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Wie der DSC mit der Quarantäne umgeht

Coach Alexander Waibl verweigert dazu Interviews. Dafür erklären Lenka Dürr und Lena Stigrot den ungewohnten Alltag - exklusiv für sächsische.de

Die Führungsspielerinnen Lenka Dürr und Lena Stigrot erklären den Umgang mit der Auszeit.
Die Führungsspielerinnen Lenka Dürr und Lena Stigrot erklären den Umgang mit der Auszeit. © Foto: Lutz Hentschel

Dresden. Die Situation ist eine außergewöhnliche. Nur noch zwei Wochen bis zum Saisonstart der Volleyball-Bundesliga – hoffentlich. Und die Frauen des Titel-Mitfavoriten Dresdner SC sind seit elf Tagen in Quarantäne. Die Auflage des Gesundheitsamtes Dresden gilt noch bis zum heutigen Mittwach, ist aber vor knapp einer Woche gelockert worden. Zum Mannschaftstraining dürfen die 13 Spielerinnen seit Donnerstag ihre Wohnungen verlassen. Aber wirklich nur dafür.

Eine spezielle Herausforderung, auf die der DSC sehr sensibel reagiert. Trainer Alexander Waibl möchte zu dem Thema Quarantäne keine Interviews geben. Der 52-Jährige befürchtet, sich um Kopf und Kragen zu reden – diplomatische Antworten mag er nicht geben. Deshalb beschreiben zwei Spielerinnen, wie sie den derzeit außergewöhnlichen und neuen Alltag meistern. 

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In die Lage war der DSC geraten, weil er bei einem geplanten dreitägigen Trainingslager im polnischen Police zu einem von drei geplanten Freundschaftsspielen angetreten war. Eine Spielerin des Gastgebers erhielt am Abend nach der Partie einen positiven Corona-Testbescheid von einer vor dem Spiel abgegebenen Probe.

Das Testspiel war kein Fehler

„Wir hatten zu den Spielerinnen keinen direkten körperlichen Kontakt, außer natürlich den normalen, den man im Volleyball hat. Vielleicht berührt man sich mal eine Zehntelsekunde am Netz – und über den Ball ist man indirekt auch in Kontakt“, schildert Angreiferin Lena Stigrot. Das Gesundheitsamt Dresden wurde sofort darüber informiert und verhängte eine 14-tägige Quarantäne – von der waren die Trainer ausgenommen, sie standen ja lediglich am Spielfeldrand. Stigrot findet die Entscheidung hart, aber vertretbar. „Die Regeln sind so, dass du, sobald du Kontakt zu einer infizierten Person hast, selbst in Quarantäne musst“, sagt die DSC-Angreiferin.

Wobei die Bezeichnung „Kontakt“ eher schwammig sei. „Es ist schwierig zu sagen, ab wann es als Kontakt gilt. Das ist superschwer nachzuvollziehen.“ Als Fehler sieht sie den Ausflug nach Polen nicht. „Das hätte auch in Potsdam, Schwerin oder Dresden passieren können“, argumentiert die 25-Jährige. Ihre Mitspielerin Lenka Dürr erklärt ganz pragmatisch: „Man kann etwas doof finden oder nicht – das ist total zweitrangig. Die Situation ist jetzt so, wie sie ist und wir machen das Beste daraus“.

Seit dem 3. September mussten die Spielerinnen also in ihren Wohnungen bleiben. Ein bei allen negativer Corona-Test am vorigen Montag sorgte nicht für die schnelle Auflösung der Anordnung, sondern nur zu einer Abmilderung. Mit einer Pendelbescheinigung dürfen die DSC-Volleyballerinnen sich jetzt zwischen Trainingsstätte und Wohnung bewegen – natürlich nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern nur im Privat-Pkw, per Rad oder zu Fuß.

"Wir verhalten uns korrekt nach Vorschrift“

Bis zum Trainingsfeld tragen die Spielerinnen ihre Maske – im eigenen Hausflur zur Sicherheit auch. „Um auch der Öffentlichkeit ein gutes Gefühl zu geben. Eigentlich sind wir ja noch in Quarantäne, obwohl wir ja alle negativ getestet worden sind. Wir verhalten uns korrekt nach Vorschrift“, sagt die gebürtige Bayerin. Das führt freilich zu skurrilen Situationen. Im Training trägt dann beispielsweise das Trainerteam Maske, duschen müssen die Spielerinnen bis zum 16. September daheim.

Die Quarantäne führt zwangsläufig zu Einschränkungen. In den ersten sieben Tagen mussten sich Stigrot und Co. ausschließlich in den eigenen vier Wänden fithalten – nach Plänen von Athletiktrainer Łukasz Zarębkiewicz. „Er hat uns beispielsweise Terrabänder oder kleine Kurzhanteln, Medizinbälle und Sprungseile mitgegeben“, erklärt Libero Lenka Dürr. Abends 18 Uhr haben sich die Spielerinnen dann mit dem Athletikcoach zu gemeinsamen Videokonferenzen verabredet. „Er hat die Übungen vorgemacht, wir haben nachgeturnt“, erzählt Lena Stigrot und erklärt lachend, dass es dabei bei ihrer Mitspielerin Maja Storck an der Tür geklingelt habe. „Ein Nachbar wollte wissen, was sie da macht und wie lange das noch dauert.“ Einige Wohnungswände sind eben hellhöriger als andere.

Mitbewohner sind in diesen Zeiten auch wichtig. Für Einkäufe beispielsweise, die müssen für die 13 Profis nun andere erledigen. „Das hat sich jeder selbst ein bisschen organisiert. Wer Freunde, Bekannte oder Familie in der Nähe hat, regelt das über sie“, sagt Stigrot. Auch der Lieferservice eines Einzelhandelunternehmens soll bei den Betroffenen hoch im Kurs gestanden haben. In Zeiten von Online-Bezahlung kein Problem. „Unsere Trainer haben auch einige Botengänge für uns Mädels gemacht“, sagt Stigrot.

Diese Zeit schweißt das Team zusammen

Natürlich haben die sieben Tage des öffentlich beschnittenen Teamtrainings Substanz gekostet. „Aber die Zeit hat uns als Team noch enger zusammengeschweißt“, betont Dürr, und ihre Kollegin ergänzt: „Am ersten Tag nach der Änderung der Quarantäne haben wir geschnattert wie noch nie.“ 

Stigrot findet vor allem die unterschiedliche Handhabung bei positiven Fällen problematisch. „Natürlich macht es die Sache nicht besser, dass jedes Bundesland andere Regelungen hat“, sagt sie und verweist auf den positiven Corona-Fall im Kader von Männer-Erstligist BR Volleys aus Berlin. Dort kehrte die Mannschaft nach zwei negativen Tests und lediglich vier Tagen Pause wieder ins Teamtraining zurück, bis auf den infizierten Profi.

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„Positiv ist, dass es uns vor der Saison passiert ist“, meint Stigrot und fügt warnend an: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es das letzte Mal gewesen sein wird, dass so ein Fall vorkommt. Wir haben gelernt, wie wir damit umgehen können.“

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