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Wo Gäste beim Semperopernball neben Feuerwehrleuten speisen

In diesem Jahr gibt es für die Ballgäste in der Semperoper ein neues Angebot: Neben dem Essen am Platz im Ballsaal serviert die Opernkantine Käsespätzle und Würste vom Grill. Kommt das an?

Von Dominique Bielmeier
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Diese Gäste aus Österreich waren vom Essen in der Opernkantine beim Semperopernball restlos begeistert.
Diese Gäste aus Österreich waren vom Essen in der Opernkantine beim Semperopernball restlos begeistert. © SZ/ André Braun

Es ist kurz nach 18 Uhr und im noch leeren Ballsaal der Semperoper herrscht gespannte Stimmung. Gleich kommen die ersten Gäste. Der Walzer läuft schon und auf den edel eingedeckten Tischen stehen die Etageren bereit, die Stefan Hermann und sein Team mit kleinen Köstlichkeiten bestückt hat. Diese sollen sich bis zum Programmbeginn um 20.15 Uhr schnell und kleckerfrei vernaschen lassen. Das Servicepersonal hält sich dezent im Hintergrund. Jeden Moment geht ihre Schicht, die um 5 Uhr enden wird, in die heiße Phase.

"Also ich bin tiefenentspannt", sagt Frank Haufe und lächelt. Seine Kollegin Peggy gibt zu, dass sie schon ein wenig aufgeregt ist. Eine Stunde wird es dauern, weiß sie, dann hat man sich eingefuchst, kennt die Gäste und ihre Vorlieben. Da kommen schon die ersten Glitzerkleider und Smokings an die Tische und verleihen dem prunkvollen Raum gleich noch mehr Glanz.

Käsespätzle mit Röstzwiebeln und Wintertrüffel

Ein paar Gänge, ein paar Treppen weiter und man ist in der Opernkantine. Helles Licht, eine lange Theke mit Selbstbedienung – es ist eine andere Gastrowelt. Eine, die zum ersten Mal bei einem Semperopernball eine Rolle spielt, die Kantine ist als Location für die Gäste neu dazugekommen.

Hier sitzen sie Ballroben neben Feuerwehrleuten und Opernmitarbeitern in Perücken, an der Theke steht auch schon mal ein Mann in Frack an, der seine Klarinette hält. Die Unterscheidung zwischen Gast und Backstage verschwimmt hier. Dass das Auswirkungen auf den gastronomischen Anspruch hat, sollte man nicht vermuten, hier bereitet das Gastroteam Käsespätzle mit Röstzwiebeln und Wintertrüffel zu, Hummersalat mit Avocado oder die traditionelle, hochumstrittene und trotzdem unzählig bestellte Currywurst.

Im Ballsaal wurde den Gästen das Essen erneut in Häppchenform auf Etageren serviert.
Im Ballsaal wurde den Gästen das Essen erneut in Häppchenform auf Etageren serviert. © SZ/ André Braun

Durch eine Tür kommt man zur Grillstation ins Freie, dort sorgen vier Heizpilze neben Stehtischen genauso für Wärme wie die Grills, die um Grillmeister Eric von Bean & Beluga aufgebaut sind. Er ist heute der Herr über Bratwurst mit Kartoffel-Gurken-Salat oder rosa gebratenem Kalbstafelspitz im Briochebrötchen. Was er auf den Rost legt, ist heute heiß begehrt.

In einer Ecke der Kantine sitzen sechs Ballbesucher, die sich schnell als Österreicher herausstellen. "Ösis", sagt Franz Berner gut gelaunt in breitestem Steirisch, denn da kommt die Gruppe her. Der Semperopernball ist für die Freunde die ideale Gelegenheit, sich einmal wiederzutreffen, denn manche von ihnen leben seit den Neunzigern in Sachsen.

"Du hast meine Frauen sehr glücklich gemacht"

Warum sitzen sie nicht vor den Etageren im Ballsaal? "Das ist eine andere Liga", sagt Wolfgang Gusel, "wir haben nur das hier." Er zeigt sein Partyticket. "Das andere überlassen wir den Leuten, die viel mehr Ansehen haben." Es klingt weder missgünstig noch ironisch. Gusel und seine Gruppe freuen sich ehrlich über das Essen in der Kantine, die sie unbedingt ausprobieren wollten. Als sie auf der Karte neben Käsespätzle auch Kaiserschmarrn entdecken, sind sie begeistert. Natürlich wird beides bestellt. In der Küche ahnt man nichts davon, dass Kritiker aus dem Heimatland dieser Speisen anwesend sind.

Kurz vor Beginn des Balles stehen im Gastro-Backstagebereich die Etageren Schlange.
Kurz vor Beginn des Balles stehen im Gastro-Backstagebereich die Etageren Schlange. © SZ/ André Braun

Ein paar Bissen reichen für das Urteil über den Kaiserschmarrn: "Wirklich köstlich." Und die Käsespätzle? "Die auch." Wenige Minuten später geht Franz Berner noch einmal an die Theke und verlangt den Koch. Gern würde er ihm eine Medaille für den Kaiserschmarrn verleihen, sagt er. Die Gastromitarbeiter lachen erleichtert. "Du hast meine Frauen sehr glücklich gemacht", sagt Berner. Dann bestellt er noch drei Portionen.

Die Gastronomie zum Semperopernball in Zahlen

  • 10 Küchen in Oper & Nebengebäuden
  • 90 Köche
  • 60 Logistiker &Verwaltungsmitarbeiter
  • 250 Servicemitarbeiter
  • 40 Tonnen Equipment
  • 20.000Gläser
  • 15.000Geschirrteile
  • 13.000Besteckteile
  • 350Sektkühler
  • 3.000Flaschen Wein
  • 2.000 Flaschen Champagner
  • 500 kg hausgemachte Currywurst
  • 600 Felsenaustern
  • 200 kg Gemüse und Salat aus Sachsen
  • 100 kg hausgemachtes Sauerteigbrot
  • 25 kg Valrhona-Schokolade
  • 75 kg Französischer Käse
  • 40 kg Hummer
  • 35 kg Pastrami
  • 30 kg Wilde Garnelen
  • 5 kg Perigord-Trüffel
  • 3.600 Minibrötchen