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Elefant soll die Mücke machen

Eine Südafrikanerin hat öffentliches Grün neben ihrem Pappritzer Haus bepflanzt. Jahrelang störte das keinen. Bis jetzt.

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© René Meinig

Von Kay Haufe

Es mutet wie eine Posse an, doch die ist für Kirshnee Pillay äußerst schmerzlich. Seit mehr als zehn Jahren lebt die Südafrikanerin in Pappritz. Mit landestypischen Schilden an der Hauswand und geschnitzten Elefanten am Tor holt sie sich ein Stück Heimat auf den Guttenweg. Und weil die kleine Rasenfläche neben ihrem Haus so schmucklos und oft ungepflegt war, hat sie auch dort Hand angelegt. Ein Elefant aus Granit steht darin, neben ihm Terrakottakübel. Im Beet blühen Sommerblumen und Kakteen, darüber wachsen die Zweige eines roten Ahorns.

Doch geht es nach der Stadt, verschwindet diese Ecke bald. Das Straßen- und Tiefbauamt (STA) hat sich bei Kirshnee Pillay gemeldet. Sie nutze die öffentliche Fläche ungenehmigt und rechtswidrig, heißt es im Schreiben an sie. Mit der privaten Gestaltung würden der öffentliche Verkehr sowie Ordnung und Sicherheit gefährdet. Ein Bußgeld wird angedroht, falls sie Figur, Pflanzen, Steine und Kübel nicht beseitige. Auch ein Termin ist darin festgelegt, der Pillay besondere Sorgen macht: der 30. September. „Das ist für den Ahorn, den ich vor über zehn Jahren gepflanzt habe, ein sehr schlechter Zeitpunkt. Dann geht er ein“, ist sie überzeugt. Eigentlich hätte sie die öffentliche Grünfläche bereits zum 31. August räumen müssen, immerhin gab es die Verlängerung bis zum 30. September. Doch zu weiteren Kompromissen hat ihr Gespräch mit dem Amt nicht geführt. Die Behörde beharrt auf ihrem Standpunkt.

„Das Aufstellen von privaten Plastiken und sonstigen Gegenständen im öffentlichen Straßenbegleitgrün ist keine vorgesehene Nutzung. Sie geht über den Gemeingebrauch hinaus“, heißt es in der Antwort des STA an die SZ. Zudem habe Pillay keine Genehmigung für eine Sondernutzung der Fläche. Diese hat die selbstständige Sprachtrainerin jedoch beantragt. Auch einen Kaufantrag an die Stadt hat sie gestellt. Beides lehnt das Straßen- und Tiefbauamt ab. „Eine private gärtnerische Nutzung, einschließlich einer teilweisen Versiegelung, sowie das Aufstellen von Pflanzkübeln und Kleinkunst greift in die im Bebauungsplan festgesetzte Pflanzfläche ein“, heißt es im Antwortschreiben. „Deshalb und vor dem Hintergrund des Gleichbehandlungsgrundsatzes kann die Sondernutzungserlaubnis oder ein Verkauf dieser Fläche nicht in Betracht kommen.“

Außerdem informiert das Amt, dass der Pflanzstreifen dem Erhalt der Hecke dient. Diese sei Teil der öffentlichen Fernsehturmstraße und gepflanzt worden, um die Versieglung im Baugebiet auszugleichen. Neben der abschirmenden Wirkung für die Häuser habe sie „eine außerordentliche Bedeutung“ für das Orts- und Landschaftsbild. Das bestreitet Kirshnee Pillay nicht. „Aber die Hecke endet weit vorher.“

Auch ihre Nachbarn können die Reaktion der Stadt nicht verstehen. Ute Hoffmann hat eine Unterschriftensammlung zum Erhalt der Grünfläche mit Elefant initiiert, auf der sich 19 Anwohner eingetragen haben. „Wie wäre es denn, wenn sich die Stadt mit ihr zusammensetzt und bespricht, was geändert werden sollte und was bleiben kann? Hier wollte doch jemand etwas Gutes tun. Es einfach zu verbieten und Fristen zu setzen, ist doch kein guter Weg“, sagt Hoffmann. Auch Kirshnee Pillay hätte das bevorzugt. Sie bekommt viel Lob von Wanderern, die vor ihrer liebevoll gestalteten Straßenecke stehen bleiben, sogar Maler haben das Fleckchen schon auf Papier festgehalten.

Wenn die Stadt nicht doch noch einlenkt, muss Pillay einen Kran bestellen, der den 700 Kilogramm schweren Elefanten transportiert. Auch der Ahorn kann nicht mehr mit der Hand ausgegraben werden. Doch so weit will es Hochland-Ortsvorsteherin Daniela Walter nicht kommen lassen. Sie hat bei der Stadt beantragt, dass der Räumungstermin zunächst ausgesetzt wird, damit der Ortschaftsrat darüber diskutieren kann. „Frau Pillay trägt zur Verschönerung der Ortschaft bei, eine Gefährdung des Straßenverkehrs kann ich nicht erkennen“, sagt Walter. Sie wünscht sich, dass die Stadt Lösungen sucht, statt nur pure Formalien zu bemühen.