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Mehr Trinkwasser für Dresden

Die SachsenEnergie lässt an der Saloppe 15 neue Brunnen für Infineon bohren. Wie sich das für die Großstadt auszahlt.

Danny Ebermann (l.) und Benedikt Schillhahn bereiten am Bohrgerät das nächste Rohr vor, das in den neuen Brunnen hinabgelassen wird. Insgesamt werden hier 15 Brunnen gebohrt.
Danny Ebermann (l.) und Benedikt Schillhahn bereiten am Bohrgerät das nächste Rohr vor, das in den neuen Brunnen hinabgelassen wird. Insgesamt werden hier 15 Brunnen gebohrt. ©  Rene Meinig

Dresden. Vor der Saloppe ragt ein großes Bohrgerät empor. Damit wird ein Teil der Strategie sichtbar, wie die Sachsen-Energie den Trinkwasser-Bedarf von Dresden in den kommenden Jahren sichern will. Im etwa 1,2 Kilometer langen Bereich zwischen der Saloppe und dem Schloss Albrechtsberg werden neben dem Elberadweg von Spezialisten des Brunnenbaus Wilschdorf 15 Brunnen gebohrt.

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Damit soll ab kommendem Jahr nicht so aufwendig aufbereitetes Betriebswasser für Infineon gewonnen werden. Dort wird derzeit für die Betriebsprozesse noch Trinkwasser genutzt. „Eine zusätzliche Betriebswasserversorgung für den Dresdner Nordraum entlastet erstens die in Dürrezeiten angespannte Trinkwasserversorgung und ist zweitens ein wichtiger Baustein, um industrielle Neuansiedlungen und -erweiterungen im Raum Dresden zu ermöglichen“, erläutert SachsenEnergie-Chef Frank Brinkmann. Denn an diesen Versorgungsstrang können neben Infineon künftig auch noch weitere Betriebe angeschlossen werden.

Vom Elbufer wird das Wasser aus den Brunnen künftig ins Infineon-Werk im Dresdner Norden fließen.
Vom Elbufer wird das Wasser aus den Brunnen künftig ins Infineon-Werk im Dresdner Norden fließen. © Marion Doering

Die Nachfrage: Rekord 2020 bei 156.000 Kubikmetern

Wurden 2011 täglich im Durchschnitt noch rund 102.000 Kubikmeter Trinkwasser verbraucht, so waren es 2015 bereits 112.000 Kubikmeter. Im besonders warmen und trockenen Jahr 2018 ging die Verbrauchskurve mit knapp 118.000 Kubikmetern Trinkwasser noch weiter nach oben, 2019 waren es rund 121.000 Kubikmeter und im vergangenen Jahr sogar 124.000 Kubikmeter, erklärt SachsenEnergie-Sprecherin Nora Weinhold.

Der Trend liege hauptsächlich an der Industrie, die stark wächst. So hat Bosch eine neue Mikrochipfabrik im Rähnitzer Gewerbegebiet Airportpark gebaut. Schon jetzt benötigt die gesamte Mikroelektronikbranche im Dresdner Norden so viel Wasser, wie das Tolkewitzer Werk aufbereiten kann.

Lag der Spitzenwert für 2018 am 1. August noch bei über 158.000 Kubikmetern, so wurde der 2019er Verbrauchsrekord am 26. Juni mit 169.000 Kubikmetern erreicht. 2020 mussten die Wasserwerke am 7. August mit knapp 156.000 Kubikmetern die bisher größte Menge liefern, teilt Sprecherin Weinhold mit.

Die Brunnen: Alte Leitung wird wieder aktiviert

Im August vergangenen Jahres war mit den ersten vorbereitenden Arbeiten für die Brunnenbohrungen begonnen worden, erklärt Projektingenieur Rico Bartak. Die Brunnen werden bis in eine Tiefe zwischen 16 und 20 Metern auf den Elbwiesen in die Tiefe gebohrt. Ein Anschluss an das Infineon-Werk sei mit einer Leitung vorhanden, die auf der Brockhausstraße an der Saloppe beginnt. Sie wurde bereits genutzt, als das Wasserwerk in der Saloppe noch bis 2008 arbeitete. In den 1990er Jahren war es als Werk zur Versorgung von Betriebswasser umfunktioniert worden.

Derzeit wird der zwölfte Brunnen hergestellt, bis Ende März folgen die letzten drei, erläutert Bartak.

Die Technologie: Bohrung in 17 Meter Tiefe

Das Bohren funktioniert ähnlich wie das Herstellen von Bohrpfählen von großen Bauwerken. Ein Greifer hebt das Erdreich am künftigen Brunnen aus. Ein in den Untergrund nachrutschendes großes Stahlrohr sichert das Loch. Trifft der Greifer auf hartes Gestein, kann das mit einem großen Spezialmeißel durchbrochen werden.

