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Was wird aus Dresdens Robotron-Kantine?

Die ehemalige Werkskantine ist ein Gebäude der Ostmoderne in Dresden. Im Stadtrat sollte jetzt der Kauf durch die Stadt gestoppt werden.

Die ehemalige Robotron-Kantine wurde zuletzt mit Kunstwerken verziert und von der Ostrale genutzt.
Die ehemalige Robotron-Kantine wurde zuletzt mit Kunstwerken verziert und von der Ostrale genutzt. © Arvid Müller

Dresden. Für knapp 2,2 Millionen Euro sollte die Stadt die ehemalige Robotron-Kantine in der Lingnerstadt kaufen. Sie sollte ein neuer Anlaufpunkt für Kunst und Wissenschaft werden, mit einem "Open Future Lab". So waren zumindest die Pläne, als Dresden sich noch Hoffnungen machen konnte, Kulturhauptstadt Europas 2025 zu werden. Die Bewerbung scheiterte. Deshalb wollte die AfD den Beschluss zum Kauf vom Stadtrat nun aufheben lassen.

"Die Bewerbung ist gescheitert, der Eigentümer hat gewechselt und das Gebäude wird nicht mehr in städtischen Besitz kommen, deshalb sollte der Beschluss zum Kauf aufgehoben werden", so AfD-Stadtrat Thomas Ladzinski.

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Doch ganz so einfach wollen Dresdens Stadträte den Traum von einer Robotron-Kantine in städtischer Hand nicht aufgeben. Eine große Mehrheit stimmte gegen den AfD-Antrag.

"Ja, der Ankauf ist zunächst gescheitert", so Grünen-Stadtrat Thomas Löser. Eigentlich habe von dem Ort aus die Bewerbung Dresdens als Kulturhauptstadt unterstützt werden sollen. "Es gibt aktuell keine richtige Idee für die Kantine, es dümpelt so dahin, dazu hat der Besitzer dreimal gewechselt", sagt Löser.

"Aber wir haben über den Sommer gesehen, was man mit dem Gebäude alles machen kann, aktuell ist die Ostrale dort drin. Deshalb möchte ich dafür werben, über den Ankauf durch die Stadt erneut nachzudenken", erklärt Löser. Das Gebäude sei sanierungsbedürftig, aber nutzbar.

Er betont, dass die staatlichen Kunstsammlungen, Kunst von Sachsen, das Kunsthaus Dresden, kreatives Sachsen, die Ostrale und mehr großes Interesse daran hätten, diesen zentralen Ort kulturell zu nutzen. Im Gebäude sei noch viel Originalsubstanz vorhanden, es sei ein Zeugnis der Ostmoderne. "Es ist ein Fehler, dass es nicht in städtischer Hand ist", ist sich Löser sicher.

Im "Open Future Lab" sollten Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst vereint werden, der Entwurf stammt von der Technischen Hochschule Dresden.
Im "Open Future Lab" sollten Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst vereint werden, der Entwurf stammt von der Technischen Hochschule Dresden. © PR-Foto

Mit der Bezeichnung als Ostmoderne hat Löser recht. "Das Gebäude unterliegt aber nicht dem Denkmalschutz", erklärt Rathaussprecher Kai Schulz. "Der Investor hat dafür die Abrissgenehmigung."

Zudem hat der Stadtrat, auf Vorschlag der Verwaltung, Gelder, die für den Ankauf vorgesehen waren, aus dem Haushalt gestrichen und anderweitig verplant. "Der Beschluss zum Ankauf existiert noch, aber er ist nicht finanziell untersetzt", erklärt Schulz. Zudem gebe es, auch aufgrund des mehrfachen Wechsels des Besitzers, derzeit keine konkreten Verhandlungen.

Das Lingner-Areal hatte zunächst die TLG gekauft, bevor diese es an die Kasseler Firma Immovation verkaufte. Diese veräußerte es dann an die Düsseldorfer Gerchgroup, heute gehört es zur Gateway Real Estate. Auf dem Gelände soll ein großes Wohnviertel, mitten in der Innenstadt - zwischen Rathaus und großer Garten -, entstehen.

Derzeit lässt der Eigentümer immer wieder kulturelle Nutzungen zu. Was in Zukunft geplant ist, ist allerdings nicht bekannt. Der Projektleiter von Gateway hatte am Freitag in der Gestaltungskommission gesagt, dass die Firma die Kantine keineswegs abreißen lassen will.

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"Auch wenn die Robotron-Kantine der Stadt nicht gehört, kann es auch weiterhin eine kulturelle Nutzung geben", betont Schulz. "Das wäre toll für den neuen Stadtteil. Das bisherige Engagement ist doch fantastisch." Man müsse eben nur immer mit den Besitzern sprechen.

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