merken
PLUS Familienkompass 2020 Weißwasser Familienkompass

Top Schulgebäude, aber auch Mobbing und Gewalt?

Weißwasser fällt auf im sachsenweiten Familienkompass-Vergleich bezüglich der Schulen. Ein Schulleiter widerspricht zumindest teilweise.

Physiklehrer Uwe Bläsner beim Unterricht einer 7. Klasse an der Bruno-Bürgel-Oberschule. Die technische Ausstattung im Unterrichtsraum ist gut, zu viele Schüler, die es eng machen würden, gibt es nicht. Beste Voraussetzungen für einen guten Unterrich
Physiklehrer Uwe Bläsner beim Unterricht einer 7. Klasse an der Bruno-Bürgel-Oberschule. Die technische Ausstattung im Unterrichtsraum ist gut, zu viele Schüler, die es eng machen würden, gibt es nicht. Beste Voraussetzungen für einen guten Unterrich © Joachim Rehle

Ein erster Blick auf die Schullandschaft in Weißwasser zeigt vor allem eines: Die mit 16.000 Einwohnern eher kleine Stadt kann mit drei Grundschulen, einer Oberschule, einem Gymnasium und einem Berufsschulzentrum auf ein außergewöhnlich breites Spektrum verweisen. Das ist einerseits der Geschichte der Stadt als Kreisstadt, andererseits auch der geografischen Lage und der Versorgungsaufgabe für umliegende Gemeinden geschuldet.

Dirk Nieter, Schulleiter der Bruno-Bürgel-Oberschule, ist einer, der sich in Weißwassers Schullandschaft besonders gut auskennt, weil er seit drei Jahrzehnten als Leiter verschiedener Schulen in der Stadt tätig ist. Er sagt: „Diese Schullandschaft mit Schulen aller Schularten ist für eine Stadt dieser Größe etwas Besonderes“. Dies wertschätzen die Weißwasseraner allerdings weniger als eigentlich verdient, benoten die Vielfalt der Schullandschaft mit einer „Drei“ (genau 2,76/ im Umland 3.0) und damit schlechter als die Sachsen im Durchschnitt. Obwohl eigentlich gar nicht mehr Schulvielfalt möglich ist.

Gesundheit
Gesund und Fit
Gesund und Fit

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

So bewerten Familien die Schul-Situation

So bewerten Familien die Schul-Situation in Weißwasser. Die Grafik zeigt ausgewählte Fragen aus dem Familienkompass-Fragebogen. Der Wert rechts über der Farbskala gibt die durchschnittliche Bewertung der Frage von 5 (sehr schlecht) bis 1 (sehr gut) an, der graue Balken zeigt die Abweichung vom Sachsen-Schnitt. Grünes Dreieck: Diese Frage wurde im ausgewählten Ort deutlich besser bewertet als im Sachsen-Schnitt. Rotes Dreieck: deutlich schlechtere Bewertung als im Sachsen-Schnitt. Gelbes Quadrat: Bewertung entspricht in etwa dem Sachsen-Schnitt (+/–10%).
So bewerten Familien die Schul-Situation in Weißwasser. Die Grafik zeigt ausgewählte Fragen aus dem Familienkompass-Fragebogen. Der Wert rechts über der Farbskala gibt die durchschnittliche Bewertung der Frage von 5 (sehr schlecht) bis 1 (sehr gut) an, der graue Balken zeigt die Abweichung vom Sachsen-Schnitt. Grünes Dreieck: Diese Frage wurde im ausgewählten Ort deutlich besser bewertet als im Sachsen-Schnitt. Rotes Dreieck: deutlich schlechtere Bewertung als im Sachsen-Schnitt. Gelbes Quadrat: Bewertung entspricht in etwa dem Sachsen-Schnitt (+/–10%). © SZ-Grafik
So bewerten Familien die Schul-Situation im Umland von Weißwasser. Die Grafik zeigt ausgewählte Fragen aus dem Familienkompass-Fragebogen. Der Wert rechts über der Farbskala gibt die durchschnittliche Bewertung der Frage von 5 (sehr schlecht) bis 1 (sehr gut) an, der graue Balken zeigt die Abweichung vom Sachsen-Schnitt. Grünes Dreieck: Diese Frage wurde im ausgewählten Ort deutlich besser bewertet als im Sachsen-Schnitt. Rotes Dreieck: deutlich schlechtere Bewertung als im Sachsen-Schnitt. Gelbes Quadrat: Bewertung entspricht in etwa dem Sachsen-Schnitt (+/–10%).
So bewerten Familien die Schul-Situation im Umland von Weißwasser. Die Grafik zeigt ausgewählte Fragen aus dem Familienkompass-Fragebogen. Der Wert rechts über der Farbskala gibt die durchschnittliche Bewertung der Frage von 5 (sehr schlecht) bis 1 (sehr gut) an, der graue Balken zeigt die Abweichung vom Sachsen-Schnitt. Grünes Dreieck: Diese Frage wurde im ausgewählten Ort deutlich besser bewertet als im Sachsen-Schnitt. Rotes Dreieck: deutlich schlechtere Bewertung als im Sachsen-Schnitt. Gelbes Quadrat: Bewertung entspricht in etwa dem Sachsen-Schnitt (+/–10%). © SZ-Grafik

