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Sarrasani-Zelt ist ein Schwarzbau

André Sarrasani kommt nicht zur Ruhe. Nun gibt es die nächste Hiobsbotschaft: Dresden verhängt einen Baustopp für sein Zirkus-Zelt.

Am Montag hatte André Sarrasani noch fröhlich begonnen, sein Zelt auszubauen. Jetzt gibt es einen Baustopp der Dresdner Bauaufsicht.
Am Montag hatte André Sarrasani noch fröhlich begonnen, sein Zelt auszubauen. Jetzt gibt es einen Baustopp der Dresdner Bauaufsicht. © Sven Ellger

Dresden. Das Trocadero-Zelt am Elbufer soll die neue Heimat für die Dinner-Shows von Magier André Sarrasani in Dresden werden. Doch jetzt kam heraus: Es gibt gar keine Baugenehmigung dafür.

Sarrasani und sein Team haben am Montag angefangen, das Zelt neben dem Congress-Center aufzubauen. Doch es ist offenbar ein Schwarzbau. Das bestätigte nun die Stadtverwaltung Dresden.

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Eigentlich war Sarrasani davon ausgegangen, dass er keine Baugenehmigung benötige. "Das Zelt ist ein sogenannter fliegender Bau, der nicht länger als drei Monate dort steht." Das Aufstellen müsse er der Bauaufsicht nur anzeigen, benötige aber keine Genehmigung. 

Das sieht die Dresdner Bauaufsicht anders, wie auf SZ-Anfrage zu erfahren ist: "Es ist ein Bauantrag notwendig, da die Anlage länger als drei Monate aufgestellt sein soll." Denn laut einer Richtlinie des Innenministeriums sei bei einer Standzeit von über drei Monaten im Einzelfall zu prüfen, ob die Anlage baugenehmigungsbedürftig ist.

"Am Elbe-Park wurde mir gesagt, ich brauche keine Baugenehmigung"

Sarrasani sagt, seine Spielzeit gehe vom 20. November bis zum 7. Februar - das seien keine drei Monate. "Am Elbe-Park war das auch so. Damals hatte ich noch eine Baugenehmigung beantragt und mir wurde gesagt, ich brauche keine." 

Die Bauaufsicht sieht es in diesem Fall aber offenbar anders. Am 2. Oktober sei von Sarrasani angezeigt worden, dass er das Zelt als "fliegenden Bau" aufstellt. "Als Nutzungszeit wurde der Zeitraum vom 20. November 2020 bis 7. Februar 2021 angegeben", so die Bauaufsicht. "Nunmehr musste festgestellt werden, dass der Aufbau bereits begonnen wurde. Die Aufstellzeit ist entscheidend, weil für diese Zeit die Anlage im Stadtbild in Erscheinung tritt." Die Konsequenz wird auch sofort gezogen: "Die Bauaufsicht wird heute einen Baustopp verfügen. Die geschieht, um zu verhindern, dass vollendete Tatsachen geschaffen werden."

Zelt liegt mitten im Überschwemmungsgebiet

Im Amt habe man sich für eine Baugenehmigungspflicht entschieden, da zusätzlich zur  Standzeit am Standort auch mehrere öffentliche baurechtliche Belange zum Tragen kommen. 

Laut dem rechtskräftigen Bebauungsplan ist das Areal als Grünfläche mit Zweckbestimmgung Grünanlage und einer eingeschränkten Zulässigkeit von Nebenanlagen ausgewiesen. Schwerer wiegt allerdings, dass das Zelt mitten im Überschwemmungsgebiet liegt.

"Die Genehmigungsfähigkeit der Anlage ist zurzeit noch offen", teilt die Bauaufsicht mit. "Dazu wird es in der kommenden Woche eine abschließende Entscheidung geben."

Muss Sarrasani wieder abbauen?

Es seien bereits im Frühjahr, als Sarrasani den Standort öffentlich vorstellte, Alternativen angeboten worden. "Diese lehnte Herr Sarrasani ab", so die Bauaufsicht. Sarrasani reagiert darauf erbost: "Mir wurde eine Fläche angeboten: eine Wiese die in der Nähe vom Baumarkt beim Flughafen liegt, hinter einem Umspannwerk. Das kann nicht deren Ernst sein." 

Er sei sich nicht im Klaren darüber, was er falsch gemacht habe: "Bisher ging es doch auch." Er habe mit den Ämtern immer gut kommuniziert. 

Das bestätigt das Bauaufsichtsamt. "Für die Standorte am Straßburger Platz, am Elbe-Park und am Wiener Platz hat Herr Sarrasani Bauanträge gestellt und Baugenehmigungen erhalten." Wie es weitergeht, entscheidet nun die Bauaufsicht.

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