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Polizei Dresden sucht "Super-Recognizer"

Die Polizei Dresden sucht bis zum Herbst "Super-Erkenner" unter ihren Bediensteten. Diese haben eine ganz besondere Fähigkeit, die nur ein kleiner Prozentteil der Weltbevölkerung hat. Die Beamten setzen dabei auf die Hilfe einer Londoner Universität.

Von Fionn Klose
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Auch die Polizei Dresden will künftig bei Videoauswertungen, wie hier von der Soko Hauptallee, welche die Krawalle 2021 vor dem Stadion von Dynamo Dresden untersucht hat, auf Super-Recognizer setzen.
Auch die Polizei Dresden will künftig bei Videoauswertungen, wie hier von der Soko Hauptallee, welche die Krawalle 2021 vor dem Stadion von Dynamo Dresden untersucht hat, auf Super-Recognizer setzen. © Tobias Wolf

Dresden. Die Dresdner Polizei sucht seit Anfang Juni sogenannte "Super-Recognizer" oder auf deutsch "Super-Erkenner" unter ihren Bediensteten. Dabei handelt es sich um Menschen mit einer besonderen Fähigkeit, die laut Wissenschaftler nur etwa ein bis zwei Prozent der Weltbevölkerung besitzen. Sie können sich Gesichter besonders gut merken und diese unter tausend anderen wiedererkennen - egal, ob sich diese Personen geschminkt, einen Bart wachsen lassen oder verkleidet haben. Auch wenn das gesuchte Gesicht um viele Jahre gealtert ist, erkennen es die "Super-Recognizer" wieder.

Für die Polizeiarbeit ist diese Fähigkeit wichtig. Denn im Gegensatz zu digitalen Gesichtserkennungssystemen braucht es dabei keine hoch aufgelösten Fotos vom Tatort. "Gerade wir als Polizeidirektion Dresden haben bereits in hohem Maß von den Fähigkeiten der Wiedererkenner profitieren können", sagt Dresdens Polizeipräsident Lutz Rodig. "So hatte zum Beispiel die Soko Hauptallee im Rahmen der Videoauswertung 42 vermummte Personen festgestellt, die sich nach dem Aufstiegsspiel gegen Türkgücü München im Mai 2021 mit Fackeln zu einem Aufzug formiert hatten." Trotz der vollständigen Vermummung habe man mit "Super-Erkennern" aus Chemnitz 33 Personen aus dem Aufzug identifizieren können.

Auch die sächsische Polizei prüfte 2021 hunderte Beamte auf diese Fähigkeit. Dabei bekamen die Beamten für zehn Sekunden das Bild einer Person gezeigt, die sie unter acht verschiedenen Porträtfotos wiederfinden mussten. Die Testergebnisse wurden an der Universität Greenwich in London ausgewertet, wo auch das Verfahren, das speziell für die polizeilichen Bedürfnisse zugeschnitten ist, entwickelt wurde. Am Ende konnte bei 18 Polizeibeamten tatsächlich die Fähigkeit festgestellt werden, als Super-Recognizer zu arbeiten.

Auch die Dresdner Polizei wendet mit Unterstützung der Universität Greenwich seit dem 1. Juni das Auswahlverfahren an. Beteiligen können sich alle Bediensteten der Polizeidirektion Dresden. Bislang haben 1.165 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Test angefangen. 652 von ihnen hätten die zweite Phase des dreistufigen Verfahrens erreicht. "Im Herbst dieses Jahres soll das Verfahren abgeschlossen werden", so die Polizei Dresden. Danach sollen zwei Wiedererkenner im Hauptamt beschäftigt werden.