Ausstattung der Schulen vorbildlich

Positiv fällt die Stadt bei der Frage nach dem Zustand der Schulgebäude auf, für die nur jeder fünfte Umfrageteilnehmern die Schulnote Drei vergeben hat, alle anderen eine Eins oder Zwei. Das ist verdient: „Die Stadt Weißwasser hat bezüglich des Willens, ihre Schulen gut auszustatten, schon lange eine führende Rolle gespielt. Die Schulen der Stadt wurden sehr zeitig mit guter Ausstattung versehen. Die anderen Schulträger – wie der Landkreis für das Gymnasium und das Berufsschulzentrum – haben inzwischen nachgezogen“, sagt Nieter. 

Dazu kommen im Umland die neue Schule in Schleife, die Bemühungen zum Beispiel in Krauschwitz oder Sagar. Auch bezüglich moderner Internetmöglichkeiten hinken die Weißwasseraner nicht hinterher. Die Oberschule in Weißwasser zum Beispiel habe schon seit zwei, drei Jahren in fast allen Räumen Internet in guter Bandbreite anliegen, die meisten Räume sind mit Beamern und Notebooks ausgestattet, es gibt dreieinhalb Informatikkabinette mit zentraler Serverstation. Auch der nächste Schritt, der Einsatz von Tabletts im Unterricht, sei vorbereitet, die entsprechenden Mittel beantragt. Ebenso ist die Digitalisierung der Grundschulen inzwischen vorangekommen.

Schulausfall und Klassen sind klein

Verwundert ist der Schulleiter über die im Sachsenvergleich allenfalls durchschnittliche Bewertung der Weißwasseraner in Sachen Unterrichtsausfall und volle Klassen. Nieter ist überzeugt, dass sich das Empfinden der Umfrageteilnehmer nicht mit der Realität deckt. Denn die statistischen Zahlen sagen aus, dass in Weißwasser deutlich weniger Unterricht ausfällt als im sächsischen Schnitt. Für das letzte Vor-Corona-Halbjahr 2019/20 liegen die Zahlen vor: In den Grundschulen fielen sachsenweit durchschnittlich vier Prozent der Stunden aus, in Weißwasser waren es dagegen nur 2,8 Prozent (Friedrich-Froboeß-GS), 1,7 Prozent (Geschwister-Scholl-GS) und 3,4 Prozent (Pestalozzi-GS), bei der Oberschule statt 5,2 Prozent in Sachsen nur 3,3 Prozent. Nur im Gymnasium fielen mit 4,8 Prozent mehr Stunden aus als im Sachsenschnitt (4,0 %). Auch die Schulklassen sind im ländlichen Raum naturgemäß kleiner als in Ballungsräumen, wo sich Schüler viel effektiver so lenken lassen (müssen), dass Klassen effektiv voll sind. An der Oberschule Weißwasser zum Beispiel lernen in einer Schulklasse durchschnittlich 24 Schüler.

