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Überraschende Funde im Zwingerhof in Dresden

Archäologen stoßen auf Reste des Pöppelmannschen Gartens und auf andere uralte Anlagen. Was sie dabei freigelegt haben.

Die Archäologen haben viele alte Anlagen aus der Bauzeit des Zwingers freigelegt. Grabungsleiter Hartmut Olbrich zeigt diese alte Stützmauer von 1709, die noch vom Weg auf der einst offenen Terrasse am Zwingerwall stammt.
Die Archäologen haben viele alte Anlagen aus der Bauzeit des Zwingers freigelegt. Grabungsleiter Hartmut Olbrich zeigt diese alte Stützmauer von 1709, die noch vom Weg auf der einst offenen Terrasse am Zwingerwall stammt. © René Meinig

Dresden. Ein langer Bauzaun durchtrennt derzeit den Zwingerhof in Dresden. Während auf der Hälfte vor dem Kronentor Archäologen den Untergrund erkunden, flanieren Besucher auf den Wegen der anderen Seite, um das weltberühmte Bauwerk zu besichtigen. Hartmut Olbrich hat derzeit die einmalige Gelegenheit, die verbliebenen Zeugnisse von dessen über 300-jähriger Geschichte zu erfassen. Der promovierte Bauforscher, der Architekt und Archäologe ist, war mit seinem Grabungsteam vom Landesamt für Archäologie im März dieses Jahres im Zwingerhof angerückt.

Zuerst wurde im Bereich vor der Bogengalerie J mit dem Porzellanpavillon gegraben, wo Olbrichs Team Fundamente des alten Reithauses und Reste der Zwingergrotte aus dem 17. Jahrhundert freigelegt hatten. Seit Juni wird nun im Hofviertel vor dem Mathematisch-Physikalischen Salon gearbeitet.

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Vor der Sanierung des Zwingerhofes untersuchen Archäologen seit diesem Frühjahr abschnittsweise den Untergrund. Derzeit erkunden sie das zweite Viertel vor dem Mathematisch-Physikalischen Salon.
Vor der Sanierung des Zwingerhofes untersuchen Archäologen seit diesem Frühjahr abschnittsweise den Untergrund. Derzeit erkunden sie das zweite Viertel vor dem Mathematisch-Physikalischen Salon. © Peter Hilbert

Die Teiche: Mulden im 19. Jahrhundert zugeschüttet

Im Zwingerhof stechen den Besuchern heute vor allem die großen Sandsteinbrunnen in der Mitte ins Auge. Doch die wurden erst bei der großen Umgestaltung unter Zwingerbaumeister Hubert Ermisch ab 1924 gebaut, erläutert Olbrich. Das Aussehen des Zwingerhofes hatte sich schon zuvor mehrfach geändert. Hofbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann hatte zwischen 1709 und 1718 den Zwingergarten angelegt und zweimal umgestalten lassen. Dort wurden unter anderem hohe Taxus- und Buchsbäume gepflanzt. Bis zur Hochzeit des Kurprinzen Friedrich August mit der habsburgischen Kaisertochter Maria Josepha im September 1719 verschwindet Pöppelmanns Garten, da der Hof zum Festplatz umgebaut wird.

Um 1800 gab es vier große Teiche im Zwingerhof. Am linken Bildrand ist die freigelegte Kante eines Teiches gut sichtbar.
Um 1800 gab es vier große Teiche im Zwingerhof. Am linken Bildrand ist die freigelegte Kante eines Teiches gut sichtbar. © René Meinig

„Ab der Mitte des 18. Jahrhundert wurden dann verschiedene Rasenflächen angelegt“, verweist der Bauforscher auf den nächsten Schritt. Die mussten um 1800 vier großen runden Teichen weichen. Die Mulde eines Teiches legten die Archäologen hinter dem heutigen Zwingerbrunnen in Richtung Mathematisch-Physikalischer Salon frei. „Die Kante des Teiches konnten wir bei unseren Grabungen genau nachweisen. Um 1850 wurden diese Teiche aber wieder zugeschüttet und an ihrer Stelle vier Brunnen nach einem Entwurf von Gottfried Semper aufgestellt“, sagt Olbrich. „Im Bereich der Teiche sind aufgrund der damaligen Baumaßnahmen natürlich die frühen barocken Gartenbefunde leider verloren.“

