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Selbst die Buche leidet

Die Wahl zum Baum des Jahres soll auf die Probleme des Klimawandels aufmerksam machen. Auch im Forstbotanischen Garten Tharandt spielt das Thema eine Rolle.

Von Birgit Hilbig
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Der Klimawandel macht auch den Rotbuchen zu schaffen.
Der Klimawandel macht auch den Rotbuchen zu schaffen. © Foto: Adobe Stock

An ihrem glatten Stamm mit der silbriggrauen Rinde ist die Rotbuche auch in diesen Wintertagen gut zu erkennen. Der Baum des Jahres 2022 kann stolze 40 Meter hoch und unter guten Bedingungen bis zu 300 Jahre alt werden. „Ohne den Einfluss des Menschen würden Rotbuchen die sächsischen Wälder eindeutig dominieren“, sagt Dr. Ulrich Pietzarka, Kustos des Forstbotanischen Gartens Tharandt. „Denn außer in Überschwemmungsgebieten und an sehr trockenen oder hoch gelegenen Standorten können sie sich auf allen Böden durchsetzen.“
Spätestens seit den ersten Silberfunden nahm der Anteil der Rotbuchen hierzulande jedoch rapide ab, weil sich ihr Holz sehr gut zur Herstellung von Holzkohle für die Erzaufbereitung eignete. Im Durchschnitt des Freistaats machen Buchen heute nur noch rund drei Prozent des gesamten Baumbestands aus. Viele ausgedehnte Wälder bestehen hauptsächlich aus Fichten und Kiefern.

Öffnung voraussichtlich ab 1. April

In den letzten Jahrzehnten setzte sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass die ursprünglichen Laubmischwälder dem Klimawandel besser trotzen können als die zwar schnell wachsenden, aber empfindlichen Nadelwälder. „Im Rahmen des Waldumbaus spielt die Buche deshalb wieder eine ganz große Rolle“, so Pietzarka. „Lange Zeit wurde sie sogar als eine Art Universallösung betrachtet. Allerdings hält selbst sie den sich häufenden Extremsommern nicht so stand wie erhofft. Vor allem ältere Bäume zeigen Hitze- und Dürreschäden.“ Auf dieses Problem soll die nach 1990 bereits zweite Wahl zum Baum des Jahres aufmerksam machen.
Auch im Forstbotanischen Garten Tharandt, der nach der Winterpause voraussichtlich ab 1. April wieder geöffnet ist, wird die Rotbuche 2022 ein wichtiges Thema sein: An ihrem Beispiel sollen die gigantischen Herausforderungen des Klimawandels veranschaulicht werden. „Was wir in der Waldwirtschaft jetzt starten“, so Pietzarka, „wirkt sich erst in rund 100 Jahren aus. Es zeichnet sich aber ab, dass die Lösung nicht in einer bestimmten Baumart oder einem allgemeingültigen Bewirtschaftungskonzept liegt.“ Nur durch Vielfalt könne man den sich rasch ändernden Umweltbedingungen etwas entgegensetzen.