Schlechte Noten für zwei Fragen

So richtig schlecht schneidet Weißwasser innerhalb der Familienkompass-Umfrage bei zwei Fragen ab. Den Teilnehmern ist das Ganztagesangebot nicht vielfältig genug, und das Mobbing und Gewaltproblem wird in Weißwasser sehr negativ bewertet, mit fast einer ganzen Schulnote schlechter als im Sachsenschnitt. Beides kann Dirk Nieter nicht wirklich nachvollziehen. Er zählt für seine Oberschule eine Unmenge an Ganztagesangeboten auf, im sportlichen, kulturellen und auch handwerklichen Bereich. „Natürlich geht immer mehr, und wir sind immer auf der Suche nach neuen Angeboten. Aber auf der einen Seite müssen sie auch angenommen werden. 

Ein Grafitti-Angebot scheiterte zum Beispiel an zu geringem Interesse. Und dann hoffen wir auch auf Engagement von Außen. Eltern können sich gern mit ihren Ideen bei uns melden und einbringen“, spielt er den Ball an die Eltern zurück. Darüber hinaus gebe es in Weißwasser ja auch ein vielfältiges Vereinsangebot, das an anderer Stelle der Umfrage von den Eltern wiederum gelobt wird.

Beim Thema Gewalt und Mobbing glaubt der erfahrene Schulleiter, dass die Wahrnehmung der Weißwasseraner diesbezüglich eine andere ist als in den Großstädten: „Von dem Level der Gewalt und Mobbing im großstädtischen Bereich sind wir meilenwert entfernt. Dass Polizei wegen Waffen, Drogen oder Körperverletzungen angefordert werden muss, komme in Weißwasser nicht vor. Die Bewertung in dieser Frage hat mich überrascht.“Schwerwiegende Vorfälle nach Beleidigungen, Mobbing oder auch Kabbeleien werden mit Verweisen bestraft. An den letzten Schulverweis als höchste Strafe könne er sich nicht erinnern, sagt Nieter. Auf 48 Schulkonferenzen im Schuljahr 2019/20, in denen das Lehrerkollektiv über die Schulklassen berät, wurden insgesamt vier Verweise durch den Klassenleiter oder den Schulleiter ausgesprochen – eine verschwindend geringe Zahl.

Und zum Mobbing-Thema im Internet sagt Nieter. „Wenn uns Probleme bekannt werden, schreiten wir ein. Betroffen sind eigentlich Whatsapp-Gruppen der fünften bis siebenten Klasse, obwohl da eine Altersgrenze 16 Jahre gilt. Da ist auch die Kontrolle der Eltern gefragt.“

Positive Rückmeldungen direkt bei der Schule

Weiterführende Artikel

„Diese Stadt ist viel besser als ihr Ruf“

„Diese Stadt ist viel besser als ihr Ruf“

Das Interview zum SZ-Familienkompass in Weißwasser. Oberbürgermeister Torsten Pötzsch über Probleme, Gutes, Wünsche und staunende Südkoreaner.

Wo Weißwasser auf dem letzten Platz steht

Wo Weißwasser auf dem letzten Platz steht

Beim Thema Arbeit wird die Region Weißwasser extrem schlecht bewertet. Aber ist das gerechtfertigt?

Hat der Kreisnorden ein Ärzteproblem?

Hat der Kreisnorden ein Ärzteproblem?

Viele Familien benoten hier die Gesundheitsversorgung schlecht. Dabei könnte es noch schlimmer kommen.

Wie denken Weißwasseraner über ihre Kitas?

Wie denken Weißwasseraner über ihre Kitas?

Die Kindertagesstätten kommen bei der Familienkompass-Umfrage in Weißwasser und Umgebung richtig gut weg. Nur beim Geld sind der Stadt die Hände gebunden.

Und so unwohl, wie es die schlechte Bewertung in diesem Punkt vermuten lässt, fühlen sich die Kinder an den Weißwasseraner Schulen nicht. Weit über die Hälfte der Kinder geht nach Angaben der Umfrageteilnehmer gern oder sehr gern in ihre Schule, nur jeder achte gibt diesbezüglich eine Schulnote Vier oder Fünf. „Wir müssen uns mit unseren Schulen nicht verstecken“, sagt Dirk Nieter und erzählt von jungen Eishockeyspielern, die nach Weißwasser wechseln und deren Eltern sich im Nachhinein ausdrücklich für die tolle Schule in dieser Stadt bedanken.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Familienkompass 2020 Weißwasser