Der Zwingergarten: Dunkler Streifen von Anlage erhalten

Auf der gesamten Länge vor der Langgalerie des Mathematisch-Physikalischen Salons ist die Hoffläche freigelegt. Deutlich sichtbar ist ein Streifen in der Mitte. „Das könnte ein Beet des Pöppelmannschen Gartens aus dem frühen 18. Jahrhundert sein“, erläutert der Archäologe. An einer Stelle ist dieser Streifen unterbrochen. Mit Kellen legen die Grabungsarbeiter Fara Freitag und Fred Seidel den Bereich frei und haben dabei bereits kleine Keramikgefäße oder andere Teile gesichert, darunter auch nahezu vollständig erhaltene Gefäße für Salben.

Grabungsarbeiterin Fara Freitag zeigt aus dem Untergrund geborgene Keramikgefäße, in denen früher Salben aufbewahrt wurden.
Grabungsarbeiterin Fara Freitag zeigt aus dem Untergrund geborgene Keramikgefäße, in denen früher Salben aufbewahrt wurden. © René Meinig

Der benachbarte noch dunklere Streifen direkt vor der Langgalerie ist noch nicht so alt. „Dabei dürfte es sich um ein Beet aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts handeln“, sagt der Grabungsleiter. Aus Plänen weiß er, dass dort Hecken neben Blumenrabatten gestanden haben. Dort soll aber noch einen halben Meter tiefer gegraben werden. So kann untersucht werden, ob sich darunter noch Reste der barocken Beete befinden.

Der freigelegte breite Streifen in der Mitte stammt vermutlich noch vom Pöppelmannschen Garten, der zwischen 1709 und 1718 existierte. Dann wurde der Zwingerhof für die glanzvolle Fürstenhochzeit zum Festplatz umgebaut.
Der freigelegte breite Streifen in der Mitte stammt vermutlich noch vom Pöppelmannschen Garten, der zwischen 1709 und 1718 existierte. Dann wurde der Zwingerhof für die glanzvolle Fürstenhochzeit zum Festplatz umgebaut. © René Meinig

Die Festung: Alte Stadtmauer unterm Kronentor freigelegt

Seit dem Frühsommer ist der Zwingerzugang unter dem Kronentor gesperrt. Der führte über die Betondecke eines darunterliegenden Kellers. Da die Stahlträger schon angerostet waren, muss der die Decke erneuert werden, erläutert Sachgebietsleiter Kai-Uwe Beger vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). In dem Zuge wurden im Untergrund unter dem Kronentor auch gut erhaltene Reste der alten Festungsmauer aus der Mitte des 16. Jahrhundert freigelegt. Olbrich vermutet, dass sich die Mauer bis in eine Tiefe von sechs bis sieben Metern erstreckt. Im Festungswall, auf dem heute die Langgalerien und das Kronentor des Zwingers stehen, wurde sie mit ringförmigen Sandsteinmauern verankert, die im oberen Bereich jetzt ebenfalls freigelegt sind. Die nötigen Sicherungsarbeiten sind aufwendiger als gedacht. Der SIB will die Betondecke bis zum Frühjahr erneuern, sodass der Durchgang wieder hergestellt ist.

Archäologe Hartmut Olbrich zeigt eine der ringförmigen Sandsteinmauern unterm Kronentor, mit denen die alte Stadtmauer aus dem späten 16. Jahrhundert im Festungswall verankert waren.
Archäologe Hartmut Olbrich zeigt eine der ringförmigen Sandsteinmauern unterm Kronentor, mit denen die alte Stadtmauer aus dem späten 16. Jahrhundert im Festungswall verankert waren. © René Meinig

Im Festungswall, auf dem heute die Langgalerien und das Kronentor des Zwingers stehen, wurde sie mit ringförmigen Sandsteinmauern verankert, die im oberen Bereich jetzt ebenfalls freigelegt sind. Die nötigen Sicherungsarbeiten sind wegen der alten Fundamente aufwendiger als gedacht. Der SIB will die Betondecke bis zum Frühjahr erneuern, sodass der Durchgang wieder hergestellt ist.

