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Was Lebensmittelkontrolleure in Dresdner Betrieben entdeckten

Trotz pandemiebedingter Schließungen wurden 2021 zahlreiche Dresdner Gastronomen und Lebensmittelhersteller kontrolliert. Was die Mitarbeiter beanstandet haben und wann die Öffentlichkeit informiert werden muss.

Von Juliane Just
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Ein Lebensmittelkontrolleur untersucht die Temperatur von Törtchen in einer Patisserie.
Ein Lebensmittelkontrolleur untersucht die Temperatur von Törtchen in einer Patisserie. © dpa/Uwe Anspach (Symbolfoto)

Dresden. Tonnenweise Schokolade des Süßwarenherstellers Ferrero wurde im April 2022 in ganz Europa zurückgerufen. Der Grund: Salmonellen-Gefahr bei der Marke "Kinder". Für ein Unternehmen ist eine solche öffentliche Rückholaktion ein Desaster. Für Lebensmittelkontrolleure gehört das zur Praxis: Ist ein Lebensmittel gefährlich, muss die Öffentlichkeit informiert werden. Wie oft dies in Dresden 2021 geschah und was die Mitarbeiter des Lebensmittel- und Veterinäramtes noch beanstandet haben.

Wie viele Betriebe wurden in Dresden 2021 kontrolliert?

Die Angestellten der amtlichen Lebensmittelüberwachung führten 2021 mehr als 5.000 Kontrollen durch. Das waren pandemiebedingt etwa 3.000 Kontrollen weniger als im Jahr 2019. Trotzdem wurde somit fast jeder dritte der rund 6.500 registrierten Lebensmittelbetriebe in Dresden kontrolliert.

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In den Aufgabenbereich fällt jeder Betrieb, der mit Lebensmitteln zu tun hat - vom Imbissstand bis zur Großküche im Hotel. Das sind beispielsweise landwirtschaftliche Produktionsbetriebe, industrielle Herstellungsbetriebe, Groß- und Einzelhandelsgeschäfte sowie Gastronomiebetriebe und Großküchen. Aber auch Apotheken, Drogeriemärkte, Bekleidungsgeschäfte, Kosmetik- und Tattoo-Studios sowie Tabakwarengeschäfte werden kontrolliert.

Die Kontrolleure haben im vergangenen Jahr 1.960 amtliche Proben in Dresdner Betrieben entnommen. Im Rahmen der Schlachttier- und Fleischuntersuchung wurden 7.658 Proben untersucht.

Was haben die Kontrolleure bemängelt?

Ein verkrusteter Grill, zugestellte Spülen, verklumpte Fleischreste im Abfluss, eine verdreckte Tiefkühltruhe - die Lebensmittelkontrolleure finden vor Ort nicht immer nur appetitliche Zustände vor.

In 43 kontrollierten Betrieben stellten sie 2021 Verstöße fest. Beanstandet wurde vor allem die Hygiene allgemein. Darunter zählt die Sauberkeit des Betriebes im Allgemeinen.

Außerdem haben die Mitarbeiter ein Auge auf Lebensmittelhygiene und die betrieblichen Eigenkontrollen. So werden beispielsweise Wartungs- und Reinigungspläne oder Schulungsnachweise und Arbeitsanweisungen für Mitarbeiter abgefragt. Dort gibt es teils noch Nachholbedarf.

Was passiert bei Beanstandungen?

Werden Mängel festgestellt, veranlasst die Lebensmittelüberwachung amtliche Maßnahmen. Dazu zählten neben einem Bescheid zur Mängelbeseitigung auch Betriebsbeschränkungen oder gar -schließungen, Sicherstellungen von Lebensmitteln, das Verbot des Inverkehrbringens von Produkten, Verwarnungen mit und ohne Verwarngeld, die Einleitung von Bußgeldverfahren oder sogar Strafverfahren sowie die Information der Öffentlichkeit.

Im vergangenen Jahr gab es 23 Bußgeldverfahren und zwei Strafanzeigen. Zwei Betriebe mussten 2021 vom Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt geschlossen werden, weil zu viele Mängel festgestellt wurden.

Werden die Betriebe vor der Kontrolle benachrichtigt?

Nein. "Kontrollen finden in der Regel unangekündigt und risikoorientiert statt", sagt Antje Schminke. Sie ist Leiterin der Abteilung Lebensmittelüberwachung. Die Kontrollen werden je nach Aufgabe und Größe des Objektes durch ein oder zwei Kontrolleure vor Ort durchgeführt.

Jeder Betrieb ist in eine bestimmte Risikoklasse und -kategorie eingeordnet. So werden Betriebe mit verderblichen Lebensmitteln wie Schlachtbetriebe öfter kontrolliert als beispielsweise ein Speisesalz-Hersteller.

Wann muss die Öffentlichkeit informiert werden?

Gemäß Verbraucher-Informations-Gesetz haben Bürger einen Rechtsanspruch auf behördliche Auskunft über Produkte wie Lebensmittel, Bedarfsgegenstände, Kleidung und mehr. In bestimmten gravierenden Fällen sind die zuständigen Behörden verpflichtet, die Öffentlichkeit zu informieren.

Dazu zählen ein hinreichend begründeter Verdacht von Grenzwert-, Höchstgehalts- oder Höchstmengenüberschreitung oder, wenn in nicht unerheblichem Ausmaß oder wiederholt gegen Vorschriften verstoßen wurde und ein Bußgeld in Höhe von mindestens 350 Euro zu erwarten ist.

Die Verstöße werden auf dem Verbraucherportal Sachsen veröffentlicht.

Wie läuft eine Lebensmittelkontrolle ab?

Die Kontrollen beginnen meist mit einem Betriebsrundgang. Räume, bauliche und hygienische Ausstattung sowie Ordnung und Sauberkeit werden begutachtet. Überprüft werden die Herstellungs- und Verarbeitungsprozesse. Dazu zählt auch, ob ein Lebensmittel die vorgeschriebenen Temperaturen bei Lagerung und Verarbeitung aufweist, dessen Haltbarkeit und die Kennzeichnung der Inhaltsstoffe. Proben werden entnommen.

Damit das Kontrollpersonal seine Aufgabe vor Ort erfüllen kann, sind die Kontrolleure mit Laptop, Hygienekleidung, geeichtem Thermometer, Lupe, Fotoapparat, Probegefäßen, Kühltasche sowie Tupfer ausgestattet. Zur Dokumentation werden die Daten in eine sachsenweit angewandte Datenbank eingepflegt.

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Neben diesen planmäßigen Kontrollen bearbeiten die Kontrolleure auch Beschwerden von Verbrauchern, beispielsweise, wenn nach einem Restaurantbesuch und dem Verzehr von Speisen Unwohlsein auftritt. Auch dann prüfen die Behördenmitarbeiter vor Ort, ob die Beschwerde berechtigt ist, und leiten entsprechende Maßnahmen ein.

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