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Schnell im Grünen, schnell in der Stadt

Familie Fritzsche hat ihr Glück am Dresdner Stadtrand gefunden. Und wollen sie doch mal ins Zentrum, fahren Bus und Bahn um die Ecke.

Familie Fritzsche ist an den Stadtrand gezogen und fühlt sich hier sehr wohl. Tochter Asa, Vater Veit, Mutter Lydia und Sohn Finn (v.l.n.r.)
Familie Fritzsche ist an den Stadtrand gezogen und fühlt sich hier sehr wohl. Tochter Asa, Vater Veit, Mutter Lydia und Sohn Finn (v.l.n.r.) © Marion Doering

Dresden. Im Garten der Fritzsches steht ein prächtiger Walnussbaum. An den Ästen hängen zwei Schaukeln. Die rote Schaukel ist fest reserviert für Asa. "Juhuu, nochmal!", ruft das Mädchen und stößt sich beherzt vom Boden ab. Die Zehnjährige und ihr 14-jähriger Bruder Finn können gar nicht genug davon bekommen, wild über den Rasen zu schwingen. 

Das Grundstück der Fritzsches, es erzählt vom Glück einer Familie, die angekommen ist. Vor sieben Jahren haben die Skandinavien-Fans das rote Bungalow in der Dresdner Ortschaft Gompitz gebaut. Vorher haben Mutter Lydia, Vater Veit und die zwei Kinder in einer Drei-Zimmer-Dachgeschoss-Wohnung in Dresden-Cotta gewohnt. 

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Per Handschlag zum eigenen Baugrundstück

Der Umzug nach Gompitz war eher Zufall. "Uns hätte eigentlich schon eine Vier-Zimmer-Wohnung in Cotta gereicht", erzählt Lydia Fritzsche, die das Familienzentrum Heiderand in Klotzsche leitet. Doch die hätten schon damals extrem viel Geld gekostet, sagt sie.

Deshalb beschließen sie, sich im Umland umzusehen. Veit Fritzsche ist selbst in Gompitz aufgewachsen. Über seine Eltern bekommen sie Kontakt zum Eigentümer eines freien Grundstücks in der Nähe der Gompitzer Höhe. Ein Handschlag hätte gereicht, sagt Veit - dann konnten sie anfangen zu bauen. 

Familie Fritzsche: "Dresden ist perfekt"

Lydia schneidet einen Schokoladenkuchen an. Ihr Sohn Finn ist heute 14 geworden, Papa Veit ist früher von der Arbeit gekommen, draußen zwitschern ein paar Vögel. Wieder mitten in der Großstadt wohnen? Das kann sich keiner aus der Familie mehr vorstellen. 

Lydia hat ihren Mann auf einer Studentenparty kennengelernt - in Berlin. Sie selbst kommt aus dem Szenekiez Friedrichshain, kennt den Trubel einer Metropole also hautnah. Zu groß, zu anonym, so empfindet das Ehepaar heute die deutsche Hauptstadt. 

Dresden dagegen sei perfekt, sagen sie, schwärmen von der Zugänglichkeit der Elbe. Auch am Stadtteil Gompitz schätzen sie vieles. In wenigen Minuten sei man im Grünen, schnell mit Bus und Bahn in der Innenstadt. 

Mehr Sicherheit und Nachbarschaft, anders Einkaufen

"Man kennt sich auf dem Dorf, zu den Eltern aus Schule und Kindergarten bleiben die Beziehungen bestehen", sagt Lydia. Wenn Finn vom Sportplatz nach Hause laufe, habe sie ein sicheres Gefühl. "Wenn er mal nicht nach Hause kommt, kann ich mindestens fünf Leute anrufen, die ihn kennen und gesehen haben müssten."

Doch gibt es auch Nachteile? "Man kommt nicht so schnell zu Restaurants", bemängelt Tochter Asa. Auch mit dem Rad seien sie früher mehr gefahren, sagt Vater Veit, denn Gompitz liegt nun mal auf den Hügeln der Stadt.

Auch bemerkt Lydia, dass sich das Einkaufsverhalten der Familie deutlich verändert hat. "Ich setze mich jetzt mehr ins Auto und mache größere Wocheneinkäufe." Generell wünscht sich die zweifache Mutter auch, dass es mehr öffentliche Räume für Familien in Dresden gibt.

"Da muss mehr investiert werden", sagt sie. In Jugendclubs, Treffpunkte und günstige Anmietungsmöglichkeiten für Familienfeiern etwa. Doch insgesamt sei die Familie sehr glücklich - genau da wo sie lebt. 

Mit ihrer Zufriedenheit sind die Fritzsches nicht alleine. Das Wohlbefinden der Bewohner in den Ortschaften Altfranken und Gompitz liegt laut dem Familienkompass Sachsen mit der Note 2,19 deutlich höher als das einer durchschnittlichen Dresdner Familie. 

Auffällig viele Gompitzer sind der Meinung, dass Beruf und Familie für sie gut miteinander vereinbar sind. Das liegt sicherlich auch daran, dass über 90 Prozent der Befragten angeben, ihre Kita liege ganz in der Nähe ihres Wohnorts und sei somit gut erreichbar. 

Mit der Qualität der Kitas hingegen sind nicht alle Anwohner zufrieden. Einen Platz in der eigenen Wunschkita haben nur etwas mehr als die Hälfte aller Eltern bekommen. Auch wünschen sich mehr Familien in Gompitz ein bedarfsgerechteres Kita-Angebot. 

Überdurchschnittlich glücklich sind die Gompitzer Eltern hingegen mit dem schulischen Angebot. Über 85 Prozent geben an, ihre Kinder gingen gern zur Schule, auch den Zustand der Schulgebäude findet eine sehr große Mehrheit gut bis sehr gut. 

Gompitz leidet unter eigener Beliebtheit

Auch beim Thema Verkehr kann Gompitz mit einer verhältnismäßig niedrigen Belastung durch Autos punkten. Allerdings liegt die Ortschaft nah an der Autobahn und in der Einflugschneise des Dresdner Flughafens. 41,3 Prozent der Befragten in Gompitz und Altfranken geben an, unter Verkehrslärm zu leiden. 

Insgesamt wird das Wohnumfeld allerdings überdurchschnittlich gut bewertet. Gompitz überzeugt viele Eltern mit einer kümmernden Nachbarschaft, sauberen Spielplätzen und Wohlfühlambiente. 

Doch die zunehmende Beliebtheit der Ortschaft, die auch durch einige Neubaugebiete sichtbar wird, hat ihren Preis. Viele Gompitzer Familien bemängeln mittlerweile hohe Preise und wenige Wohnangebote. Beim Familienkompass schneidet dieser Bereich nur mit der Note 4,09 ab - und damit genauso schlecht wie der Dresdner Durchschnitt. 

Familie Fritzsche hat diese Probleme nicht mehr. "Wir investieren in uns selbst", sagt Vater Veit und lächelt. In den kommenden Wochen wollen er und die Kinder den Zaun um das Grundstück weiterbauen. Geschlagenes Holz vom Walnussbaum liegt schon neben den Schaukeln bereit. 

Familienkompass Sachsen 2020 - Die Ergebnisse für Dresden:

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Die weiteren Ergebnisse für Dresden - unter anderem in den Kategorien Wohnkosten, Wohngegend, Kita- und Schulqualität - werden in den kommenden Wochen auf Sächsische.de und in der Sächsischen Zeitung veröffentlicht.

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