17 Meter tief wird der Brunnen am Elbufer gebohrt.
17 Meter tief wird der Brunnen am Elbufer gebohrt. © SachsenEnergie

Hat das Rohr wie bei der jetzigen Bohrung seine Tiefe von 17 Meter erreicht, werden die Teile des eigentlichen Brunnenrohrs vom Bohrgerät hinabgelassen. Die beiden unteren großen Teile sind aus Edelstahl. Durch einen drei Meter langen Abschnitt mit kleinen Schlitzen strömt im Untergrund das Uferfiltrat in den Brunnen. Die oberen Rohre sind aus Plaste. Der Zwischenraum zwischen den Stahl- und dem Brunnenrohr wird letztlich mit Kies verfüllt, sodass das Stahlrohr am Schluss abschnittsweise wieder aus dem Boden gezogen werden kann.

Ab Juni werden auf den Brunnen noch sogenannte Brunnenstuben gebaut, die aber unter der Oberfläche bleiben. In sie kommen Sensoren, die Regeltechnik und die Absperrschieber, erklärt der Projektingenieur. Bis Jahresende wird der Brunnenbau abgeschlossen. Bis Mitte 2022 werden dann noch die Wege wiederhergestellt und die Baustelle beräumt.

Ende März sollen alle Rohre in die Brunnen an der Saloppe eingebaut sein.
Ende März sollen alle Rohre in die Brunnen an der Saloppe eingebaut sein. ©  Rene Meinig

Der Nachschub: Bis zu 18.000 Kubikmeter täglich

Mit Unterwasserpumpen wird vor allem das durch den Untergrund bereits gereinigte Uferfiltrat der Elbe in die Leitung befördert. Nur ein kleiner Teil ist Grundwasser. So können bis zu 750 Kubikmeter stündlich in den Dresdner Norden befördert werden, was in Spitzenzeiten 18.000 Kubikmeter am Tag sind. Umgerechnet sind das 18 Millionen Ein-Liter-Flaschen, so Bartok.

Er rechnet vor, dass es keine Nachschubprobleme geben dürfte, selbst wenn das gesamte Dresdner Trinkwasser aus Uferfiltrat der Elbe wird. Das war mehrfach so, wenn das Wasserwerk Coschütz in den vergangenen Jahren wegen Instandsetzungsarbeiten nicht in Betrieb war. Selbst bei einem extrem niedrigen Elbpegel von 45 Zentimetern, wie er 2018 erreicht wurde, würden bei einem Tagesverbrauch von 124.000 Kubikmetern nur zwei Prozent des Elbwassers durch den Untergrund entnommen werden. Über das Klärwerk Kaditz fließt das gereinigte Abwasser dann wieder in die Elbe zurück.

Die Wasserwerke: Großteil kommt aus Coschütz

Für die drei Dresdner Wasserwerke ist es bisher kein Problem, genügend Trinkwasser aufzubereiten. Immerhin liegt ihre Kapazität bei knapp 240.000 Kubikmetern täglich. Rund 60 Prozent davon kommen aus Coschütz, ein Viertel aus Hosterwitz und 15 Prozent aus Tolkewitz. Ins 1946 übergebene Coschützer Werk, das das größte Sachsens ist, fließt Wasser über Stollen und Leitungen aus dem Talsperrensystem Lehnmühle und Klingenberg, was bisher auch bei Trockenheit immer funktionierte. 2021 werden laut der aktuellen vertraglichen Regelungen mit der Landestalsperrenverwaltung täglich etwa 77.000 Kubikmeter und in den Jahren 2023 bis 2025 etwa 69.000 Kubikmeter in Aussicht gestellt.

Im größten 'Dresdner Wasserwerk in Coschütz wird Talsperrenwasser aufbereitet. Es kommt über eine 20 Kilometer lange Verbindung aus Klingenberg.
Im größten 'Dresdner Wasserwerk in Coschütz wird Talsperrenwasser aufbereitet. Es kommt über eine 20 Kilometer lange Verbindung aus Klingenberg. © René Meinig

Der Bedarf: Verbrauch wird weiterwachsen

Der Wasserbedarf in Dresden wird weiter steigen. Die SachsenEnergie prognostiziert für 2022 einen Durchschnittsverbrauch rund 125.000 Kubikmeter täglich, für 2026 von 138.000 Kubikmetern und für 2030 von 145.000 Kubikmetern. Da vor allem der Verbrauch der Industrie wächst, hält die SachsenEnergie neue Lösungen für die Versorgung der Betriebe für nötig, wie eben die jetzigen Brunnenbohrungen.

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Als ein weiteres Beispiel führte Geschäftsführer Brinkmann an, dass Betriebe mit nicht ganz so fein aufbereitetem Rohwasser aus einem möglichen Wasserwerk im Ostragehege versorgt werden könnten. Er kritisierte bei einem Termin im vergangenen Jahr zudem die „Kleinteiligkeit“ der Wasserversorgung in der Region mit 48 Unternehmen in Ostsachsen. Hier müsse sich die Landespolitik um neue Strukturen kümmern, die noch vor 2030 greifen.

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