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Dresden: Mehr Lehrer, trotzdem Ausfall

Trotz neuer Pädagogen kann der Unterricht nicht immer abdeckt werden. Wo das besonders drastisch ist und wie Dresdner Eltern die Situation bewerten.

Die Einstellungsoffensive an Dresdner Schulen hat bislang nicht den erhofften Erfolg gebracht: Nach wie vor fallen viele Stunden aus, der Lernstoff fehlt den Kindern dann.
Die Einstellungsoffensive an Dresdner Schulen hat bislang nicht den erhofften Erfolg gebracht: Nach wie vor fallen viele Stunden aus, der Lernstoff fehlt den Kindern dann. © Symbolbild: Christian Charisius/dpa

Dresden. Eigentlich kommen aus Dresdens Schulen gute Nachrichten. Wer den Lehrerberuf ergreift, will vor allem in der sächsischen Landeshauptstadt arbeiten. Zu Schuljahresbeginn sind in und um Dresden 288 Vollzeitstellen besetzt worden – so viele wie sonst nirgends im Freistaat. 

Hinzu kommen Seiteneinsteiger. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) spricht von einer geringfügig besseren Situation. Aber: Die Einstellungsoffensive der letzten Jahre konnte den Unterrichtsausfall weder senken noch aufhalten. Das zeigt eine Auswertung der Sächsischen Zeitung für alle Schulen in der Stadt für die vergangenen zehn Jahre.

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Zusammengerechnet wurden alle Stunden, die planmäßig und außerplanmäßig ausfielen, sowie Stunden, in denen Lehrer mit anderen Fächern einsprangen. An den Grundschulen ist bis 2012 ein kontinuierlicher Anstieg der ausgefallenen Stunden zu sehen.

 Zwischen 2012 und 2016 gelang es, den Trend zu stoppen und umzukehren. Was nicht von langer Dauer war: Zwischen 2017 und 2019 erreichte der Ausfall Rekordniveau. 

Eltern stellten sich selbst vor Grundschulklassen

Einen besonders drastischen Fall von ausgefallenem Unterricht gab es tatsächlich 2017 in der 90. Grundschule in Dresden-Luga. Dort fehlten damals zeitgleich fünf Lehrer, einige Eltern betreuten die Klassen selbst, lasen mit den Kindern und machten Schreibübungen. 

Insgesamt fielen in jenem Schuljahr rund elf Prozent des Unterrichts an der 90. Grundschule entweder komplett aus oder es gab eine Vertretung in anderen Fächern.

Letztlich fehlten den Kindern an der zweizügigen Schule insgesamt 853 Stunden ihres eigentlichen Unterrichts. An den restlichen Dresdner Schulen lag der Anteil an fehlenden Stunden damals im Schnitt zwischen drei und sechs Prozent. 

Das Problem an der 90. Grundschule: Zwar konnten für zwei Lehrer, die in den Ruhestand gegangen waren, schon ein Jahr zuvor zwei Seiteneinsteigerinnen gewonnen werden. Eine von ihnen wurde allerdings schwanger und ging in den Mutterschutz, die andere war längere Zeit krank. 

Lehrer sind krank, bilden sich fort, streiken

An den Oberschulen und Gymnasien konnte der Ausfall zwischen 2012 und 2016 allenfalls gebremst werden, bevor er ebenfalls neue Höchststände erreichte. Zu den häufigsten Gründen für den Ausfall gehören laut Kultusministerium erkrankte Lehrer, kranke Lehrerkinder, Lehrer, die eine Kur durchlaufen, sowie Fortbildungen und Streiks. 

Von vornherein geplante Stundenausfälle durch unbesetzte Lehrerstellen gibt es vergleichsweise wenige in Dresden. Die Statistik des Ministeriums reicht bisher nur bis zum Sommer 2019. Für das vergangene Schuljahr liegen aufgrund des eingeschränkten Schulbetriebs infolge der Corona-Pandemie noch keine vollständigen Zahlen vor.

Allerdings gibt es derzeit an der 90. Grundschule schon wieder ein massives Ausfallproblem. Zwar gab es am Schuljahresbeginn 2020/21 ausreichend Lehrer - allerdings häuften sich im September sehr viele Krankheitsfälle bei den Pädagogen. 

In der Woche vom 23. bis 25. September waren nur fünf Lehrerinnen für acht Klassen im Einsatz. "Deshalb wurden an diesen drei Tagen die 4. Klassen mit Aufgaben nach Hause geschickt. Die Eltern erhielten rechtzeitig eine Information dazu, eine Notbetreuung war stets gewährleistet", teilt das Landesamt für Schule und Bildung mit.

Eltern sind einigermaßen zufrieden mit dem Unterricht

Dresdens Familien beurteilen die Lage bei der Umfrage zum Familienkompass 2020 deutlich besser als die Ausfallstatistik tatsächlich aussieht. So finden rund 50 Prozent der befragten Eltern, Unterricht falle nur selten aus. Weitere 25 Prozent sagen "teils, teils". Lediglich 25 Prozent meinen, in der Schule ihrer Kinder gebe es zu häufig Vertretungspläne. 

Dagegen beurteilen die Familien ein anderes Problem als dringlicher. Etwa 55 Prozent meinen, die Klassen wären viel zu voll. 

In dieser Frage schneidet Dresden sogar deutlich schlechter ab und liegt unter dem sächsischen Durchschnitt. Piwarz macht den Familien allerdings wenig Hoffnungen, dass sich daran kurzfristig etwas ändern wird. 

Als gut bewerten Eltern und Kinder grundsätzlich den baulichen Zustand der Schulhäuser in der Stadt. Und 73 Prozent der befragten Familien sagen: "Unser Kind geht gern zur Schule."

Familienkompass Sachsen 2020 - Die Ergebnisse für Dresden:

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Die weiteren Ergebnisse für Dresden werden in den kommenden Wochen auf Sächsische.de und in der Sächsischen Zeitung veröffentlicht.

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