Ein Blick in den freigelegten Keller unter dem Kronentor. Wegen der alten Mauern sind die Sicherungsarbeiten aufwendiger als gedacht. Sie sollen bis zum kommenden Frühjahr abgeschlossen werden.
Ein Blick in den freigelegten Keller unter dem Kronentor. Wegen der alten Mauern sind die Sicherungsarbeiten aufwendiger als gedacht. Sie sollen bis zum kommenden Frühjahr abgeschlossen werden. © Peter Hilbert

Die Überraschung: 310 Jahre alte Pflanzgruben entdeckt

Die Archäologen graben derzeit auch direkt vor der Bogengalerie K, die sich bis zum Wallpavillon erstreckt. In der erhöhten Terrasse wurde eine 1709 errichtete Stützmauer freigelegt, die noch von der einst offenen Terrassenanlage am alten Festungswall stammt. Bereits ein Jahr später wurde der sogenannte Perron im Zuge des Zwingerbaus verbreitert, sodass die heutige Stützmauer davor gesetzt wurde. Dabei stießen die Archäologen auf eine Überraschung. Der Bereich war damals bereits bepflanzt. „Wir haben hier verschiedene Pflanzgruben gefunden, die sicher zwischen 1709 und 1718 entstanden sind“, sagt Olbrich. „Damit haben wir weitere Teile von Pöppelmanns Garten nachweisen können.“

Links neben dieser alten Sandsteinmauer von 1709 waren Pflanzgruben des Pöppelmannschen Gartens entdeckt worden. Mittlerweile sind sie aber schon wieder verfüllt.
Links neben dieser alten Sandsteinmauer von 1709 waren Pflanzgruben des Pöppelmannschen Gartens entdeckt worden. Mittlerweile sind sie aber schon wieder verfüllt. © René Meinig

Die Sanierung: Sandsteinbelag für Hauptwege

Wo die Archäologen ihre Grabungen abgeschlossen haben, beginnt der SIB mit der Sanierung. Bis Ende 2023 wird der SIB den Zwingerhof schrittweise im Uhrzeigersinn sanieren. Dafür investiert der Freistaat rund zehn Millionen Euro. Geplant ist, die Leitungen im Untergrund zu erneuern. Dazu zählen auch die Elektronik und das Datennetz. Geschaffen werden dabei Anschlüsse, die bei Veranstaltungen benötigt werden. In einem letzten Schritt wird dann die Oberfläche des jeweiligen Viertels im Zwingerhof wieder hergestellt.

Der Zwingerhof soll abschnittsweise saniert werden. Geplant ist, die Arbeiten bis Ende 2023 abzuschließen.
Der Zwingerhof soll abschnittsweise saniert werden. Geplant ist, die Arbeiten bis Ende 2023 abzuschließen. © René Meinig

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Auf den Hauptwegen wird der derzeit rote Belag gegen Platten aus Postaer Sandstein ausgetauscht. Dieses harte Material aus der Sächsischen Schweiz ist für seine hohe Qualität bekannt. Die Nebenwege sollen eine neue wassergebundene Decke erhalten. Die kleinen, kantigen Steinchen verzahnen sich und bilden eine feste Oberfläche, die aber Regenwasser durchlässt und deutlich weniger staubt als die bisherige Oberfläche. Um die Staubentwicklung zu begrenzen und Feinteile zu binden, wird zudem ein Beregnungssystem für die Wegeflächen installiert. Im Zuge der Hofsanierung werden auch LED-Strahler installiert, die die Fassaden dezent beleuchten.

Während der gesamten Bauzeit werden die Zugänge zu den Museen gewährleistet.

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