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Trotz Instagram will er Fotograf werden

Ein junger Fotograf aus Hartha verkauft für 2021 einen Kalender vom Tharandter Wald. Er erklärt, warum ihn Instagram nervt und worauf er beim Fotografieren achtet.

Richard Müller hat sich mit seinen 22 Jahren schon ein richtiges Atelier eingerichtet. Er hat einen Fotokalender vom Tharandter Wald erstellt.
Richard Müller hat sich mit seinen 22 Jahren schon ein richtiges Atelier eingerichtet. Er hat einen Fotokalender vom Tharandter Wald erstellt. © Norbert Millauer

Im Dachgeschoss eines Hauses mitten in Hartha: Rechts hängt eine Zeichnung vom Pfaffenstein in der Sächsischen Schweiz. Weiße Studioblitze beleuchten Porträtmalereien. Eine große Leinwand aus Holz steht an der Tür. Es ist das Atelier von Richard Müller, einem jungen Fotografen aus Hartha.

Auf dem Tisch in der Mitte liegt ein Kalender. "Tharandter Wald" steht groß mit weißer Schrift auf der Vorderseite. Richard holt einen zweiten hervor - die Alpen. Beide Kalender hat der junge Fotograf erstellt. Er selbst findet es schwierig sich nur als Fotograf zu bezeichnen. "Eigentlich bin ich Fotograf und Designer, der nebenbei studiert und zeichnet", fasst der 22-Jährige sein Leben zusammen.

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Währenddessen blättert er durch den regionalen Kalender, zusammengesetzt aus zwölf Einzelstücken. Hinter jedem Foto steckt eine kleine Geschichte. "Hier hab ich darauf gewartet, dass nach dem Gewitter doch noch die Sonne rauskommt", erzählt er und zeigt auf ein Bild mit Blick auf Tharandt. "Und bei dem Foto musste ich fünfmal hinfahren, ehe die Sonne an der richtigen Stelle stand."

Richard plant seine Bilder genau. Er weiß, wenn er um drei Uhr morgens aufsteht und an einen auserkorenen Ort wandert, welches Motiv er ablichten möchte. "Ich mache keine Schnappschüsse", sagt er. Deswegen hat Richard immer das Wetter im Blick. Er weiß, wann es wo schneit und wie die Sonne gerade steht. Denn erst dann entscheidet er, ob er seine Systemkamera mitnimmt. Aber im Kalender findet sich auch eine Ausnahme.

Leuchtende Nachtwolken im Tharandter Wald

Die leuchtenden Nachtwolken über Kurort Hartha im Juli
Die leuchtenden Nachtwolken über Kurort Hartha im Juli © Richard Müller

Es ist ein Foto von Hartha mitten im Juli. Die Sonne geht gerade unter, der Ort liegt friedlich da. Schaut man nach oben in den Nachthimmel, leuchtet es. "Das sind sogenannte Lichtwolken", erklärt Richard. Damit meint er eine Ansammlung von Eiskristallen in der Atmosphäre - etwa 80 Kilometer über dem Erdboden. "Da hat mich ein Freund spontan am Abend angerufen. Ich hab mich sofort auf den Weg gemacht." Wirklich vorbereiten konnte sich Richard nicht. Trotzdem hat es das Bild in den Kalender geschafft.

Genervt von Instagram

Der junge Fotograf kann zu jedem Foto etwas erzählen und genau das mache ihn auch aus. Denn natürlich nerve ihn die soziale Plattform "Instagram". Die Fotos seien dadurch weniger wert als früher. Doch Richard zieht bei den Insta-Fotos nicht mit. Zwar sei er auch dort angemeldet, denn ohne gehe es nicht, aber er lädt nicht solche knalligen und kontrastreichen Bilder hoch. "Das sieht zwar auf den ersten Blick toll aus, aber ich will Fotos, bei denen man länger hinschaut, die realistisch sind." Denn die Natur sei schon an sich phänomenal, da brauche es keine extra großen Filter, sagt Richard, der sehr naturverbunden ist.

Für bestimmte Monate hatte Richard Müller schon lange ein Motiv im Kopf, so wie hier am Jungfernloch im Tharandter Wald
Für bestimmte Monate hatte Richard Müller schon lange ein Motiv im Kopf, so wie hier am Jungfernloch im Tharandter Wald © Richard Müller
Schnee am Seerenteich im Tharandter Wald - Das war gar nicht so einfach letztes Jahr im Winter
Schnee am Seerenteich im Tharandter Wald - Das war gar nicht so einfach letztes Jahr im Winter © Richard Müller
Hier hat Richard Müller lange gewartet bis das Gewitter vorüber gezogen ist: Blick auf Tharandt von der Burgruine
Hier hat Richard Müller lange gewartet bis das Gewitter vorüber gezogen ist: Blick auf Tharandt von der Burgruine © Richard Müller

Deshalb fotografiert er auch viele Landschaften. Ob wandern, klettern oder bei Skitouren - Richard liebt es draußen zu sein. Darum sei es auch mal okay, wenn er ewig wohin gewandert ist, um das perfekte Motiv zu bekommen und dann klappt es doch nicht. "Dann habe ich zumindest die Wanderung genossen." Durch die Natur habe er überhaupt zur Fotografie gefunden. Zehn Monate war er nach dem Abi in Nordamerika - die Landschaft habe es ihm so angetan, dass er die Kamera nicht mehr weglegen konnte.

Doch nicht nur die Natur begeistert Richard. Auch der Handball hat es ihm angetan. Seit er vier Jahre alt ist, spielt er im Handballverein der SG Kurort Hartha, den er unterstützen will: "Pro Kalender geht ein Euro an den Verein." Insgesamt kostet der Kalender 25 Euro. Ob er von der Fotografie später leben möchte oder besser gesagt kann, weiß er aber noch nicht.

Kann man von der Fotografie leben?

Deshalb studiere er auch Kunst und Design, um sich breiter aufzustellen. Einen Kalender vom Tharandter Wald plane er fürs nächste Jahr aber auch schon wieder. "Da gehen mir die Ideen für die nächsten zehn Jahre nicht aus. Ich kenne genug Spots, die ich noch fotografieren möchte."

Als Tipp für alle angehenden Fotografen sagt er: " Ein guter Fotograf macht das Bild, nicht die Kamera." So solle man nicht einfach drauf los knipsen, sondern sich genau überlegen, was man mit dem Foto abbilden möchte. "Lieber so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig." Das sei sowohl auf die Anzahl der Motive als auch auf den Kontrast bezogen, sagt er.

Im nächsten Jahr zumindest wird man den Fotografen auch öfter in der Sächsischen Schweiz die Gipfel hochkraxeln sehen, denn er will einen Kalender für das Elbsandsteingebirge erstellen. Dazu wartet er jetzt schon auf das perfekte Winterwetter.

Der Kalender kostet 25 Euro und ist online erhältlich. Auch in der Buchhandlung Findus in der Schillerstraße 1 sowie im Getränkemarkt Amlang in der Roßmäßlerstraße 33 kann man den Kalender kaufen. Unter dem Namen "Richsart" arbeitet Richard Müller als selbstständiger Fotograf und Designer für verschiedene Firmen.

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