? Die Initiative sei von der Dresdner Stadtverwaltung ausgegangen, so das Landesdenkmalpflegeamt. Die Behörde habe den Wunsch daraufhin geprüft. Dabei sei ein Sachverständiger einbezogen worden. "Der Neustädter Markt ist mit all seinen Elementen ein hervorragend überliefertes Zeugnis eines lange gereiften, städtebaulichen und freiraumplanerischen Projekts der DDR", sagt Alf Furkert, der sächsische Landeskonservator.

Als ein wichtiges Signal in die Stadt bezeichnet Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) die Entscheidung. Sie würdige das Engagement der ehrenamtlichen Initiativen für Denkmalpflege und Baukultur. "Die Identität und Erinnerungskultur einer Stadt fußt auf den architektonischen Zeugnissen verschiedener Zeitschichten und damit auch der Nachkriegsmoderne. Dieses kulturelle Erbe gilt es bei der weiteren Gestaltung des Königsufers zu berücksichtigen."

Der Neustädter Markt, aber auch das Königsufer entlang von Köpckestraße und Große Meißner Straße sollen umgestaltet werden. So ist ein Wiederaufbau der im Krieg zerstörten barocken Bürgerhäuser zwischen dem Hotel Bellevue und dem Blockhaus vorgesehen. Auch der Wiederaufbau des Narrenhäusels ist ein Bestandteil des Plans.

Eine Bebauung des Neustädter Marktes ist dagegen vorerst kein Thema mehr. Er soll so gestaltet werden, dass er als Freiraum und Veranstaltungsfläche eine bessere Aufenthaltsqualität bekommt. Eine stärkere Begrünung steht ebenfalls auf der Vorschlagsliste. Doch ist all das nun mit Denkmalschutz überhaupt noch möglich?

Auch diese Brunnen am Neustädter Markt sind geschützt.
Auch diese Brunnen am Neustädter Markt sind geschützt. © Christian Juppe

"Bereits im städtebaulichen und freiraumplanerischen Ideenwettbewerb haben wir die städtebauliche Qualität des Neustädter Markts gewürdigt und deshalb dem Stadtrat vorgeschlagen, die künftige Platzgestaltung vertieft zu untersuchen", sagt Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne). "Das Kulturdenkmal Neustädter Markt werden wir in unseren weiteren Planungen in gebotener Weise berücksichtigen. Ziel ist, die Aufenthaltsqualität des Neustädter Markts deutlich zu erhöhen."

Nach Beseitigung der Kriegstrümmer, aber auch dem Abbruch durchaus erhaltenswerter Ruinen entstand 1974 bis 1979 am Neustädter Markt und an der Hauptstraße ein neues Quartier mit Bauten des industriellen Wohnungsbaus. "Zu betonen ist die bemerkenswerte Freiflächengestaltung, die historische und neue Gestaltungselemente miteinander verbindet und wirkungsvoll in Beziehung zueinander setzt", so die Denkmalpfleger. Mittels Ornamentpflaster und umlaufender Stufenarchitektur hervorgehoben sei der Goldene Reiter das Zentrum der gesamten Anlage geblieben.

Es sei die Überlagerung zweier städtebaulicher Freiräume, die den Neustädter Markt so interessant machten, so die Denkmalpfleger weiter. Das sei einmal die Hauptstraße als Boulevard, auf der anderen Seite der Neustädter Markt als Schmuckplatz. "Dazu gehört die Einbeziehung der Silhouette der Altstadt als vierte Platzseite." Im Zentrum würden als große Geste der Goldene Reiter und die repräsentativen Wasserkünste stehen, während die Flanken des Platzes beruhigt seien. "Dies beschert ihm sowohl eine durchdachte Funktionalität als auch mittels individuell gestalteter Ausstattungselemente eine hohe Verweilqualität." Das sei in dieser Konsequenz für das Gebiet der DDR ein frühes und gleichermaßen bemerkenswertes Beispiel.

Zastrow: Ohne Restaurationen ist Denkmalschutz nichts wert

Kritisch sieht FDP-Fraktionschef Holger Zastrow die Entscheidung der Denkmalpfleger. Am baufälligen Zustand des Kracht-Brunnens auf dem Neustädter Markt und den sanierungsbedürftigen Wohnhäusern ändere sie zunächst nichts. Im Gegenteil: Nun seien zusätzliche Auflagen und aufwendigere Abstimmungen zu erwarten. "Uns ist der Wert dieses städtebaulichen Ensembles längst bewusst und ich wünschte mir, dass die Ämter dieselbe Energie in die Restaurierung des Kracht-Brunnens, der Häuserfassade und des Platzes stecken würden wie in die Verleihung des Denkmalschutz-Status", so Zastrow weiter.

Im Moment sei der Neustädter Markt mit dem zerfallenden Brunnen, dem ungepflegten Platzbereichen und den unsanierten Häuserfassaden ein unwürdiges Entrée in die Dresdner Neustadt und stehe im Gegensatz zu den sanierten Fassaden der Hauptstraße. "Um diesen inakzeptablen Zustand müssen wir uns als Stadt dringend kümmern. Ohne die notwendigen Restaurationen ist der Denkmalschutz nichts wert."

Begrüßt wird der Denkmalschutz von der Linksfraktion im Stadtrat. Der Neustädter Markt sei in der Fassung der 70er-Jahre unter Denkmalschutz gestellt worden. Diese Entscheidung sei folgerichtig und dringend notwendig gewesen. Das Zuschütten des Fußgängertunnel bezeichnet die Linke als "achtlosen Rückbau". Die Unterschutzstellung des Marktes lenke die weitere Entwicklung des bedeutenden und in Dresden angenommenen Platzes endlich in strukturierte Bahnen, so Stadtrat Tilo Wirtz. "Es gilt, nun die Gesamtheit des Platzes zu bewahren und ihn behutsam denkmalschutzgerecht weiterzuentwickeln. Und da ist noch einiges in Planung."

Auch Hotel Bellevue steht unter Schutz

Das Landesamt für Denkmalpflege hatte 2020 bereits das Hotel Bellevue an der Großen Meißner Straße in die Liste der Kulturdenkmale aufgenommen. Damit genießt das Ensemble mit dem dazugehörigen Garten zur Elbe hin ebenfalls besonderen Schutz. Dies werde Auswirkungen auf die Bebauung der Großen Meißner Straße haben, sagte der damalige Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne).

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Ein Knackpunkt für die zukünftige Gestaltung des Königsufers und des Neustädter Marktes bleibt aber die Verkehrsführung. Alle Fraktionen des Stadtrates waren sich einig darin, dass die vierspurige Große Meißner Straße so nicht bleiben kann. Die Magistrale macht einen nahtlosen Übergang von der Alt- in die Neustadt unmöglich und wirkt als trennende Barriere. Deshalb sollte die Stadt mehrere Varianten untersuchen. Auch eine Tunnel-Lösung ist im Gespräch. Am 19. Juni ist eine Gesprächsrunde zu diesem Thema geplant, organisiert von der Gesellschaft Historischer Neumarkt.

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